Schmuckstücke als Botschafter

Von Paradebett bis Kupferstich: eine spannende Auswahl von Kostbarkeiten ist derzeit im dritten Stock des Landesmuseums in Stuttgart zu sehen. Noch bis Sonntag läuft die Sonderschau "Kunstschätze aus Hohenlohe".

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  • "Träumende Nackte": Die Alabaster-Arbeit aus dem Hohenlohe-Museum Neuenstein wird Leonhard Kern aus Hall zugeschrieben. 1/3
    "Träumende Nackte": Die Alabaster-Arbeit aus dem Hohenlohe-Museum Neuenstein wird Leonhard Kern aus Hall zugeschrieben. Foto: 
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    Der Kupferstich "Das Meerwunder" von Albrecht Dürer (1471 - 1528) gehört heute zur graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. Foto: 
  • Der 1882 in Schwäbisch Hall-Steinbach geborene Max Kade pflegte eine ausgeprägte Leidenschaft für altdeutsche Druckgrafiken. Archivfoto 3/3
    Der 1882 in Schwäbisch Hall-Steinbach geborene Max Kade pflegte eine ausgeprägte Leidenschaft für altdeutsche Druckgrafiken. Archivfoto Foto: 
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Eiserne Faust, adliger Blasenstein, satirische Schützenscheiben, Schnitzereien aus Elfenbein - diese und andere Kostbarkeiten fungieren derzeit in der Landeshauptstadt als Botschafter: Unter dem Titel "Kunstschätze aus Hohenlohe" sind im Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss Exponate zu sehen, die teilweise noch nie öffentlich gezeigt wurden.

Die Situation ist ja nicht ohne Brisanz - immerhin hat sich Württemberg vor mehr als 200 Jahren Hohenlohe einverleibt und dabei allerlei Schmuck unter den Nagel gerissen. Dennoch hat "einer der schönsten Edelsteine in Württembergs Krone"- das sagte der 1767 in Langenburg geborene Satiriker Karl Julius Weber - nie seinen Glanz verloren. Davon können sich die Besucher nun auch im dritten Stock des Landesmuseums überzeugen. Rund 14000 Menschen haben dies seit der Eröffnung Mitte Juni bereits getan, teilt Ulrike Reimann vom Landesmuseum mit.

Ein Film mit Luftaufnahmen nimmt die Gäste in Empfang - Hohenlohe von oben. Im Mittelpunkt der Schau stehen die weit verzweigte Fürstenfamilie, die Blüte Halls sowie überregional bedeutende Kunstsammlungen - freilich jene von Reinhold Würth, immerhin ist er Vorsitzender des Fördervereins des Landesmuseums, aber auch eine gewiss weniger bekannte Kollektion von Max Kade. Dem Haller Ehrenbürger, der 1904 nach Nordamerika auswanderte und dort mit einem Arzneimittelunternehmen und dem Hustensaft Pertussin ein Vermögen machte, ist ein ganzer Raum gewidmet. Kade gründete Stiftungen für soziale Zwecke, und obwohl er 1924 amerikanischer Staatsbürger wurde, hielt er stets Kontakt mit der Heimat. Ein großes Faible hatte er für altdeutsche Druckgrafiken: Er sammelte, wälzte Fachliteratur, machte akribisch Notizen auf Karteikarten, die er zu den Blättern anlegte. Die meisterhaften Kupferstiche von Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Rembrandt und vielen anderen sind eindrucksvolle Zeugen von dieser Passion.

Von Großzügigkeit der Hohenloher Fürsten künden auch folgende Zeilen an einer Wand im Museum: "Zu Waldenburg im Schlosse, ist Jubel und Geschrei, . . . / Es brechen fast die Tische / Vor ihrer Speisen Last / denn Wildbret, Wein und Fische / Steh'n drauf für manchen Gast" - hatte Karl zu Hohenlohe-Waldenburg 1750 gedichtet. Die Hohenloher Fürsten wussten ihre Hofhaltung zu zelebrieren. Überhaupt sind in der Schau allerlei extravagante und detailreiche Stücke zu entdecken. Zum Beispiel hat Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg ein Bett aus dem Schloss Tierberg ausgeliehen - eine von Glanz und Geheimnis umwobene Schlafstatt. Der Baldachin und das Wandstück aus hellem Seidensatin sind mit Blumen und Wappen kunstvoll bestickt. Einst hat das Bett ungezählte Touristen nach Tierberg gelockt: Es taucht auch in Agnes Günthers Bestsellers "Die Heilige und ihr Narr" auf.

Ob man in so einem symbolbeladenen Bett schön träumen könnte? Jedenfalls empfiehlt es sich, die Augen in dieser Sonderausstellung weit zu öffnen.

Info Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Informationen im Internet auf www.landesmuseum-stuttgart.de

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