Naturschützer schlagen Alarm: Erdaushub kommt in Biotop

Mit dem Erdaushub der Krankenhaus-Baustelle in Crailsheim wird ein Gipsbruch bei Jagstheim aufgefüllt. Das verärgert Naturschützer. Für sie ist der Steinbruch längst zum wertvollen Biotop geworden.

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Seit einigen Tagen wird Erdaushub von der Krankenhaus-Baustelle in Crailsheim in einen Steinbruch bei Jagstheim gebracht.  Foto: 

Martin Zorzi, der Geschäftsführer des Umweltzentrums in Schwäbisch Hall, wollte zunächst gar nicht glauben, was ihm am Telefon mitgeteilt wurde: Lastwagen mit Erdaushub einer Baustelle fahren in den Gipsbruch am Lerchenberg bei Jagstheim und kippen dort ihre Ladung ab. Der Diplom-Biologe machte sich sofort auf den Weg nach Crailsheim und stellte vor Ort fest, dass die Erde von der Krankenhaus-Baustelle in der Stadt stammt.

Seither haben Umweltzentrum und Landkreis einen Konflikt mit einander. Während die Naturschützer davor warnen, dass ein überaus wertvolles Biotop zerstört wird und dem Landkreis in einer Pressemitteilung vorwerfen, bei einem eigenen Bauvorhaben den Naturschutz zu missachten, beruft sich das Landratsamt auf eine rechtskräftige Abbau- und Auffüllgenehmigung für den Steinbruch aus dem Jahr 1986. Und deshalb wird die Hauptforderung des Umweltzentrums - dem Sprachrohr der Naturschutzverbände im Kreis - die Auffüllung bis auf Weiteres auszusetzen, nicht erfüllt. Das trägt nicht zur Entspannung der Situation bei, wie einer Reaktion von Zorzi zu entnehmen ist: "Da läuft einiges schief."

Inzwischen hat das Umweltzentrum das Regierungspräsidium eingeschaltet. Die Naturschützer verweisen darauf, dass der Steinbruch in einem Landschaftsschutzgebiet liegt und sich in ihm geschützte Biotope und Naturdenkmale befinden. Allein deshalb dürfe nicht einfach aufgefüllt werden. Hauptargument der Naturschützer ist aber der Artenschutz. Etliche sehr seltene und deshalb streng geschützte Tiere hätten sich in dem zum Biotop gewordenen Steinbruch angesiedelt. So wurden beispielsweise 15 Wildbienenarten der Roten Liste erfasst, darunter sogar eine stark gefährdete Art. Eingriffe in deren Lebensraum, betont der Diplom-Biologe Zorzi, seien nur zulässig, wenn die lokale Population nicht gefährdet wird. Genau dieser Nachweis sei aber nicht erbracht worden.

Auffüllarbeiten sollen ruhen

Während sich das Landratsamt auf die immissionsschutzrechtliche Abbaugehmigung, die auch eine Auffüllung des Steinbruchs umfasst, beruft, kritisiert das Umweltzentrum, dass es keine natur- und artenschutzrechtliche Prüfung des Vorhabens gegeben hat. Genau das hätte aber geschehen müssen, unterstreicht Zorzi und verweist auf eine entsprechende Auskunft des Regierungspräsidiums. Die Naturschützer fordern nun, dass die aus ihrer Sicht unverzichtbaren Untersuchungen gemacht werden. Allerdings mache das überhaupt nur noch Sinn, wenn die Auffüllarbeiten ruhen. Es muss ohnehin damit gerechnet werden, dass "alles was scheu ist und sich bewegen kann, weg ist".

Der Steinbruch, in dem seit Langem schon nur noch gelegentlich Gips abgebaut wird, damit die Genehmigung nicht erlischt, ist laut Zorzi vor allem für seltene Vögel ein beliebtes Rückzugsrevier. Besonders schlimm sei, dass mit der Auffüllung ausgerechnet während der Brutzeit begonnen worden ist.

Die Forderungen der Naturschützer
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