Kultige Komödie mit kauzigen Könnern

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Besuchermagnet auch in Crailsheim: Markus Majowski. Foto: Theater

Will man wissen, was eine Komödie eigentlich ist, so erfährt man bei Wikipedia, sie " ist ein Drama mit erheiterndem Handlungsablauf, das in der Regel glücklich endet. Die unterhaltsame Grundstimmung entsteht durch eine übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen, die neben der Belustigung des Publikums auch kritische Zwecke haben kann".

Genau dieser Definition wurde die fünfköpfige Schauspieltruppe der Stuttgarter "Komödie im Marquart" bei ihrem Gastspiel bei der Crailsheimer Theatergemeinde in der Ingersheimer Halle vollauf gerecht. "Ein Heimspiel" - so der Titel des Stückes von Charles Lewinsky - ist eine Mixtur aus genau den Elementen, die zusammengenommen exakt den Cocktail ergeben, der sowohl eine schöne Farbe aufweist als auch eine geschmackvolle genussversprechende Konsumation durch das Publikum ermöglicht.

War dieses dieses Mal zahlreicher als üblich, so lag dies sicherlich an der Anziehungskraft des aus verschiedenen Fernsehserien bekannten Markus Majowski. In der sich nach und nach zu einer Dreimännerwirtschaft und später zu einem Pseudo-Altersheim entwickelnden Wohngemeinschaft völlig unterschiedlicher Männercharaktere waren die Rollen indessen weitestgehend gleichmäßig verteilt: Zunächst ist da der trauernde Hinterbliebene, ein homosexueller ehemaliger Bühnenbildner, Teddy Weinberger, mit großem Charme gespielt von Dietmar Pröll, der meist dezent-andeutend die Schwulenrolle spielt, ohne ins allzu Derbe-Zotige abzugleiten. Natürlich erntete er den einen oder anderen Lacher aber auch deswegen.

Ihm eröffnet der Boulevardjournalist Scoop Müller - ein Wortspiel, da der Vorname so viel wie "Knüller" bedeutet - , dass sein (Nicht-)Lebenspartner kein Erbe hinterlassen hat; er selber muss gestehen, dass er gefeuert wurde. Majakowski setzt - natürlich! - zahlreiche Mittel seines komödiantischen Repertoires ein, auch wiederum ohne so dick aufzutragen, wie dies im Heimkino nötig zu sein scheint. Das Live-Theater muss ja auch nicht die Lacher vom Band einspielen! Als Dritter im Bunde gesellt sich, mit hochstaplerischen Fähigkeiten ausgestattet, aber vom "Enthüllungsjournalisten" rasch entlarvt, der ehemalige Beamte Martin Neidhardt hinzu, der seinem Beamtendasein längst Lebewohl gesagt hat und so ebenfalls auf Finanzspritzen angewiesen ist. Armin Dillenberger gibt den Ex-Staatsdiener ebenfalls komödienhaft-verspielt - seine späteren vorgetäuschten Hustenanfälle reizen das Publikum des Öfteren zum Lachen, zumal wenn diese mit einem halbverschluckten Apfelstück funktionieren.

So gesehen also drei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber eine Schicksalsgemeinschaft bilden (müssen). Da gesellen sich zu den komödiantischen Elementen ("unterhaltsame Grundstimmung", "übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen") nun die gesellschaftskritischen: eine bedrohlich wachsende Altersarmut, eine alternde Gesellschaft mit fragwürdigen Berufsaussichten, Finanzkrisen im Kleinen-Privaten. Und wie in der großen Politik muss nach Auswegen gesucht werden. Während diese "im wahren Leben" nicht immer evident oder sinnführend zu sein scheinen, muss es bei der Komödie aber ein "glückliches Ende" (siehe oben) geben. Da besinnt man sich dann - Parallelen zur Realität sind erneut unvermeidlich - auf Tricks: woher das Geld nehmen, wenn nicht stehlen?

Man entschließt sich, das private Altersheim "Abendsonne" zu "faken" (zu erschwindeln). Und nun kommt es zu den Höhepunkten komödiantischer Elemente, denn das Spiel im Spiel an dieser Stelle hat eine lange Tradition. Durch Umkostümierungen und Maskierungen und "übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen" werden aus den Alten jetzt uralte über Neunzigjährige: Wie fit ist unsere Gesellschaft mit Rückenschmerzen, Rollator, Parkinson und Alzheimer? Bekommen wir bei all dem Slapstick übertriebener Darstellung nicht vielleicht auch einen Spiegel vorgehalten, was vielen von uns blüht? Aber wir sind ja im Theater zur Erheiterung und dürfen auch einmal herzhaft lachen. . .

Und es gibt noch eine weitere Klimax des Komischen: Da eine Heimleiterin benötigt wird, muss eine Frau her. Komik lebt auch von starken Kontrasten: So wird die Barfrau Mäggi (Punkfrisur, miniberockt, sexy, Barjargon) zur dauergewellten, biedergekleideten Vorstandsdame mit gewählter Diktion umgestylt ("Ja, Kleider machen Leute", wusste schon Gottfried Keller), wiederum die Lachmuskeln reizend, wandlungsfähig gespielt von Birthe Gerken.

Bevor es aber ein Happy End gibt, ist noch etwas Retardation, sprich: Hinauszögerung vonnöten. Das Heim ist von einer Stiftung anerkannt und - hurra! - die Gelder fließen. Doch unversehens verliebt sich der biedere Konrad Gerber, ein schüchterner Junggeselle und mit der Kontrolle Beauftragter, in die vermeintlich ebenfalls biedere "Mutter Teresa", sodass alle weiter gezwungen sind, unermüdlich Komödie zu spielen. Und wie endet das Stück? "Sobald man es weitersagt, fliegt alles auf!" Schweigen wir also auch, sodass nichts auffliegen kann. . .

Das Crailsheimer Publikum dankte den Schauspielern für eine Aufführung, die nach kurzem Anlauf in Schwung kam und nach der Pause sich bis zu einem furiosen Ende steigerte, mit langanhaltendem Beifall.

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