Kosten des Jagst-Einsatzes nach dem Mühlenbrand liegen bei 3,5 Millionen Euro

Die Rechnungen für die Rettung der Jagst summieren sich in drei Landkreisen auf 3,5 Millionen Euro. Nach dem Mühlenbrand in Lobenhausen im August 2015 war ein Heer an Hilfsorganisationen im Einsatz.

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Beim Landkreis Schwäbisch Hall stapeln sich derzeit Rechnungen in Höhe von rund 246.000 Euro, wie Hubert Wiedemann, der Leiter des Bau- und Umweltamtes des Landkreises auf Nachfrage bekannt gibt. Wenn deren „sachliche Richtigkeit“ bestätigt sei, werde gezahlt, heißt es weiter. Ein Großteil der Rechnungen, die auf Wiedemanns Schreibtisch landen, ist bereits beglichen worden. Genau gesagt handelt es sich um knapp 183.000 Euro.

Spitzenreiter ist der Landkreis Heilbronn mit 1,5 Millionen

Im Hohenlohekreis summieren sich die Kosten für die Rettung der Jagst auf rund 1,1 Millionen Euro. Pressesprecherin Silke Giebler rechnet damit, dass zu dieser Summe nur noch kleinere Beträge hinzukommen. Das Landratsamt in Künzelsau ist bereits in Vorleistung getreten und hat die Außenstände von Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk und weiteren Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz beglichen.

Noch höher sind die Mittel, die im Landkreis Heilbronn für den Schutz des Flusses ausgegeben wurden: Rechnungen in einer Gesamthöhe von rund 1,5 Millionen Euro häuften sich im dortigen Landratsamt an. „Da ist alles dabei, von den Spritkosten bis hin zur Verpflegung für die vielen Einsatzkräfte aus dem ganzen Land“, sagt Pressesprecher Hubert Waldenberger.

Im Landkreis Schwäbisch Hall, im Hohenlohekreis und im Landkreis Heilbronn hat das Land Baden-Württemberg noch keinen Cent der Einsatzkosten erstattet, wie man es sich eigentlich nach den Bekundungen etlicher Politiker, den betroffenen Kreisen „unbürokratisch“ helfen zu wollen, erhofft hatte.

Eine Zivilklage über 650.000 Euro wurde auch eingereicht

Dass sich das Land in diesem Punkt erst einmal „vornehm“ zurückhalten will, zeichnete sich schon Anfang Februar dieses Jahres bei einem Besuch von Franz Untersteller in Schöntal-Bieringen im Hohenlohekreis ab. Dort kündigte der grüne Landesumweltminister ein mit 14 Millionen Euro ausgestattetes Sanierungsprogramm für die Jagst an (das HT berichtete). Zu den Einsatzkosten merkte Untersteller aber an, dass er hier in erster Linie den Verursacher der Katastrophe in der Pflicht sehe: „Es kann nicht sein, dass gleich nach dem Steuerzahler gerufen wird.“

Hintergrund für diese Aussage ist der Paragraf 52 der Landkreisordnung, den natürlich auch die Beamten im Umweltministerium kennen. Darin heißt es, dass das Land auf Antrag derlei Kosten erstatten kann – aber erst, „soweit nicht von Dritten Ersatz zu erlangen ist“. Im Klartext: Die Landkreise müssen zunächst selbst versuchen, das Geld einzutreiben. Genau um dieses heikle Thema dürfte es gehen, wenn sich die Landräte der drei betroffenen Kreise in diesem Monat mit Minister Franz Untersteller und dem Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl treffen.

Unterdessen hat ein Anwalt aus Stuttgart eine Zivilklage eingereicht, an der dem Vernehmen nach 19 Parteien, darunter viele Angelvereine, beteiligt sind. Es geht um Forderungen in Höhe von 650.000 Euro. Darunter fallen Bergungskosten für tonnenweise tote Fische, zehn Euro Schadensersatz pro Kilogramm Fisch, Ausfälle beim Verkauf von Fischereikarten, solche Sachen.
 



Ins Visier genommen - Dünger auf Abwegen

Es ist schon skurril, welchen Weg der Kunstdünger nimmt, der beim Mühlenbrand in Lobenhausen ins Löschwasser gelangte. Landwirte fuhren das kontaminierte Zeug – rund 900.000 Liter – mit Pumpwagen in die Kläranlage nach Crailsheim, wo es zwischengelagert und später dank einer mobilen Aktivkohlefilteranlage gereinigt wurde. Von den giftigen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die üblicherweise bei Bränden entstehen, sei das Wasser in vier Wochen „nahezu befreit“ worden, schreibt das Landratsamt Schwäbisch Hall in einer Pressemitteilung. „Aus Löschwasser wird hochwertiger Dünger“, heißt es in der Überschrift. Über den Wert des Düngers lässt sich sicherlich streiten. Er kommt in flüssiger Form daher, was für viele Landwirte praktisch und attraktiv ist, und wird der Gülle als „Stickstoffwasser“ beigemischt.

Die Ironie des Schicksals ist, dass der Dünger auf Umwegen nun doch auf die Felder gebracht wird. Etwa 20 Betriebe machen mit. Natürlich wird er nicht kostenlos, aber wohl unter marktüblichen Preisen abgegeben, damit überhaupt jemand bei der Aktion mitmacht. Die Versicherung, die Behandlung, Lagerung und Reinigung bezahlt hat, holt sich so einen Teil der Kosten wieder.

 

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