Mehr als nur Getränke bringen

Der Service ist ein wichtiger Bestandteil eines gastronomischen Betriebs. Einige Schüler nutzen die Ferienzeit, um als Kellner etwas dazuzuverdienen, so wie Iris Albrecht im Wasserturm Crailsheim.

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  • Iris Albrecht hat nach ihrem Abitur einen Ferienjob angetreten. Die 19-Jährige kellnert im Crailsheimer Wasserturm. Es ist ihre erste Stelle in der Gastronomie. 1/2
    Iris Albrecht hat nach ihrem Abitur einen Ferienjob angetreten. Die 19-Jährige kellnert im Crailsheimer Wasserturm. Es ist ihre erste Stelle in der Gastronomie. Foto: 
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Als frischgebackener Abiturient hat man im Grunde genommen zwei Möglichkeiten: Entweder man gehört zu der Gruppe, die die lang ersehnte Ruhe nach dem Lernstress genießt. Oder man sucht sich gleich wieder eine neue Beschäftigung. Schließlich finanziert sich zum Beispiel das Studium nicht von alleine. Iris Albrecht (19) aus Crailsheim hat sich entschieden, nach den Prüfungen im Wasserturm in Crailsheim als Kellnerin anzufangen.

"Ich wollte auf jeden Fall kellnern und habe mich bei mehreren Cafés und Bars in Crailsheim beworben. Allerdings wollte mich niemand einstellen, weil ich noch keine Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hatte und das für die meisten Arbeitgeber in dieser Branche Voraussetzung ist", sagt Iris zu ihren ersten fehlgeschlagenen Versuchen, einen Ferienjob zu finden.

Aufgeben wollte sie allerdings nicht so schnell, informierte sich deshalb im Internet über weitere Möglichkeiten. "Schließlich bin ich auf den Wasserturm gestoßen. Dort durfte ich gleich Probe arbeiten und wurde danach auch eingestellt. Eine Bewerbung musste ich nicht schreiben", erzählt sie.

Wer allerdings glaubt, die Arbeit eines Kellners bestehe nur daraus, Getränke sicher von A nach B zu bringen, der hat sich getäuscht. So einseitig ist das Ganze sicher nicht. "Eigentlich mache ich alles, außer kochen. Natürlich muss ich zuerst alles vorbereiten, die Tische wischen, die Bar auffüllen, Gläser kalt stellen und Eis für die Getränke holen. Ich nehme Bestellungen auf und wenn wenig los ist und keiner hinter der Bar steht, muss ich die Getränke natürlich auch selbst einschenken", erklärt die Abiturientin.

Eines wird schnell klar, wenn man Iris zuhört: Leicht aus der Ruhe bringen lassen darf man sich in diesem Job nicht, denn es kann unter Umständen ganz schön stressig werden. Aber welche Eigenschaften sollte man noch mitbringen, wenn man sich überlegt, mit dem Kellnern etwas dazuzuverdienen? "Man muss auf jeden Fall teamfähig sein. Absprachen sind sehr wichtig, damit zum Beispiel nicht vier Bedienungen kurz nacheinander zum gleichen Tisch rennen. Es gibt zudem Kürzel für Getränke, an die sich jeder halten muss, sonst gibt es schnell Chaos", antwortet Iris.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Höflichkeit, die eine Bedienung verständlicherweise immer an den Tag legen muss, auch, wenn es sicher manchmal etwas schwerfällt. "Die Bedienung kriegt eigentlich immer alles ab, weil sie die einzige Person ist, die direkt mit den Kunden in Berührung kommt. Einmal hat eine Dame bei uns einen Tisch reserviert und dabei den ausdrücklichen Wunsch geäußert, dass sich dieser im Schatten befinden solle, was ja eigentlich kein Problem ist. Die Gruppe kam und blieb so lange, dass der Tisch wegen der wandernden Sonne irgendwann nicht mehr im Schatten war und die Frau hat sich wütend bei mir beschwert", fällt ihr schmunzelnd ein. "Persönlich darf man sowas natürlich nicht nehmen, mache ich auch nicht."

Positive Seiten hat der Job aber auch, wie Iris weiter erzählt: "Es gibt bei allem Stress immer Leute, die freundlich und verständnisvoll sind und einen loben. Außerdem kann ich viel besser kopfrechnen als früher. Das hätte mir vielleicht auch beim Abi etwas gebracht."

Für Langschläfer ist dieser Ferienjob offenbar genau das Richtige. "Wir haben Terminpläne, in die sich jeder einträgt. Man arbeitet immer von 17 Uhr bis mindestens 22 Uhr. Ganz selten kommt es vor, dass man auf Abruf bereit sein muss, auch wenn man sich nicht eingetragen hat. Aber nur, wenn viel los ist", sagt Iris dazu.

Insgesamt hat der Ferienjob für die 19-Jährige mehr positive als negative Seiten: "Die Leute vom Wasserturm sind jetzt schon wie eine Familie für mich, obwohl ich noch nicht lange dort arbeite. Verbesserungsvorschläge sind immer willkommen und alle sind freundlich. Ich bin sogar traurig, dass ich bald wieder weg muss."

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