Seit 19 Monaten vermisster Flüchtling findet Frau und Kinder wieder

Glückliches Ende einer tragischen Geschichte: Auf der Flucht wurde Wakil Ahmad Mohammadi von Frau und Kindern getrennt. Nach Monaten der Ungewissheit fand die Familie jetzt in Frankenhardt wieder zusammen.

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Hossein (15), Hassan (9), Wakil Ahmad (40), Maryam (32) mit der schlafenden Hossna (2) auf dem Schoss und Maria Mohammadi (13) leben nach langer Trennung jetzt zusammen auf einem Bauernhof in Frankenhardt. Foto: Christine Hofmann
Die Freudentränen wollen gar nicht aufhören zu fließen. Maryam Mohammadi (32) steht das Glück ins Gesicht geschrieben. Die junge Frau strahlt, sie lacht und weint zugleich. Vor wenigen Tagen hat sie nach langer Zeit sogar wieder getanzt – mit ihrem Ehemann Wakil Ahmad (40), den sie glaubte, nie wieder zu sehen. Die ehrenamtlichen Helfer aus Crailsheim und Frankenhardt, die sich um Maryam, ihren Bruder Hossein (15) und ihre drei Kinder Maria (13), Hassan (9) und Hossna (2) kümmern, seit sie als Flüchtlinge nach Oberspeltach kamen, haben spontan ein Willkommensfest organisiert, als Familie Mohammadi wieder zusammenfand. Die Wiedersehensfreude ist ansteckend.

"Ich dachte, mein Mann ist tot"

Ein Jahr und sieben Monate lang hatte Maryam auf ein Lebenszeichen ihres Mannes gehofft, hatte zu Bekannten und Behörden Kontakt aufgenommen – und gebangt. „Niemand wusste etwas“, berichtet die 32-Jährige. Irgendwann verlor sie jede Hoffnung. „Ich dachte, mein Mann ist tot.“

Als das jüngste Familienmitglied Hossna erst wenige Tage alt war, zwang der Krieg in Afghanistan Familie Mohammadi, ihre Heimat zu verlassen. Zunächst lebte sie eine Weile im Iran, dann floh sie weiter in Richtung Deutschland. An der türkischen Grenze gab es einen Zwischenfall: Bei einer Auseinandersetzung mit den Schleusern wurde die Familie getrennt. Maryam Mohammadi und die Kinder wurden einen Monat lang in einem Wald festgehalten. Auch Wakil Ahmad Mohammadi kam in Gefangenschaft, allerdings an einem anderen Ort und ohne Kontakt zu Frau und Kindern.

Mit vier Kindern allein in einem fremden Land

Für Maryam Mohammadi, ihren Bruder, den sie nach dem Tod der Mutter wie einen Sohn aufzieht, und die drei Kinder ging die Flucht weiter: Über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich kamen sie fünf Monate später in Deutschland an. „Für eine Frau allein mit vier Kindern und ohne Geld war es sehr hart“, sagt Maryam.

Nachdem Wakil Ahmad Mohammadi aus der Gefangenschaft fliehen konnte, machte er sich auf die Suche nach seinen Angehörigen – zu Fuß über den Balkan. Manchmal hatte er Glück und bekam unerwartet Hilfe, dann wieder erlebte er Dinge, über die er nicht sprechen möchte. Erst 19 Monate später brachte der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes die Familienmitglieder zusammen.

Als der Anruf aus dem bayerischen Marktredwitz kam und Maryam Mohammadi die Stimme ihres totgeglaubten Ehemanns hörte, war sie fassungslos vor Glück. Sie findet keine Worte um auszudrücken, was ihr in diesem Moment durch den Kopf ging. „Ich danke allen, die uns geholfen haben“, sagt sie nur. Auch Wakil Ahmad Mohammadi ist sichtlich bewegt. „Ich bin froh, dass ich meine Familie wieder habe.“ Der Reihe nach umarmt der 40-Jährige seine Kinder. Die kleine Hossna, die sich gar nicht mehr an ihren Vater erinnern konnte, nennt ihn jetzt „Papa“.

„Es wäre schön, wenn sie hier bleiben dürften“

Dem Einsatz der ehrenamtlichen Helfer ist es zu verdanken, dass der Vater ohne viel Bürokratie zu seiner Familie nach Frankenhardt ziehen durfte. Vergangene Woche durchlief er das Aufnahmeverfahren in der Landeserstaufnahmestelle Ellwangen. Im Moment lebt Familie Mohammadi auf dem Bauernhof von Christiane Bauer in Hinteruhlberg – zunächst als Ferienaufenthalt. „Es wäre schön, wenn sie hier bleiben dürfte“, sagt Bauer. Den Kindern gefällt das Landleben und der Kontakt mit den Tieren. Die Flüchtlingsfamilie hilft ein wenig bei der täglichen Arbeit und Christiane Bauer hilft beim Deutschlernen. „Ich empfinde es als echte Bereicherung, dass Familie Mohammadi hier ist“, sagt Bauer.

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