Lokale Geschichte auf 138 spannenden Seiten Crailsheimer Historischer Verein veröffentlicht Buch über den "Niederadel um Crailsheim"

Vor vier Jahren hat der Crailsheimer Historische Verein zum 25. Geburtstag das Symposium "Niederadel um Crailsheim" veranstaltet. Nun ist der betreffende Tagungsband mit den gehaltenen Vorträgen fertig.

|
Das neue Buch des Crailsheimer Historischen Vereins ist erschienen. Privatfoto

Wie beim Symposium führt Hans Gräser in das Thema ein. Er beschreibt am Beispiel der Familie von Wollmershausen den Aufstieg vom Ortsadel zum Reichsritter. Hatten die Wollmershausen ursprünglich für andere Ortsbewohner die Wehrpflicht im fränkischen Reichsheer erfüllt und gewisse Ansprüche auf Abgaben und Dienste gewonnen, waren sie zuletzt deren weltliche und geistliche Herren geworden und nur noch dem Kaiser gegenüber zu Kriegsdiensten oder Beiträgen zur Kriegskasse verpflichtet. Ihre Lehnsdienste gegenüber den Fürsten beschränkten sich dagegen auf Rat und Repräsentanz-aufgaben am Hof.

Wie im Spätmittelalter dagegen diese Lehnspflichten aussahen, zeigt Gerhard Taddey am Hintergrund der hohenlohischen Verschuldungskrise im 15. Jahrhundert, als die Gefolgsleute sowohl zu Krediten an den Herrn als auch zu militärischer Unterstützung bei etwaigen Fehden verpflichtet waren.

Auf das Fehderecht geht Hermann Ehmer näher am Beispiel der Fehde des Horneck von Hornberg um sein würzburgisches Lehen Jagstberg ein, wobei zugleich erkennbar wird, warum gerade in Franken der Niederadel sich gegenüber der Fürstengewalt behaupten konnte: Angesichts der territorialen Zersplitterung fand er stets einen oder mehrere Fürsten, die ihn gegen andere Fürsten unterstützten.

Umgekehrt zeigt Andreas Maisch am Beispiel Halls, wie ursprünglich kaiserliche Dienstleute, die namens des Kaisers Saline, Münze und Stadt verwalteten und sicherten, sich von der kaiserlichen Gewalt befreien konnten, von aufstrebenden Bürgern aus der Stadtregierung verdrängt wurden und sich schließlich als Lehnsritter auf umliegende Burgen zurückzogen.

Die abschließenden Aufsätze von Gerhard Rechter und Helmut Neumaier beschreiben die Lösung auch dieses Lehnsadels aus der einseitigen Bindung an den Lehnsherrn und den Aufstieg zu eigener Herrschaft als Reichsritter: Um 1500 kann Hans von Seckendorff um den (Hohen)Kreßberg ein relativ geschlossenes Territorium bilden, für das sein gleichnamiger Nachfolger das Hochgericht und Marktrecht in (Markt)Lustenau gewinnt. Wenn er zudem mehrere Jahre lang neben seiner Ehefrau noch mit einer "Magd" ein außereheliches Verhältnis führt und sie dafür mit einem Haus in Marktlustenau ausstattet, nimmt er bereits barocke Formen des Mätressenwesens vorweg. Zwei Generationen später hat Sebastian von Crailsheim zu Morstein als Hauptmann des Ritterkantons Odenwald bereits die unmittelbare Unterstellung unter den Kaiser erreicht und infolge der Reformation sogar das "ius reformandi" für seine Patronatskirchen erhalten.

Auf 138 Seiten kann so der Band an regionalen Beispielen exemplarisch die Zwischeninstanz des Niederadels zwischen der Bevölkerung und den Reichsständen in seiner Entwicklung und Gestaltung aufzeigen und damit wesentliche Elemente der Kulturlandschaft verstehen lassen: Die vielen Burgen und Schlösser, auf denen zum Teil noch heute die Nachkommen der genannten Familien sitzen, die Grabmäler in den Kirchen und die Konfessionskarte Frankens spiegeln noch heute die damals entstandene Ordnung, auch wenn sie seit 200 Jahren abgeschafft ist.Info Die Mitglieder des Crailsheimer Historischen Vereins erhalten den Band als Jahresgabe 2012 und können ihn beim Stadtarchiv (Schlossplatz 1) abholen. Andere Interessenten können ihn für 15 Euro kaufen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Grimmer im HT-Interview: „Viel Zeit zum Freuen bleibt nicht“

Der neue Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer spricht über Ehrgeiz, die geplante Verschlankung des Gemeinderats und seine Vision für eine nachhaltige Innenstadt-Belebung. weiter lesen