Mauern in den Köpfen einmreißen: Pfarrer Kwon Ho Rhee aus Korea in Crailsheim

Welch ein Glück den Deutschen mit ihrer Wiedervereinigung widerfahren ist, das führte Pfarrer Kwong Ho Rhee in der Johanneskirche den Gottesdienstbesuchern exakt am 25. Jahrestag des Mauerfalls vor Augen.

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Gestalteten gestern gemeinsam den Sonntags-Gottesdienst in der Johanneskirche im Zuge der Aktionswoche "Zukunft säen!" (von links): Dekan Dr. Winfried Dalferth und die Pfarrer Kwon Ho Rhee und Uwe Langsam.  Foto: 

Seit 13 Jahren lebt der koreanische Gottesmann und Missionar inzwischen in Deutschland, zurzeit in Ludwigsburg. Der Entschluss, ausgerechnet hierherzukommen, reifte in ihm genau in jenen Tagen, als am 9. November 1989 die DDR ihre Grenze öffnete, wie er gestern seine Zuhörer wissen ließ. Rhee weiß, wovon er redet, denn viel länger noch, seit 1953, stehen sich an der Demarkationslinie, die Nord und Süd seines Heimatlands Korea trennt, zwei waffenstarrende Armeen in Millionenstärke gegenüber.

Das war der eine, der eindrücklich üble Aspekt der nach wie vor aktuellen Weltlage, die bekanntlich auch in ungezählten anderen Regionen Kriege, Konflikte, Unrecht und Katastrophen bereithält. Derartige "bad news" wenn schon nicht zu überwinden, so doch zu verstehen helfen, bemüht sich derzeit der evangelische Kirchenbezirk Crailsheim.

Die "Tage der weltweiten Kirche" werden hier unter dem Motto "Zukunft säen" umgesetzt. Bis zum 22. November noch läuft ein Programm, das es in sich hat und ganz bewusst den Blick auf Gebiete ganz weit fort von daheim lenkt. In Kooperation mit dem landeskirchlichen "Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung" wurde für diese Zeit ein Programm zusammengestellt, das - wie Dekan Dr. Dalferth im Gespräch mit dem HT erwähnte - "allein gar nicht zu stemmen gewesen wäre".

Angelehnt an heimische Projekte wie etwa die Tansania-Hilfe in Crailsheim, das "Uranium-Network" in Ellrichshausen oder die in englischer Sprache offerierten Gottesdienste von Pfarrerin Heike Bosien werden Netze geknüpft, die mehr als nur Verständnis für Andersartiges oder gar Fremdes wecken sollen.

Mit dem Gleichnis vom Sämann griff Pfarrer Kwon Ho Rhee gestern in Präsenz dreier Gäste aus Tansania den Gedanken auf, zur konfliktfreien Tischgemeinschaft aller Menschen zurückzukehren. Die Hoffnung benannte Rhee dabei als "die Krone des Glaubens". In puncto koreanische Teilung habe er sich zwar schon oft gesagt, "jetzt sind wir dran", aber ein echtes Signal der Hoffnung sei bislang ausgeblieben. Nach wie vor wehe im Land der Wind des Kalten Kriegs. In dieser Situation, so der Pfarrer, bedeute der Glaube alles, selbst wenn das immer wieder eine große Herausforderung darstelle.

Der Predigttext, die (internationale) Liedauswahl wie auch das Opfer für die Leidtragenden des Boko-Haram-Terrors in Nigeria verdeutlichten in diesem Auftakt-Gottesdienst zur Aktionswoche "Zukunft säen!" in der Tat, wie klein der Schritt aus der Hohenloher Provinzialität hin zu den wirklich bewegenden Problemen auf diesem Globus ist. Und dazu bedarf es nicht mal zwingend eines Berliner Mauerfalls, um Mauern in den Köpfen einzureißen.

"Zukunft säen!" geht weiter

Die Aktion "Zukunft säen!" der evangelischen Landeskirche wird heute fortgesetzt mit dem Bezirksfrauentag in der Friedenskirche Altenmünster. Dort referiert Pfarrerin Yasna Crüsemann ab 14 Uhr über "Gerechtigkeit im Einkaufskorb". Um 20 Uhr gastiert sie mit dem Thema "Viva el Cacao" im Ingersheimer Gemeindehaus beim Frauenkreis. Um 14.30 Uhr ist der indische Pfarrer Ravinder Salooja Gast beim Seniorenkreis "Spätlese" in Roßfeld. Thema: "Sahwareh - Mit dem Rücken zur Wand". Am Mittwoch geht das Programm weiter.
Mehr Infos unter www.kirchenbezirk-crailsheim.de/veranstaltungen.

 

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