HT-Leser leisten wichtige Beiträge zur Weltkriegs-Serie

100 Jahre sind eine lange Zeit: Spuren verwischen, Schicksale werden vergessen. Als das HT eine Serie zum Ersten Weltkrieg plante, war die Quellenlage dürftig - doch zum Glück gibt es die Leser!

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"Haben Sie noch Postkarten, Fotoalben, Tagebücher und sonstige Erinnerungsstücke aus jener Zeit? Erinnern Sie sich an eindringliche Erzählungen Ihrer Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern? Die Redaktion freut sich über Zuschriften."

So stand es am 28. Juni 2014 - genau ein Jahrhundert nach dem Attentat auf das habsburgische Thronfolger-Paar - im HOHENLOHER TAGBLATT. Und, ganz ehrlich: Die Redaktion war skeptisch, erwartete keinen großen Rücklauf. Wer sollte sich schließlich nach so langer Zeit erinnern? Zumal sich die Bilder des Zweiten Weltkriegs, der ja tatsächlich in Hohenlohe gewütet hatte, längst über jene der Völkerschlacht zwischen 1914 und 1918 gelegt haben. In den Flammen des Jahres 1945 sind außerdem viele Erinnerungsstücke unwiederbringlich verloren gegangen.

Die Skepsis aber wich der Überraschung: Zahlreich flatterten Briefe und E-Mails ins Haus, HT-Leser riefen an oder kamen gleich persönlich in der Crailsheimer Ludwigstraße vorbei. Sie brachten Bilder, Militärpässe, Urkunden, Postkarten, Feldpostbriefe, Tagebücher. In Hohenloher Stuben schlummerten ganz offensichtlich bisher ungehobene Schätze.

Viele Teile der Weltkriegs-Serie wären ohne diese Leser-Hinweise niemals zustande gekommen - die Geschichte des Gefreiten Otto Gutöhrlein etwa, die Seite mit propagandistischen Postkarten, der Artikel über den Kirchberger Spion Karl Ernst Gellichsheimer. Andere Themen erhielten zusätzliches "Fleisch", konnten anschaulicher erzählt und manchmal eben sogar bebildert werden. Die Redaktion sagt: herzlichen Dank!

Manches freilich blieb bisher unveröffentlicht. An dieser Stelle soll wenigstens ein Teil davon genannt - und damit exemplarisch gewürdigt - werden. Roland Hofmann aus Leukershausen (siehe Foto 1) etwa erzählte dem HT von seinen Großeltern Christian und Rosine Hofmann. Sie war eine geborene Burkhardt und kam aus Leukershausen. Er stammte aus dem bayerischen Dentlein und heiratete in den Hof ein. Sie hatte fünf Brüder, von denen drei im Ersten Weltkrieg starben. Von seinen drei Brüdern kehrte nur einer von den Schlachtfeldern zurück - unvorstellbar, welche Lücken der Krieg riss.

Ein ehedem brisantes Souvenir brachte der Soldat Friedrich Breuninger aus Erkenbrechtshausen aus dem Krieg mit nach Hause: Auf den Schlachtfeldern in Flandern sammelte er den Zünder einer Granate ein, der fortan als Aschenbecher genutzt wurde (Foto 2). Enkel Dieter Breuninger zeigte ihn dem HT.

Die Brüder Manfred, Andreas und Alexander Schuch machten die Redaktion auf ihren Großvater Wilhelm Schuch aus Unterweiler aufmerksam, der in den Westen ziehen und seinen Hof zurücklassen musste. Er war der einzige infrage kommende Hoferbe, das Schicksal seiner Eltern, der Knechte und Mägde hing von dem seinen ab. Auch das ist beispielhaft. Glücklicherweise kehrte er in die Heimat zurück - mit schlimmen Erlebnissen im Gepäck. Und das Schlimmste sollte noch kommen: Im Zweiten Weltkrieg fiel sein Sohn im Alter von 17 Jahren.

Leser als Mitarbeiter

Das HT dankt dem Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch, Christa Lober (Ruppertshofen), Hanna Wohnsiedler (Heroldhausen), Dr. Udo Hennig (Bühl), Anni und Otto Gutöhrlein (Raboldshausen), Susanne und Raimund Graiff (Crailsheim), Familie Aichele (Crailsheim), Inge Vollweiter (Kleinbrettheim), Ruth Ströbel (Wallhausen), Dr. Heinrich Eppe (Kirchberg), Friedrich König (Kirchberg), Familie Gellichsheimer (Hornberg) und allen, die sich darüber hinaus gemeldet haben, für ihre Beiträge zur Weltkriegs-Serie. / haz

SEBU

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