Interview mit Gartenexpertin: Es muss nicht wild wuchern

Ein Garten kann das ganze Jahr über etwas bieten. Wir sprachen mit Gartenbauingenieurin Christiane Karger aus Kreßberg über grüne Oasen, in denen sich Menschen, Tiere und Insekten wohlfühlen können.

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Christiane Karger bei der Kirschernte in ihrem Garten.  Foto: 

Was habe ich zu beachten, wenn ich einen bienenfreundlichen Garten anlegen möchte?

CHRISTIANE KARGER: Wichtig ist, dass möglichst während des ganzen Jahres blühende Pflanzen zu finden sind, die Pollen und Nektar bieten. Das kann im frühen Frühjahr mit Zwiebelblumen wie Schneeglöckchen oder Krokus beginnen. Dann kommen frühe Gehölze, wie die Kornelkirsche, die Salweide oder der Winterschneeball. Wichtig ist, die Lücke im Hoch- und Spätsommer zu füllen. Dafür sind Sonnenhüte, Sonnenbräute, Silberstrauch, Bartblume, Herbstastern, Fette Henne, Sommerflieder, Silberkerze, Perlkörbchen oder Steinquendel geeignet.

Im Trend liegen momentan bunte Blumenwiesen statt monotoner Rasenflächen. Was halten Sie davon?

KARGER: Durch die blühenden Pflanzen bieten Blumenwiesen Insekten ein reichliches Nahrungsangebot. Die Anlage der Wiese ist aber nicht einfach. Eine funktionierende Blumenwiese besteht meist aus anspruchslosen Wildkräutern, die mageren, durchlässigen Boden bevorzugen. Die üblichen Rasenflächen sind aber oft gut gedüngt und mit ausreichend Humus versehen. Daher muss man die Flächen erst mit Sand und Kies abmagern, damit die gewünschten Pflanzen eine Chance haben. Der Boden muss auch frei von Beikräutern sein, besonders von Wurzelunkräutern wie Quecke, Giersch, Schachtelhalm oder Winden. Daneben sind mehrere Schröpfschnitte nötig, damit Löwenzahn und Co. geschwächt werden und nicht die Oberhand gewinnen. Gemäht werden sollte die Wiese nur ein- bis zweimal im Jahr, damit sich die Wildblumen wieder aussäen können.

Wie sieht es mit den Lebensräumen für die Insekten im Garten aus?

KARGER: Einige Hummeln und andere Wildbienen graben sich Höhlen in die Erde. Dafür geeignet sind sonnige Hänge, an denen sich die Insekten zwischen den Stauden ihre Höhlen graben können. Auch eine Vogeltränke, eine Wasserschale mit möglichst flachem Rand oder ein Gartenteich mit flachem Uferraum werden gerne zum Trinken angeflogen. Perfekt sind kleine feuchte Lehmkuhlen irgendwo im Garten, weil manche Wildbienen den Lehm oder Ton für ihre Nisthöhlen verwenden. Man kann auch mal in einer Gartenecke Zweige oder Holz liegen lassen, das als Wohnraum genutzt werden kann.

Bevorzugen Sie denn heimische Pflanzen?

KARGER: Es müssen nicht immer heimische Wildpflanzen sein, Sorten mit einfachen, ungefüllten Blüten sind für Insekten lohnender.

Und was mache ich gegen Schädlinge?

KARGER: Es gibt unzählige Möglichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes, sodass Chemie im Hausgarten möglichst gar nicht oder nur im Notfall eingesetzt werden sollte. Stichworte sind hier die Fruchtfolge, die Mischkultur, der passende Standort und die Verwendung wenig anfälliger Sorten. Ich würde auch die Selbstaussaat von Ringelblumen, Königskerzen, Stockrosen und so weiter zulassen, denn je vielseitiger und artenreicher ein Garten ist, desto mehr Unterstützung durch Nützlinge wie Schlupfwespen, Marienkäfer, Florfliegen, Ohrenzwicker, Spinnen und Laufkäfer gibt es.

Wie fange ich am besten mit der Umgestaltung an?

KARGER: Ich würde bewusst darauf achten, wann ein Blütenloch entsteht und dieses dann mit geeigneten Pflanzen stopfen. Ein bienenfreundlicher Garten heißt übrigens nicht automatisch wild wuchernde Natur. Er kann auch durchaus in etwas kultivierten Bahnen gestaltet werden. Grundsätzlich sind wir alle gefordert, die enger werdenden Lebensräume wieder lebenswert zu machen. Schließlich ist die Rechnung ganz einfach: keine Insekten, keine Bestäubung, kein Obst und keine Beeren.

Die Fragen stellte Michaela Butz.

Das Projekt "Stadtbiene"

Die Stadt Crailsheim hat sich mit diesem Projekt dem Bienen- und Insektenschutz verschrieben. Unter dem Arbeitstitel "Stadtbiene" wurden und werden verschiedene Maßnahmen ergriffen. So werden unter anderem in den kommenden Jahren weitere Obstbäume gepflanzt und gepflegt, blühende und damit nahrungsspendende Wiesenstreifen auf Stadtgebiet angelegt und die Straßenränder naturnaher gestaltet. Ein Ziel ist zudem, die Grünflächen im Stadtzentrum zu vernetzen.

MIBU

Zur Person

Christiane Karger ist im Landratsamt Ostalbkreis angestellt, studierte Gartenbauwissenschaften in Weihenstephan und ist bereits viele Jahre in der Gartenberatung tätig. Aktuell ist sie im Ostalbkreis in Ellwangen Kreisfachberaterin für Obst- und Gartenbau. Christiane Karger lebt in Kreßberg und hat selbst einen relativ großen Garten, in dem es fast das ganze Jahr blüht. Vor allem in den letzten Jahren haben sich viele unterschiedliche Wildbienenarten bei ihr angesiedelt.

MIBU

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