Jubiläum der Kirchengemeinde zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Die Kirchengemeinde zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf dem Sauerbrunnen hat gestern den 50. Geburtstag ihrer Kirche und ein lebendiges, fröhliches und in die Zukunft weisendes Gemeindefest gefeiert.

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"Sie feiern den 50. Geburtstag Ihrer Kirche", sagte Festprediger Professor Dr. Hubert Wolf. Doch wie stellte sich die Kirche 1964 dar? "Damals gingen etwa 50 Prozent aller Katholiken regelmäßig in die Kirche. Heute sind es gerade mal acht. Damals genossen die katholischen Pfarrer von allen Berufsgruppen das höchste Ansehen." Heute stünden sie nach den "unsäglichen Missbrauchvorfällen" fast schon "unter Generalverdacht". Man dürfe die Krise nicht ausblenden. Entsprechend schwierig sei es da, eine Festpredigt zu halten. Aber wenn die Crailsheimer eine herkömmliche Jubiläumspredigt mit lobenden Rückblicken gewünscht hätten, "dann hätten sie keinen kritischen Professor einladen dürfen. Sondern einen Bischof. Mit Mitra", sagte Wolf.

Die Fragen, die der Professor aus Münster stellte, und die Forderungen, die damit im Raum standen, waren denkwürdig, ließen die Gemeinde aufhorchen und begeisterten viele. Auf was berief sich Wolf? Aufs Zweite Vatikanische Konzil, das genau vor 50 Jahren tagte - und dessen Initiator, Papst Johannes XXIII., Angelo Guiseppe Roncalli, passenderweise Namensgeber des Roncalli-Gemeindehauses ist. "Damals ging ein Ruck durch die katholische Kirche", sagte Wolf. "Damals war es ja fast schon cool, katholisch zu sein." Eine der Forderungen des Konzils war die nach mündigen Gläubigen, die im Grundsatz zusammenfloss: Der Kirche obliege die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und ihre Lehre gegebenenfalls anzupassen. "Denn um was geht es wirklich?", fragte Wolf und gab selbst die Antwort: "Um Jesus Christus". Und was habe der gelehrt? "Barmherzigkeit. Das ist doch Jesu Entwurf einer Gegengesellschaft."

Gemeinde aus der Seele gesprochen

Diese Barmherzigkeit habe er gezeigt im Umgang mit Menschen in Krisensituationen. "Wer waren denn die Zöllner. Oder die Kranken? Das waren die, mit denen niemand etwas zu tun haben wollte." Aber sei es deshalb nicht gerade ein Gebot der Stunde, barmherzig zu sein mit denen, die in einer Lebenskrise stecken? Deren Ehe gescheitert sei? Die eine andere Orientierung hätten? Überhaupt barmherzig zu sein mit denen, "die an den Hecken und Zäunen stehen?"

"Ich stelle hier nur die Fragen", sagte Wolf. Zum Beispiel diese: Warum können wir die Probleme nicht vor Ort lösen? Warum müssen wir immer in Rom nachfragen? Warum soll der mündige Gläubige nicht seinen Bischof vor Ort wählen? Warum könnte man nicht einen weiteren Zugang zum Priesteramt schaffen - den der "viri probati" etwa, der "bewährten Männer", die getrost verheiratet sein dürften. Warum könnten Frauen nicht wenigstens das Amt der Diakone bekleiden? Warum könne man nicht mit den Evangelischen weitere Schritte der Gemeinsamkeit gehen?

Ganz offenbar sprach Wolf der Gemeinde aus der Seele, denn als er seine Predigt wortgewaltig beendet hatte, brandete spontaner und langer Beifall auf. Auch das war denkwürdig an einem denkwürdigen Tag.

Predigt ist Thema beim Gemeindefest

Die Predigt war - natürlich - auch Thema beim Gemeindefest. Es wurde eifrig diskutiert, und entsprechend bunt und lebendig war der Tag. Mit Grußworten von der politischen (OB Michl) und der benachbarten evangelischen Gemeinde (Pfarrer Kämpler) und vom evangelischen Kirchenbezirk (Dr. Knöppler). Es gab Sketche von den Ministranten und von zwei evangelischen Pfarrern, die früher schon einmal aufgetreten waren: Otto Weber und Peter Gansky. Die Schüler von Küchenmeister Waldemar Patzurek hatten gar köstlich gekocht, die Frauen (und Männer?) der Gemeinde verwöhnten die vielen Besucher mit leckerem Kuchen. Und so war das Fest in vollem Gang, als es ein Konzert zum Abschluss gab: Es traten auf der Gospelchor und die Klangkörper.

Info Nächster Termin der Festtage ist am 29. November das Jubiläumskonzert in der Dreifaltigkeitskirche.

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