Mehr Geld für den Stadtbus: Gemeinderat hebt Deckelung auf

Die Geschichte des Crailsheimer Stadtbus darf getrost als eine erfolgreiche bezeichnet werden. Das finanzielle Defizit ist dennoch hoch. Der Gemeinderat stellt nun etwas mehr Geld zur Verfügung als bisher.

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Der Crailsheimer Stadtbus fährt seit 2005 - und hat heute fast doppelt so viele Fahrgäste wie im Jahr 2006. Aber auch das Defizit wächst. Foto: Sebastian Unbehauen

Seit 2005 gibt es den von der Firma Röhler betriebenen Stadtbus in Crailsheim. In diesem Zeitraum ist die Zahl seiner Nutzer kontinuierlich gestiegen (siehe Infokasten rechts). Ähnlich verhält es sich mit dem finanziellen Zuschuss der Stadt. 2006 lag die Förderung bei rund 90.000 Euro, 2013 bei 165.000 Euro. "Das Defizit des Stadtbus hat sich im Jahr 2013 gegenüber den Vorjahren weiter erhöht. Auch die Vorausschau auf die Jahre 2014/15 zeigt diese Tendenz", schreibt die Stadtverwaltung in einer Sitzungsvorlage für die Gemeinderäte. Der vom Unternehmen Röhler getragene Abmangel könne nicht unbegrenzt sein, "sondern muss durch eine moderate Anpassung des Förderanteils der Stadt in einem bestimmten Rahmen bleiben". Das sah auch der Gemeinderat einstimmig so.

Von 2015 an also zahlt die Stadt einen pauschalen Sockelbetrag von 70.000 statt bisher 64.000 Euro im Jahr. Der Rest der Förderung entfällt auf einen variablen Zuschuss zum sogenannten "Horaffen-Tarif", der bisher bei 101.000 Euro gedeckelt war. Diese Deckelung fällt künftig weg. Die Stadt geht von Mehrkosten in Höhe von rund 31.000 Euro aus. Damit wird jeder Fahrgast mit 18 Cent gefördert (2013: 16 Cent). Das sei, so die Verwaltung, im Vergleich mit anderen Städten immer noch sehr günstig.

"Die SPD-Fraktion freut sich, dass die Erfolgsgeschichte des Stadtbus fortgesetzt werden kann", sagte Stadtrat Magnus Krause - hatte aber zwei Wünsche: eine bessere Lesbarkeit der Fahrpläne und die Einführung eines Samstagstickets. "Man könnte es ja Shopping-Ticket nennen", so Krause. Grünen-Fraktionschef Wilfried Kraft zeigte sich ebenfalls "froh" über die zurückliegende Entwicklung. Er regte an, den Viertelstundentakt am Morgen und späten Nachmittag um jeweils eine weitere Stunde auszudehnen, Richtung Roßfeld eine höhere Taktdichte einzurichten und mehr Bushaltestellen zu überdachen.

Hermann Wagner, AWV-Stadtrat und Ortsvorsteher von Westgartshausen, sagte: "Die Stadtteile im Osten sind abgeschnitten. Die Busse fahren weitgehend am Dorf vorbei." Gerade im Hinblick auf die Erschließung des Gewerbegebiets Süd-Ost, gelte es, weiterzuplanen. Wagner brachte eine neue "Ostschiene" ins Gespräch. Tatsächlich ist bereits eine Ausweitung der bestehenden Linie 53 im Gespräch. Allerdings rechnet die Verwaltung auch vor: Die Einführung eines Halbstundentakts für einen weiteren Teilort würde rund 145.000 Euro kosten - und müsste von der Stadt bezahlt werden.

Angebot mit steigender Nachfrage

Der Stadtbus wurde zum 1. September 2005 eingeführt. Im Jahr 2006 benutzten ihn rund 517.000 Fahrgäste, 2007 waren es bereits knapp 705.000, 2008 knapp 841.000. 2013 wurde erstmals die Millionenmarke geknackt - auch weil viele Schüler dazukamen, die von der Tauberbahn übernommen werden. Letzteres freilich heißt: zusätzliche Fixkosten ohne zusätzliche Einnahmen.

Zu Beginn hat die Stadt Crailsheim den Betrieb mit maximal 100.000 Euro im Jahr gefördert, in den vergangenen Jahren lag der Zuschuss dann bei maximal 165.000 Euro. 2015 dürften nach der jüngsten Entscheidung des Gemeinderats (siehe Text links) knapp 200.000 Euro fällig werden. Die Förderung pro Fahrgast lag zu Beginn bei 17, demnächst bei 18 Cent.

SEBU

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