Sachverhalt wohl nie ganz zu klären

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Bis zum Schluss sprach der Angeklagte von jenem Tag im Herbst 2015, als er das Auto seines Kontrahenten auf dem Kaufland-Parkplatz beschädigt haben soll, als dem „Tag des Nichtgeschehens“. Und auch auf das, was danach geschah, konnte oder mochte er sich keinen Reim machen. Richterin am Amtsgericht Uta Herrmann jedenfalls konnte die im Raum stehende Anklage nicht erhärten, weshalb sie den 54-jährigen Angeklagten aus Kreßberg freigesprochen hat.

Vor dem Kadi stand der Mann, weil er in Matzenbach Flugblätter mit wahrheitswidrigen Behauptungen über seinen Unfallgegner verteilt haben sollte. Von diesen Flugblättern will der Angeklagte erst erfahren haben, als die Polizei ihn dazu vernehmen wollte. Im Papier war die Rede von Versicherungsbetrug, Vortäuschen einer Straftat und intrigantem Verhalten mehrerer Personen, nicht zuletzt von Amtsträgern. Auch Name und Adresse des damaligen Unfallgegners waren genannt worden, was dessen Ruf in seinem früheren Wohnort geschädigt habe.

„15, 20 Leuten davon erzählt“

Vor Gericht blieb der arbeitslose Beschuldigte bei seiner Version, die Blätter nicht produziert und verteilt zu haben. Wer es gewesen sein könnte? Auch dazu hatte er keine Vorstellungen, denn er habe den Vorfall auf dem Kaufland-Parkplatz „zwar bestimmt 15, 20 Leuten erzählt und damit viele Infos rausgegeben“, aber eine Vorstellung davon, wer als Täter infrage komme, habe er nicht, erklärte er der Richterin.

Wo auch immer er hingekommen sei – zum Ordnungsamt, zur Versicherung oder auch zur Polizei in Crailsheim – sei man bei der Namensnennung des Unfallgegners hellhörig geworden. In einem bereits abgeschlossenen Zivilverfahren waren ein Gutachter und ein Polizeisachbearbeiter aus Fichtenau eingeschaltet, denen der Angeklagte durchaus ein Komplott gegen ihn zutrauen würde. Immerhin seien Originalfotos verschwunden, sagte er.

Zeitlich Zusammenhänge?

Dennoch sei der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass mit den Flugblättern auf Ergebnisse des Zivilverfahrens reagiert worden sein könnte, meinte Richterin Herrmann. Sie meinte hier zeitliche Zusammenhänge erkennen zu können. Der Flugblattverteiler indes war an jenem Tag von keinem Zeugen gesehen worden. Als Herrmann dem Angeklagten anbot, das Verfahren einzustellen, lehnte der ab. „Ich will wissen, wie’s war und nicht bezahlen für eine Sache, die nie stattgefunden hat“, argumentierte er. Das allerdings sei nie zu klären, sagte Herrmann, die den Mann freisprach.

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