Mit Rat und Tat fürs Rad -Mehr Teilnehmer als erwartet

Holls Herzensangelegenheit: Der Crailsheimer Baubürgermeister will mehr Horaffen auf den Sattel bringen. Jetzt hat er eine Gruppe Gleichgesinnter um sich geschart – den sogennanten „BürgerRad“.

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  • Wo sonst die Stadträte sitzen, nahmen bei der »BürgerRAD«-Gründung Fahrradfreunde Platz. 1/2
    Wo sonst die Stadträte sitzen, nahmen bei der »BürgerRAD«-Gründung Fahrradfreunde Platz. Foto: 
  • Eine Fahrradstraße in Freiburg. Davon kann man in Crailsheim nur träumen. Jetzt geht's erst einmal ums Bewusstsein der Bürger. 2/2
    Eine Fahrradstraße in Freiburg. Davon kann man in Crailsheim nur träumen. Jetzt geht's erst einmal ums Bewusstsein der Bürger. Foto: 
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Und plötzlich war „Worthington“ zu klein. Die Rede ist vom so titulierten Zimmer im Arkadenbau des Crailsheimer Rathauses. Die Stadtverwaltung hatte schlicht nicht damit gerechnet, dass knapp 30 Menschen zur Gründung des „BürgerRads“ kommen würden. Zuletzt war es bei Bürgerbeteiligungen eher andersherum gewesen – großer Raum, kleine Gruppe. Diesmal aber zog man kurzfristig in den mächtigen Ratssaal um, um ein mächtiges Problem anzusprechen: den Verkehr in Crailsheim. Es ist vielfach – auch im HT – benannt worden: Nur fünf Prozent des hiesigen Verkehrs ist Durchgangsverkehr, der nichts mit der Stadt zu tun hat. „Die Probleme, die wir haben, machen wir uns selber“, schlussfolgert deshalb Baubürgermeister Herbert Holl.

Das Gute daran ist freilich, dass man die Probleme auch selbst lösen kann. Indem zum Beispiel mehr Crailsheimer aufs Rad steigen statt ins Auto. Genau das will der „BürgerRad“ bewirken. Hinter dem gewöhnungsbedürftigen, grammatikalisch mindestens gewagten Namen verbergen sich schlicht Streiter für das Fahrrad aus der Bürgerschaft. Es handelt sich nicht um einen Verein. Aber bei der nächsten Sitzung werden die Drahtesel-Lobbyisten wohl einen Verbindungsmann zur Verwaltung bestimmen und verschiedene Arbeitsgruppen bilden – je nachdem, wie groß die Bereitschaft zur Mitarbeit dann noch ist.

„Wir sind keine militanten Fahrradfahrer, wir sind auch nicht die besseren Menschen“, sagte Holl beim „BürgerRad“-Auftakt. „Wir wollen niemandem das Autofahren verbieten, aber es sollte sich dann auch keiner drüber beschweren, wenn er im Stau steht.“

Crailsheim ist seit Kurzem Mitglied in dem Verein „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg“ (AGFK). 2000 Euro kostet das im Jahr, dafür gibt es etwa die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, Material für die Öffentlichkeitsarbeit, Seminare oder Ideen für Aktionen. Derlei Möglichkeiten, findet Holl, sollte sich auch der „BürgerRad“ zunutze machen. Der Bürgermeister nannte Beispiele: Andernorts gab es die Aktion „Klingelt’s?“, bei der mit einer großen, aufblasbaren Kugel mitten in der Stadt Aufmerksamkeit erregt und dann über die Vorteile des Radelns aufgeklärt wurde; auch auf Brötchentüten wurde fürs Fahrrad geworben; Schülern wurden die Radwege der Stadt gezeigt. All das sei auch in Crailsheim möglich.

Noch so eine Idee von Holl: Ein Fahrrad-Frühjahrscheck auf dem Marktplatz, gemeinsam mit den Crailsheimer Fahrradhändlern, die übrigens auch bei der „BürgerRad“-Veranstaltung vorbeischauten. „Wir müssen gemeinsam anpacken. Da kommt Arbeit auf Sie zu, das muss ich ganz klar sagen“, betonte Holl.

Auf Diskussionen über konkrete Radweg-Details wollte er sich derweil nicht einlassen. Das Radverkehrskonzept sei beschlossen und werde abgearbeitet, Bürgerbeteiligungen habe gegeben, jetzt gehe es mehr ums große Ganze. Am 13. Januar will sich die Gruppe wieder treffen und konkreter in die Planung einsteigen, am 17. Februar sollen Aufgaben verteilt werden. Ob dann mehr Menschen Rad fahren? Ein Teilnehmer zeigte sich da skeptisch: „Die Leute sind zu bequem.“

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