Rektoren der Crailsheimer Realschulen bewerten die neuen Realschul-Regelungen

Schüler, die das mittlere Niveau nicht schaffen, können an der Realschule künftig einen Hauptschulabschluss machen. So sieht es der neue Bildungsplan vor.

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Die Klassen 5 und 6 werden an den Realschulen jetzt als Orientierungsstufe geführt.  Foto: 

Der neue Bildungsplan gilt jetzt an allen Realschulen im Land. Er ermöglicht schwachen Schüler, die den Realschulabschluss nicht schaffen, ohne Schulwechsel einen Hauptschulabschluss zu machen. Nach einer Orientierungsphase in den Klassen 5 und 6 wird künftig auf zwei Niveaustufen unterrichtet: der grundlegenden, die nach fünf Jahren zum Hauptschulabschluss führt, und der mittleren, die nach sechs Jahren mit dem Realschulabschluss endet.

Die Schulleiter der beiden Crailsheimer Realschulen bewerten die Neuerungen positiv. Für Dennis Cramer, Rektor der Realschule zur Flügelau (RzF), liegen die wichtigsten Änderungen in der Versetzungsordnung. „Nach der Klassenstufe 5 wird die Versetzungsentscheidung ausgesetzt. Schüler können also nicht sitzenbleiben. Nach der Klassenstufe 6 können nicht versetzte Schüler in Klasse 7 wechseln, wenn sie dann auf dem G-Niveau unterrichtet werden.“

Für den Rektor der Realschule am Karlsberg (RaK) ist die Aufstockung der Lehrerstunden eine entscheidende Verbesserung. Acht zusätzliche Stunden pro Zug gibt es in diesem Schuljahr, im nächsten sind es zehn Stunden pro Zug. „Bei einer fünfzügigen Schule ist dies ein ordentlicher Stundenpool, welcher zur Förderung und Differenzierung eingesetzt werden kann“, betont Ulrich Kern. Am deutlichsten seien die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder in den klassischen Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch zu spüren. Dort würden die zusätzlichen Stunden eingesetzt, um schwächere Schüler zu stärken und starke Schüler noch mehr zu fördern. Kern: „Anderen ist diese weitere Hauptfachstunde einfach eine gute Übungsstunde.“

Doch auch ohne zusätzliche Lehrerstunden – eine Differenzierung habe es an der Realschule schon immer gegeben, berichtet Kern. „Die Pädagogen haben ihre Schüler stets im Blick und wissen um ihre Stärken und Schwächen. Durch die Weiterentwicklung der Realschule und den neuen Bildungsplan mit unterschiedlichen Niveaustufen wird diese Differenzierung noch systematischer und fokussierter stattfinden.“

Orientierungsstufe, Unterricht auf unterschiedlichen Niveaustufen und verschiedene Schulabschlüsse – all das gibt es auch an den Gemeinschaftsschulen. Trotz dieser Gemeinsamkeiten sieht Dennis Cramer aber Unterschiede zwischen beiden Schularten. „Der entscheidende Unterschied liegt in den Arbeitsweisen. Der Unterricht an der Realschule ist – zumindest der Tendenz nach – etwas lehrerzentrierter. Ich betone aber, dass es auch an der Realschule offene Unterrichtsformen gibt und an der Gemeinschaftsschule auch Phasen des direkten Inputs.“ Realschulen sind außerdem nicht zwangsläufig Ganztagesschulen. Die Realschule zur Flügelau setzt nach wie vor auf Unterricht am Vormittag.

„Eine Annäherung an die Gemeinschaftsschule findet nicht statt, da wir keine verpflichtende Ganztagsschule sind, sondern mit offenen, flexibel buchbaren Ganztagsangeboten aufwarten“, pflichtet RaK-Schulleiter Kern bei. Er sieht weitere Unterschiede: An der Realschule gibt es Noten, Unterricht findet in Doppelstunden und in kooperativen Formen statt. „Nach wie vor ist es unser Ziel, die Schüler zur Realschulabschlussprüfung zu führen. Jetzt bekommen wir die Möglichkeit, Schüler, die Schwierigkeiten haben, in ein anderes Niveau zu nehmen. Dies verhindert, dass sie wegen schlechter Noten sitzenbleiben oder gar die Schule wechseln müssen.“

Welche Veränderungen die neuen Regelungen im Alltag der Crailsheimer Realschulen bringen, wird sich wohl erst nach und nach in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Dennis Cramer spricht daher auch nicht von einer Revolution. „Die weiterentwickelte Realschule ist meines Erachtens eine kleinere Herausforderung für die Schulen als die Felder der Inklusion und der Integration von Migrationskindern. Hier ist vieles noch nicht gesetzlich geregelt und ein hohes Maß an pädagogischem Fingerspitzengefühl gefragt.“

Orientierungsstufe in Klasse 5 und 6

In den Klassen 5 und 6 gibt es keine feste Zuordnung der Schüler zu einer Niveaustufe. Es ist also möglich, im Fach Mathematik auf Niveau G und im Fach Deutsch auf Niveau M zu lernen. Erst am Ende der Orientierungsstufe werden die Schüler in allen Fächern einer Stufe zugeordnet.

Ein Wechsel der Niveaustufe (ab Klasse 7) ist zum Ende jedes Schulhalbjahrs möglich. Für einen Wechsel vom Niveau G zum Niveau M muss in den Fächern Deutsch, Mathe und der Pflichtfremdsprache mindestens die Note gut und in allen anderen Fächern ein Durchschnitt von 3,0 erreicht werden. Die Klassenkonferenz kann eine Aufnahme auf Probe beschließen.

Nach bestandener Hauptschulabschlussprüfung können Schüler die Klasse 10 an der Realschule besuchen, wenn sie die Notenvoraussetzungen erfüllen. hof

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