Rundgang durch Westgartshausen mit Ortsvorsteher Hermann Wagner

Westgartshausen liegt idyllisch inmitten der Natur – Wiesen, Wälder und Wacholderheide sorgen für die romantische Kulisse. Doch die Natur sorgt auch für Probleme: Platz für ein neue Baugebiete gibt es kaum.

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Ortsvorsteher Hermann Wagner mit den Ortschaftsräten Jasmin Höhl, Werner Elst und Claudia Wetzel (von links) am Dorfbrunnen in der Ortsmitte von Westgartshausen.  Foto: 

Das Thema Bauentwicklung brennt den Westgartshausenern regelrecht unter den Nägel. Für den Ortschaftsrat steht es ganz oben auf der Prioritätenliste. Ein Baugebiet fehlt – und zwar schon seit Jahren. „Uns ist eine komplette Baugeneration abgewandert, weil es für sie keine Möglichkeit gab, in Westgartshausen zu bauen“, berichtet Ortsvorsteher Hermann Wagner. „Die in den Siebzigerjahren Geborenen haben sich inzwischen woanders niedergelassen. Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir die 1980er nicht auch noch verlieren.“

Die abgewanderte Generation macht sich im Stadtteil bemerkbar: Die Vereine klagen bereits über fehlenden Nachwuchs. „Zum Glück sind die älteren Generationen in unserem Vereinsleben noch sehr aktiv. Aber irgendwann wird die Lücke nicht mehr zu übersehen sein“, so Wagner.

Wohnen, wo andere Urlaub machen

Mit dem Wunsch nach einem Neubaugebiet steht Westgartshausen nicht allein da, auch andere Stadtteile haben Bedarf längst angemeldet. Allerdings verfügt kein anderer Stadtteil über solche besonderen topografischen und ökologischen Besonderheiten wie das 1300 Einwohner zählende Westgartshausen, das bis 1972 selbstständige Gemeinde war: Die Siedlung in Tallage ist rundum von Schutzgebieten umgeben. Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet, flächenhaftes Naturdenkmal und besonders schützenswerte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) umzingeln Westgartshausen von fast allen Seiten. Wagner: „Das ist die Qualität von Westgartshausen – wir leben naturnah und idyllisch, dort, wo andere Leute Urlaub machen. Aber es bringt auch Probleme mit sich, denn auf all diesen Flächen ist Bauen tabu.“

Einzig in der Verlängerung der Kohlgasse gibt es einen schmalen Streifen am westlichen Ortsrand, der für die Ausweisung eines Baugebietes infrage kommt. Darüber hinaus bietet eine kleine Fläche an der Schule Platz für maximal acht Bauplätze. „Das Potenzial ist sehr begrenzt“, fasst der Ortsvorsteher zusammen. Vor diesem Hintergrund ist auch das klare Votum des Ortschaftsrats gegen eine Ansiedlung des Reit- und Fahrvereins Crailsheim (RFC) an eben dieser Stelle zwischen vorhandener Wohnbebauung und Sportanlagen zu verstehen. „Mit dem RFC wäre ein neues Baugebiet in Westgartshausen unmöglich geworden. Daher haben wir einen Alternativstandort am östlichen Ortsrand vorgeschlagen, der ja leider vom Gemeinderat abgelehnt wurde“, erklärt Wagner.

Bauwillige warten nicht ewig

Der Gemeinderatsbeschluss, der eine erneute Planung zur Folge hat, sorgt indes dafür, dass sich die Planungen für ein Baugebiet ebenfalls verzögern. Mit, wie Hermann Wagner betont, fatalen Folgen: „Wir hatten zehn Bauwillige in Westgartshausen und vier in Wittau. Das hat eine Umfrage unter den jungen Leuten ergeben. Doch verständlicherweise wollen die jungen Familien nicht ewig warten. Nach dem Gemeinderatsbeschluss sind bereits zwei Interessenten abgesprungen.“

Der Ortschaftsrat will hier nicht tatenlos zusehen. „Wir sind angetreten, um die Entwicklung voranzutreiben und zu zeigen: Wir sind kein Dorf, das im Sinkflug ist“, sagt Hermann Wagner. Das Engagement richtet sich nicht nur auf neues Bauland, sondern auch auf die Dorfentwicklung rund um den Dorfplatz.

An seinem Rand soll ein Gebäude errichtet werden, von dem aus der Platz bei Festen bewirtschaftet werden kann. Nach zwei vergeblichen Versuchen, eine ELR-Förderung   zu bekommen, wird jetzt ein Antrag auf LEADER-Förderung gestellt. Zum Konzept gehört auch eine Informationseinheit über die Flurneuordnung und die Schafheideflächen. Westgartshausen ist Außenstelle der Hector-Kinderakademie und verfügt mit dem Picknick in Weiß, dem Candle-Light-Dinner und mit Open-Air-Konzerten über einige fest etablierte Sommer-Events.

Fast eine Schafherde gespendet

Und dann gibt es noch den Dorfbrunnen, der einen Schäfer mit seinem Hund zeigt. Rudolph Kurz hat ihn gestaltet. Die Bronzefigur soll nun noch einige Schafe bekommen. Wagner: „Wie sehr sich die Westgartshausener mit dem Brunnen identifizieren, sieht man an den zahlreichen Spenden, die für die Erweiterung eingegangen sind – die reichen für eine ganze Schafherde.“

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