Seel nur einmal vorne

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Kaum stand am Sonntagabend fest, dass Dr. Grimmer der neue Oberbürgermeister ist, ging’s im Sauseschritt auch schon zum ersten Termin: Amtsinhaber Rudolf Michl begleitete seinen Nachfolger vors Portal des Rathausturmes, wo die Bürgerwache wartete.  Foto: 

Am Tag nach der Wahl herrscht in Crailsheim eine Stimmung, die man aus Dramen von Hamlet und Goethe kennt: Nicht zwei Herzen oder Seelen wohnen in der Brust vieler Bürgerinnen und Bürger, aber zwei Gefühle. Einerseits die Freude darüber, dass es mit Dr. Christoph Grimmer einen klaren Sieger im ersten Wahlgang (56,9 Prozent) gegeben hat, andererseits drückt die Enttäuschung über eine erneut niedrige Wahlbeteiligung aufs Gemüt.

Obwohl zwölf Kandidaten zur Auswahl standen, es also eigentlich für jede Art von Wähler ein Angebot gegeben hat, beläuft sich die Wahlbeteiligung auf gerade mal 39,1 Prozent. Während vor acht Jahren immerhin die 40-Prozent-Marke noch deutlich übertroffen worden ist (43 und 44 Prozent), kam vorgestern die Wahlbeteiligung noch nicht einmal an die 40-Prozent-Marke heran. War das miese Wetter schuld? Oder gingen viele Crailsheimer von einem zweiten Wahlgang aus? Wer diese Sachverhalte als Gründe für die geringe Wahlbeteiligung bemüht, verschließt die Augen vor dem offensichtlichen Hauptgrund: mangelndes Interesse.

Erschreckend hoch ist die Zahl der Wahlbezirke, in denen die Beteiligung bei unter 30 Prozent liegt. Die schlechtesten Zahlen lieferte auch am Sonntag Crailsheims größter Stadtteil, der Kreuzberg. Den Weg in die drei dortigen Wahllokale fanden nur 21,3 Prozent, 20,5 und 27,9 Prozent der Wahlberechtigten. Aber die Quote ist nicht nur auf dem Kreuzberg schlecht. 22,2 Prozent auf dem Roten Buck und 22,5 Prozent im Sauerbrunnen sind genauso alarmierend. Und auch in der Innenstadt gibt’s keinen Grund zur Freude. Im Wahlbezirk Rathaus liegt die Wahlbeteiligung bei mageren 27 Prozent. Grund zur Freude liefern, wie so oft bei Wahlen, Tiefenbach (52,2 Prozent), Triensbach (50,6 Prozent) und Goldbach (50,3 Prozent). Alle drei Teilorte haben die Schallmauer von 50 Prozent durchbrochen – aber eben nur diese drei von insgesamt 22 ortsbezogenen Wahlbezirken.

Interessant ist ein Blick auf die Ergebnisse der OB-Wahl auch, wenn man sich das Abschneiden der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten anschaut. Das unerwartet schlechte Abschneiden von Ulrich Seel hat viel mit den Teilorten zu tun. Wenn von der CDU unterstützte Kandidaten Oberbürgermeister in Crailsheim geworden sind (Karl Reu, Andreas Raab), war ein Grund dafür ihr gutes Abschneiden in den Teilorten.

Doch Seel konnte nur in Triens­bach mit 43,3 Prozent so richtig punkten. In allen anderen Teilorten schaffte er nicht einmal 20 Prozent. Und das, obwohl er in seinem Wahlkampf von Anfang  an die Bedeutung der Teilorte hervorhob und in seinem kurz vor der Wahl verteilten Prospekt ein Bild von ihm in jedem Teilort enthalten ist. Die CDU als stärkste politische Kraft in Crailsheim konnte ihr Wählerpotenzial mit dem Kandidaten Seel offensichtlich nicht ausschöpfen.

Nur ein Ausreißer

Umso mehr beeindruckt das Abschneiden des parteilosen Bewerbers Grimmer. Der musste nur einen Ausreißer nach unten (Triensbach mit 32 Prozent) verkraften, ansonsten hatte er viele Ergebnisse deutlich über 50 Prozent und das beste Ergebnisse mit 68,9 Prozent in Altenmünster (Turnhalle). Triensbach war übrigens der einzige Stadtteil, in dem Grimmer keine Wahlveranstaltung hatte. Sechs weitere Wahlbezirke mit einem Ergebnis von mehr als 60 Prozent verhalfen Grimmer zur auch für ihn selbst überraschenden absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang (56,9 Prozent). Grimmer setzte sich in 23 von 24 Wahlbezirken gegen seinen Hauptkonkurrenten Seel durch.

Keine große Rolle spielten die anderen Kandidaten. Und deshalb gab es auch enttäuschte Gesichter, etwa bei Jürgen Loga und Sebastian Klunker. Loga hatte über Monate hinweg einen ambitionierten Wahlkampf geführt und sich wie kaum ein anderer mit den Crailsheimer Themen vertraut gemacht. Letztendlich reichte es aber nicht einmal zu zehn Prozent der Stimmen und damit nur zu Platz 4. Die besten Ergebnisse holte sich Loga auf dem Roten Buck (14 Prozent) und auf dem Kreuzberg (12,5 Prozent).

Aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machte Sebastian Klunker. Der Stadtrat erhielt 11,5 Prozent und damit offensichtlich weit weniger, als er erhofft hatte. Immerhin: In seinem Wohnort Jagstheim stimmten 21,9 Prozent der Wähler für ihn, auf dem Kreuzberg und dem Roten Buck waren es jeweils knapp 17 Prozent.

Mit Oliver Uhlemann (29) und Cengiz Yücel (34) erhielten gleich zwei Bewerber am Sonntag weniger Stimmen, als sie im Vorfeld der Wahl vorweisen mussten, um überhaupt antreten zu dürfen. Dafür hatten sie 50 Stimmen von Unterstützern aufweisen müssen.

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