Mini-Monsun endet glimpflich

Das polnische Tief "Frederik" lud seine gigantischen Wassermassen auch über Hohenlohe ab: Vor allem am Samstag spitzte sich die Hochwasser-Lage speziell an den Gestaden von Jagst und Kocher zu.

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Verschobene Grenzlinie zwischen Land und Wasser: An der Jagstbrücke bei Oberregenbach strandeten auch einige entwurzelte Bäume.  Foto: 

Den Bewohnern des Jagsttales sagt man ja gemeinhin nach, dass sie schon mit Schwimmhäuten auf die Welt kommen.

Von Kindsbeinen an ist auch Frieder Ziegler aus Bächlingen daran gewöhnt, dass sich der hohenlohische Nationalfluss in schaurig-schöner Regelmäßigkeit dazu entschließt, sein angestammtes Bett zu verlassen und sich in den Talauen breitzumachen. Der Wirt der Mosesmühle nimmt derlei feuchtes Ungemach mit Humor: "Die ersten Kreuzfahrtschiffe sind schon bei uns vorbeigeschippert", wie er am vergangenen Samstag die Lage beschrieb. Schon seit dem 1. Mai wartet die Familie Ziegler darauf, endlich den Biergarten zu eröffnen.

Hohenlohe hat den Mini-Monsun im Vergleich zu anderen Landstrichen in Baden-Württemberg freilich noch relativ glimpflich überstanden, die Einsätze der Feuerwehren blieben überschaubar.

So leisteten zum Beispiel die Crailsheimer Floriansjünger in gut einem Dutzend Fälle technische Hilfe, auch die Einsätze der Polizei hielten sich in Grenzen. Die Wetter-Werte am vergangenen Freitag verhießen allerdings zunächst nichts Gutes: Binnen 24 Stunden registrierte die Station der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Rot am See 53 Liter Regen pro Quadratmeter - und die Pegel der Bäche und Flüsse schnellten in die Höhe.

Die Flut setzte an der Jagst in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen 2.45 Uhr bei einem Pegelstand von 170 Zentimetern in Elpershofen ein, knackte drei Stunden später die 200-Zentimeter-Marke und verdoppelte diesen Wert bis 1.15 Uhr in der Nacht zum Samstag auf 400 Zentimeter.

Zu der Rekordmarke von 497 Zentimetern, die die Jagst bei einem Jahrhundert-Hochwasser am 13. April 1994 aufgestellt hat, bestand Gott sei Dank noch ein gehöriger Abstand. Die Wassermassen erreichten dann am Samstag um 13.45 Uhr bei einem Pegelstand von 413 Zentimetern an der Messstation in Elpershofen ihren Scheitelpunkt - und die Jagst zog sich langsam, aber sicher wieder in ihr uraltes Bett zurück.

Walter Grund, Besitzer der Bartenmühle an der Brettach bei Brettenfeld, kann sich nicht daran erinnern, bereits im Mai mit einem solchen massiven Hochwasser konfrontiert worden zu sein: "Ich kann da ja immerhin 80 Jahre überblicken - kleinere Mai-Hochwässerle gibt es an der Brettach immer wieder, aber eine solche Flut sah ich zum ersten Mal in diesem Monat."

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