Interview: Autonomie und Einfühlungsvermögen sind gefragt

Eltern in Bildungsfragen stärken ist das Ziel der Elternstiftung Baden-Württemberg. Nanette Scriba, Koordinatorin für Elternmentoren, erklärt, wie auch Eltern erreicht werden, die wenig Deutsch sprechen.

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Nanette Scriba, Koordinatorin für Elternmentoren bei der Elternstiftung Baden-Württemberg Privatfoto  Foto: 

Seit 2005 bietet die Elternstiftung Fortbildungskurse für interkulturelle Elternmentoren an. Was soll damit erreicht werden?

NANETTE SCRIBA: Die Elternstiftung will unter anderem die individuelle Elternmitwirkung stärken, zum Beispiel von Eltern mit Migrationsgeschichte, deren eigene Bildungserfahrung vielleicht in einem anderen Land liegt. Deshalb wurde das Mentoren-Programm ins Leben gerufen.

Wie sind die Erfahrungen?

SCRIBA: Inzwischen sind über tausend Elternmentoren in Baden-Württemberg geschult worden. Ein Großteil engagiert sich auf unterschiedliche Weise, einige nutzen die Schulung eher für sich selbst. In den letzten Jahren ist die Nachfrage stark gestiegen. Wir haben in 2015 zwölf Kurse durchgeführt.

Können Eltern diese Vermittler- und Unterstützerrolle besser erfüllen als zum Beispiel Lehrer?

SCRIBA: Ja. Das liegt am niederschwelligen Zugang. Die Schwelle, einen Elternmentor um Rat zu fragen, ist niedriger als bei einem Lehrer oder Schulleiter - vor allem, wenn er dieselbe Muttersprache spricht. In manchen Schulen bekommt der Elternmentor sogar ein eigenes Zimmer und hält Sprechstunden ab - das ist natürlich der Idealfall. Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen stimmen und das Angebot der Mentoren durch die Koordinatoren an den Schulen und vor Ort bekannt gemacht wird.

Kann jeder Elternmentor werden? Welche Qualifikation wird benötigt? SCRIBA: Jeder, der teilnehmen möchte, ist herzlich willkommen. Im Idealfall spricht der Elternmentor gut Deutsch und bringt eine gewisse Autonomie sowie Einfühlungsvermögen mit. Auf die Ausschreibung, die wir gemeinsam mit den Koordinatoren vor Ort und den Schulämtern machen, dürfen sich die Eltern selbst melden. Es werden aber auch gezielt mögliche Teilnehmer angesprochen. Von den Schulungen profitieren die Teilnehmer tatsächlich sehr: Sie lernen das Schulsystem, die Mentorenrolle und wichtige Ansprechpartner aus dem Schulamt kennen. Die Netzwerkarbeit nach der Schulung ist dabei zentral.

Mit der Zuwanderungswelle kommen immer mehr Menschen verschiedener Herkunftsländer nach Deutschland - auch in den Landkreis Schwäbisch Hall. Werden künftig deutlich mehr Elternmentoren gebraucht?

SCRIBA: Das ist in der Tat eine Riesenaufgabe. Bisher stammen unsere Elternmentoren aus den klassischen Einwanderungsländern. Die aktuelle Fluchtmigration ist für sie genauso neu wie für den Rest der Gesellschaft - wobei sie diese Eltern natürlich bei entsprechender Unterstützung auch begleiten können. Die Elternstiftung ist aktuell dabei, geeignete Konzepte zu entwickeln, die speziell den Bedarfen geflüchteter Eltern entsprechen.

Die Fragen stellte Christine Hofmann.

Info Die gemeinnützige Elternstiftung Baden-Württemberg hat das Ziel, die Elternseite im Rahmen einer Erziehungspartnerschaft mit der Schule zu fördern. Neben anderen Programmlinien schult sie Elternvertreter und -mentoren. Die Elternmentorenkurse haben zwei unterschiedliche Schwerpunktsetzungen: Neben den interkulturellen Mentorenkursen gibt es Mentoren für Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf. Die Stiftung wurde 1974 gegründet. Sie wird vom Land und durch Spendengelder finanziert.

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