Morgens um fünf aus den Federn

Spaß, Gemeinschaft und Abenteuer – so steht es in der Programmbeschreibung des evangelischen Jugendwerks. Das Jungscharlager auf dem Wagnershof bietet alles.

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Das Jungscharlager auf dem Wagnershof erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei den Kindern aus dem Kirchenbezirk Crailsheim.  Foto: 

Samuel bereitet gerade sein T-Shirt vor, damit das Zeltlagerlogo später aufgedruckt werden kann. Der Elfjährige ist schon zum dritten Mal beim Jungscharlager am Wagnershof dabei und weiß ganz genau wie alles dort abläuft. „Es ist immer viel geboten hier, und ich freue mich jedes Jahr darauf.“ Wobei er einschränkt, das Aufstehen am Dienstag bereits um 5 Uhr sei ihm doch ein bisschen schwer gefallen. Eigentlich hatten alle mit dem Überfall gerechnet, den es jedes Jahr gibt. Immer ein Zelt muss Nachtwache halten und die Fahne bewachen. Natürlich gibt es keinen richtigen Überfall, sondern ehemalige Betreuer schleichen sich im Schutz der Dunkelheit an und testen, ob die Nachtwache ihren Dienst sorgfältig wahrnimmt.

Doch am Dienstag stellte sich schnell heraus, dass es sich nicht um den „erhofften“ Alarm handelte, sondern der Weckruf nur Startzeichen für ein Frühmorgengeländespiel war. „Erst meckern alle, dass sie so früh aufstehen müssen. Aber danach sind dann doch zumindest die meisten begeistert, wenn sie in der Morgendämmerung einen Drachen entdecken oder erstmals einen Sonnenaufgang in der freien Natur miterleben dürfen“, erzählt Lagerleiter Sascha Wiebusch vom evangelischen Jugendwerk in Crailsheim. Übrigens, auch die Drachen waren nicht echt, sondern Betreuer, die sich kostümiert im Halbdunkel versteckt hatten. Das Motto des Zeltlagers in diesem Jahr heißt nämlich „Kirchen zähmen leicht gemacht“ in Anlehnung an den Kinderfilm über Drachen mit ähnlichem Titel.

79 Kinder und 27 Betreuer

Insgesamt 79 Kinder von neun bis 14 Jahren sind beim Jungscharlager am Wagnershof bei Ellwangen dabei und verbringen eine Woche lang in Zelten ohne Strom und ohne Licht. „Handys sind nicht erlaubt. Und wenn einer eins reingeschmuggelt hat, dann ist spätestens nach zwei Tagen der Akku leer“, so Wiebusch schmunzelnd. Er ist Bezirksjugendreferent des evangelischen Jugendwerks. „Wir wollen den Kindern eine Alternative zur digitalen Welt zeigen.“ Unterstützt wird Wiebusch von 27 Betreuern, alles ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem Jugendbereich oder der Kinderkirche. Viele waren schon selbst beim Jungscharlager als Kind dabei.

Bei so vielen Betreuern ist den ganzen Tag für Programm gesorgt, „vor allem die jüngeren Kinder langweilen sich ansonsten schnell“. Los geht es bereits morgens mit einer Bibelgeschichte und einem Anspiel. Zwei Betreuer schlafen bei den Kindern im Großzelt, „so haben die Kids immer Ansprechpartner“. Nach dem Frühstück wird  in Kleingruppen spielerisch auf das Tagesthema eingegangen und anschließend werden auch ganz persönliche Fragen gemeinsam erörtert.

Danach können sich die Kinder bis zur Mittagspause einen Workshop je nach eigener Interessenlage aussuchen. Da kann man dann beispielsweise Bänder knüpfen, Messer schmieden, ein Lager-T-Shirt drucken, Kisten stapeln, Volleyball spielen oder am Batikkurs teilnehmen. Nachmittags geht es dann in der großen Gruppe weiter. Hier stand am Dienstag beispielsweise ein Stadtspiel ähnlich einer Schnitzeljagd in Ellwangen auf dem Programm. Höhepunkte waren sicherlich das Ganztagesgeländespiel am Mittwoch und das Nachtgeländespiel am Donnerstag.  Nach dem Abendessen stehen dann noch gemeinsame Spiele auf dem Programm, und vor der Nachtruhe gegen 22 Uhr lesen die Zeltbetreuer noch eine Geschichte vor. Alle sind müde und schlafen nach einem anstrengenden Tag danach auch recht schnell ein.

Pool bringt Abkühlung

„Mein persönliches Highlight ist das Bergfest am Mittwochabend. Da gibt es dann immer etwas ganz besonders Leckeres zum Essen, und wir spielen so etwas Ähnliches wie ‚Schlag den Raab‘  zusammen.“ Zwischendurch  gibt es aber auch Zeiten, in denen  sich die Kinder auf dem riesigen Gelände selbst beschäftigen können. Neben Fußballplatz, Volleyballfeld, Tischtennisplatte und Spielplatz sorgen zudem BMX-Räder und ein kleiner Swimmingpool für Abwechslung. Und wenn es dann doch mal regnet wie zuletzt  am Donnerstag, dann treffen sich die Kinder in der großen Scheune, in der normalerweise zusammen gegessen wird, und spielen Gesellschaftsspiele oder singen Lieder.

 „Die Kids kommen fast alle aus dem Kirchenbezirk, das heißt aus Crailsheim, Satteldorf, Stimpfach, Frankenhardt und Kreßberg“, erklärt Wiebusch. Beim selbst gekochten Essen wird darauf geachtet, dass überwiegend vegetarische Produkte aus der Region verwendet werden. „Der kirchliche Hintergrund ist für mich sehr wichtig. Hier kann ich meinen Glauben weitergeben, ohne dass ich jemand irgendetwas aufzwinge. Die Kinder werden nicht überfahren, sondern können einen eigenen Zugang zum Glauben entwickeln“, betont Wiebusch. „Diese Woche ist eine tolle Abwechslung für mich, und die Arbeit mit den Kindern macht riesig Spaß. Mir ist es immer ganz besonders wichtig, dass es den Kindern hier gut geht.“

Klagen hört man hier dann auch wirklich keine – alle Kinder erzählen am abendlichen Lagerfeuer aufgeregt von ihren  vielen eindrucksvollen Erlebnissen der letzten Tage. Am Sonntag ist dann noch ein Abschlussgottesdienst gemeinsam mit den Eltern. Hier führen die Kinder vor, was sie die Woche über erlebt haben.

Im nächsten Jahr macht das Jungscharlager ab 24. August wieder Station am Wagnershof, und nicht nur Samuel aus Satteldorf will auf jeden Fall wieder dabei sein. Übrigens, wer sich noch nicht so recht traut in Zelten zu übernachten, parallel zum Jung­scharlager finden im EJW-Gebäude die Kindererlebnistage statt.

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