Schwächt Roßfeld die City?

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Auch im zweiten Anlauf bleibt die Ansiedlung eines Fachmarktzentrums mit Märkten für Lebensmittel, Garten und Bauen im Gewerbepark Roßfeld schwierig. Die Crailsheimer Gemeinderäte stimmten vergangene Woche erneut über den Bebauungsplan „Sondergebiet Fachmärkte Rotebachring“ ab – allerdings nicht über den Verwaltungsvorschlag, sondern über einen Antrag der CDU-Fraktion, der besagt, dass in den Fachmärkten keine innenstadtrelevanten Randprodukte verkauft werden dürfen, also keine Waren, die man auch in der Crailsheimer City erwerben kann. Im Verwaltungsvorschlag waren zehn Prozent dieser Sortimente vorgesehen. Bei nur zwei Enthaltungen stimmte die große Mehrheit des Gremiums dem CDU-Antrag zu.

Zuvor war ein Antrag von Stadtrat Thomas Leiberich (CDU), das Fachmarktzentrum ganz zu stoppen, mit 16 Nein- und 15 Jastimmen denkbar knapp abgelehnt worden.

Erst zwei Wochen vorher hatte der Gemeinderat dasselbe Projekt abgelehnt, indem keine Mehrheit für den Billigungs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan zustande kam.

Schwierigkeiten im Vorfeld

Auch im Vorfeld gab es diverse Schwierigkeiten: Das Regierungspräsidium Stuttgart und der Regionalverband Heilbronn-Franken hatte zunächst interveniert. Erst nach langen Verhandlungen konnte man sich einigen.

Der Dreh- und Angelpunkt ist stets die Frage: Schwächt das Gewerbe am Stadtrand das Gewerbe in der Innenstadt? Thomas Leiberich ist davon überzeugt. Der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins Crailsheim hielt in der Sitzung am Donnerstag ein flammendes Plädoyer für den Einzelhandel in der Stadt – und gegen die Ausweisung weiterer Verkaufsflächen auf der „grünen Wiese“. „Mit vielen Mitteln und Engagement versuchen Gemeinderat, Verwaltung und viele Beteiligte aus der Innenstadt, diese attraktiv zu erhalten und zu verbessern. Mit weiteren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche am Stadtrand wird diese Bemühung ad absurdum geführt“, so der Einzelhändler.

Schon heute gebe es in Roßfeld doppelt so viel Verkaufsfläche wie in der Innenstadt. Käme das Fachmarktzentrum hinzu, würden die Geschäfte in der City weiter geschwächt. Experten gingen davon aus, dass eine Fußgängerzone nur dann funktioniere, wenn das Flächenverhältnis 2:1 für die Innenstadtlage sei. „Bei uns ist dies umgekehrt.“

„Wir haben das Fachmarktzentrum aus genau diesen Gründen schon immer abgelehnt“, pflichtete der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Wilfried Kraft, bei. Hermann Wagner (AWV) argumentierte in dieselbe Richtung: „Die Entwicklung in Roßfeld ist bedenklich. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mal einen Punkt zu setzen.“

Dagegen erinnerte Helmut Hassel (CDU) daran, dass das Gewerbe in Roßfeld durchaus auch die Innenstadt befruchte. „Nicht Roßfeld macht die Innenstadt kaputt, sondern der Online-Handel“, so der Stadtrat. Auch sein Fraktionskollege Klaus-Jürgen Mümmler warnte davor, das ganze Projekt nun scheitern zu lassen: „Es geht hier um eine Investitionssumme von 20 Millionen Euro.“ Man könne nicht nach anderthalb Jahren  Planung das Projekt „total blockieren“, sagte Mümmler. „Wie stehen wir denn in der Öffentlichkeit da?“

Eine ähnliche Anmerkung konnte sich auch Baubürgermeister Herbert Holl nicht verkneifen: „Man muss sich mal überlegen, was man nach außen für einen Eindruck hinterlässt.“

Tausend Quadratmeter Verkaufsfläche sieht das städtische Einzelhandelskonzept für die Crailsheimer Innenstadt vor. Für Roßfeld sind darin 48 000 Quadratmeter vorgesehen.

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