Kampf um den Meisterbrief

Die Meisterpflicht für selbstständige Handwerker könnte entfallen. Der Präsident der Handwerkskammer Heilbronn- Franken, Ulrich Bopp, sieht in ihr allerdings einen großen Wettbewerbsvorteil.

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Handwerker, die vor 50 Jahren die Meisterprüfung abgelegt haben, erhalten den Goldenen Meisterbrief. Das Qualitätssiegel könnte bald Geschichte sein. Archivfoto

Die Ausbildungsquote ist im deutschen Handwerk mit acht Prozent fast doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Und 95 Prozent der Auszubildenden im deutschen Handwerk werden in Meisterbetrieben oder in Betrieben mit gleichwertig qualifizierten Betriebsleitern ausgebildet. Und genau darin sieht die Handwerkskammer ein Erfolgsrezept zur Sicherung des Nachwuchses im Handwerk.

Doch der Meisterbrief ist in Gefahr: Die Meisterpflicht für selbstständige Handwerker steht derzeit bei der Europäischen Kommission im Rahmen ihrer Transparenz-Offensive auf dem Prüfstand. Mit ihren Plänen will die EU potenzielle Mobilitäts- und Marktzugangsbeschränkungen in den Mitgliedsländern abschaffen. Hierzu sollen alle europäischen Berufsreglementierungen - zu denen eben auch der Meisterbrief zählt - überprüft und einem Dialog zwischen den Mitgliedstaaten unterzogen werden. "152 Berufe, davon 41 Handwerksberufe sind in Deutschland betroffen", berichtet Kammerpräsident Ulrich Bopp in der Herbstsitzung der Vollversammlung. Und die Kammer kristisiert die Transparenz-Initiative der EU scharf.

Denn Präsident Bopp zeigt sich überzeugt, dass die Meisterpflicht kein Wettbewerbshemmnis, sondern sogar wettbewerbsfördernd sei. "Lasst uns doch den Meisterbrief exportieren, anstatt ihn abzuschaffen", sagte Bopp in Richtung Brüssel. Für ihn ist der Meisterbrief als Qualitätssiegel untrennbar mit der dualen Ausbildung verbunden, um die Deutschland vom Ausland beneidet wird.

Über Jahrzehnte bewährt

Um die Wichtigkeit des Meisterbriefes zu unterstreichen, hat die Handwerkskammer in ihrer Sitzung jetzt eine Resolution verabschiedet. Hier heißt es: "Das Handwerk bildet das Rückgrat des deutschen Mittelstandes. Dieser Erfolg ist vor allem im weltweit anerkannten dualen Berufsbildungsystem begründet. Es qualifiziert praxisnah und stellt einen direkten Übergang in den Arbeitsmarkt sicher. Der Meisterbrief als Großer Befähigungsnachweis für selbstständiges Ausüben eines Handwerks hat sich dabei über Jahrzehnte hinweg bewährt. Er ist Garant für hohe Kompetenz, für Qualität und Verbraucherschutz, sorgt für stabile Existenzgründungen und eine anerkannt hohe Ausbildungsleistung im Handwerk."

Mit der Resolution richtet die Handwerkskammer daher abschließend einen Appell an die Bundesregierung und die Europäische Kommission, die Bedeutung des Meisterbriefs im deutschen Handwerk im systemischen Gesamtzusammenhang mit der dualen Ausbildung zu betrachten.

Die baden-württembergische Landespolitik stärkt dem Handwerk in dieser Sache sicherlich den Rücken. Denn bereits letze Woche warb eine hochkarätige Delegation des Baden-Württembergischen Handwerkstages gemeinsam mit Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid in Brüssel für den Beibehalt des Meisterbriefs.

Vollversammlung: Bildung im Fokus

Mut zur Bildung Die Herbstsitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken hatte einen klaren Schwerpunkt: Aus- und Weiterbildung. Der Bericht von Arbeitnehmer-Vizepräsident Markus May war hierbei ein Plädoyer für mehr Mut zur Bildung im Handwerk. "Geben Sie bildungswilligen Mitarbeitern die Chance sich weiterzubilden", appellierte er an Arbeitgeber. Er forderte mehr Initiative von den Betrieben: "Es müssen mehr und bessere Ausbildungsplätze geschaffen werden, die für junge Menschen attraktiv sind."

Zwischenerfolg Kerstin Lüchtenborg konnte erfreuliche Zahlen des Ausbildungsjahres präsentieren. Die Leiterin der Abteilung Berufsbildung vermeldete ein Plus von über vier Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bis Ende Oktober. Kammerpräsident Ulrich Bopp warnte allerdings: "Wir dürfen uns aber nicht durch diesen Zwischenerfolg blenden lassen, denn mittelfristig sind auch unsere Ausbildungszahlen rückläufig."

Wertigkeit Zur Sicherung des Nachwuchses forderte Bopp "eine fundierte Berufsorientierung an der Schule, die Schülern und Eltern die Erkenntnis vermittelt, dass der akademische Weg und die berufliche Ausbildung gleichwertig sind."

SWP

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