Schneemännerschicksal

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Sie wurden schnell zu Lieblingen des begeisterten Publikums in Rot am See: "Unsere Lieblinge".  Foto: 

Ein restlos begeistertes Publikum hinterließen die beiden "musikalischen Teilzeitarchäologen" Alexander Haas und Stefan Noelle, auch bekannt als "Unsere Lieblinge", im Bürgerhaus von Rot am See mit ihrem "Adventssingen". Um die Seelen zu besänftigen, würden sie erst einmal ganz traditionell beginnen. So eröffneten "Unsere Lieblinge" ihren musikalischen Reigen zu Advent. Das zart nuanciert vorgetragene "Es ist ein Ros entsprungen" führte dann in die klanglichen Härten von Norman Greenbaums "Spirit In The Sky".

Zur Adventszeit durften natürlich die Wünsche nach Schnee nicht fehlen, aber Stefan Noelle musste einschränken: "Wir können die ganzen Schneelieder nicht alle an einem Abend spielen." So erklang stellvertretend und etwas smooth Irving Berlins "I've Got My Love To Keep Me Warm". Im gestrichenen Kontrabasschorus von Alexander Haas schaute da auch schon mal Mancinis "Pink Panther" vorbei.

Ganz vom Schnee konnte sich das Duo auch im folgenden Stück nicht trennen. Als "musikalische Teilzeitarchäologen" würden sie ja Dinge zutage fördern, die, so Noelle, "vielleicht zu Recht da unten liegen". Fürs Bergen wurde die eigene Geschichte verantwortlich gemacht: Mit Blick auf Alexander Haas war dies dessen Verehrung für "die schönste Frau des Lebens", Manuela, und deren Lied "Schneemann" aus der Mitte der 1960er- Jahre. Den Schlager ließen "Unsere Lieblinge" in ein textlich leicht abgewandeltes "Ain't No Schneemann, When She's Gone" übergehen, leidend, schluchzend und mit Schmelz in den Stimmen. Conny Froboess' "Hei, so eine Schneeballschlacht" musste zwangsweise folgen. Den Drive aus diesem mit "Schneeflöckchen, Weißröckchen"-Pfeifen garnierten Stück in rasanten Bassläufen mitnehmend, ließen die beiden Musiker die Stimmung in "Winter Wonderland" umschlagen. Nach Noelleschem Scatgesang führte Haas den Jazzstandard bis in Jodelbereiche.

In Erinnerung an die Dauerbeschallung auf Weihnachtsmärkten gab's danach als "Klang gewordener Zimtstern" Schellenklänge zu "Ring My Bell", dann "Trommeln fürs Jesuskind" zu "Little Drummer Boy", der sich mit "Fernando" in ABBA-Gefilde und schließlich ans Lagerfeuer zu "Blue Christmas" verirrte. Dafür klemmte sogar Alexander Haas seinen Kontrabass unter den Arm und übte sich im Slidespiel mit dem Wasserglas auf den Saiten.

Wem das noch nicht reichte, für den hatte das Duo aus München ein heiteres Interpretenraten zu "Winter in Kanada" parat. Immerhin schaffte es sogar Robert Lembke zu Sängerehren, gesucht war aber die heute nicht mehr bekannte Elisa Gabbai. Und nach "I'm Loving Angels Instead" durfte sich Haas mit wahren Variationsfolgen zu "Es wird Nacht, Senorita" austoben.

Am Ende waren die "Lieblinge" mit einem Potpourri unterwegs: von "Auf der Straße nach Süden" über "Wir zwei fahren irgendwo hin", "On The Road Again" und "How Many Roads" bis zu "Am Ende der Straße" ging es einmal durch die Rock-, Pop- und Schlagergeschichte. Unter drei Zugaben inklusive Mitsingen der dritten Strophen der bekanntesten Weihnachtslieder ließ das Publikum die beiden Musiker danach natürlich nicht mehr gehen.

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