Hohelied auf die Liebe

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Kaum Handlung, wenig Dialoge, viel Gefühl: Ben Affleck als Neil und Olga Kurylenko als Marina. Foto: Mary Cybulski/StudioCanal

Der US-Amerikaner Terrence Malick unterstreicht mit "To The Wonder" seinen Ruf als einer der originellsten Regisseure der Gegenwart. Zwei Jahre nachdem er in Cannes für "The Tree of Life" die Goldene Palme erhielt, singt er ein Hohelied auf die Schönheit der Liebe. Doch bei aller Lust am experimentellen Erzählen vergisst er dabei die Realität nicht. Er zeigt auch, wie schwer es ist, die wunderbare Macht zu erhalten.

In seinem neuen Film beobachtet er den aus den USA stammenden Neil (Ben Affleck) und die aus der Ukraine kommende Marina (Olga Kurylenko). Die alleinerziehende Mutter und der Single haben sich in Paris kennengelernt. Die Bucht von Saint-Malo, die wegen des Spiels der Gezeiten als eines der Wunder der Erde gilt, wird für einige Zeit der Ort ihres Glücks.

Später leben Neil und Marina mit deren Tochter in einem Nest in der US-amerikanischen Provinz und müssen begreifen, wie mühsam es ist, das Wunder der Liebe im Alltag zu bewahren. Obwohl mit Neils früherer Freundin Jane (Rachel McAdams) und mit dem katholischen Priester Quintana (Javier Bardem), der für Olga zu einem wichtigen Vertrauten wird, Außenstehende in den Mikrokosmos des Paares eindringen, zeigt Malick die Beiden vor allem als Gefangene ihrer Gefühle füreinander und damit als isoliert von der Welt.

In Bildern voller wuchernder Traumsequenzen und Assoziationen wird die Zweisamkeit der Liebenden zunächst als geradezu reiner Glückszustand gefeiert. Doch je mehr sich Neil und Olga aufeinander konzentrieren, umso schwieriger wird ihr Leben. Malick bestätigt damit höchst kunstvoll die banale Erkenntnis, dass sich von Liebe allein nicht leben lässt.

Der Regisseur verzichtet auf die vordergründige Präsentation von philosophischen Gedankengängen. Statt Grundsatzprobleme gleich der ganzen Menschheit anzugehen, widmet er sich dieses Mal der wichtigsten Frage der kleinsten Einheit jeder Gesellschaft, aller Paare: Lässt sich der Zauber der ersten Liebe auf immer und ewig halten? Seine Antwort ist so kompliziert wie die Liebe selbst, voller Jubel und Verzweiflung zugleich.

Auch mit "To The Wonder" erfüllt Malick keinerlei Erwartungen an etablierte Erzählmuster. Beispielsweise werden die Protagonisten nicht als Charaktere erfasst, sondern nur als Typen, ja Skizzen. Die Handlung ist minimal. Von einer Geschichte kann nicht die Rede sein.

Dialoge und Monologe sind oft unverständlich. Sind sie zu verstehen, erreichen sie nie einen längeren Fluss. Malick geht es einzig und allein darum, Gefühle in Bilder und Bildfolgen zu fassen. Wie in einem Gedicht mit freien Rhythmen bietet er poetische Momente, die das Publikum selbst zusammensetzen muss.

Gerüchten zufolge soll Malick zahlreiche Szenen mit weiteren Stars wie etwa Rachel Weisz, Michael Sheen und Jessica Chastain gedreht haben. Im fertigen Film ist von ihnen nichts zu sehen. Je länger er an dem Stoff gearbeitet habe, umso mehr habe er sich auf die Figuren von Neil und Marina konzentriert, sagt der Regisseur dazu.

Zu sehen ist im Film hingegen eine geradezu intime Reflexion vom Lieben und Geliebtwerden. Sex wird weitgehend ausgeklammert. Malick scheint einem romantischen Ideal der reinen Liebe nachzuhängen. Da es die nicht gibt, ist sein Bilderreigen von eher trauriger Grundstimmung gezeichnet. Action-Fans werden mit dem sehr leisen, verhaltenen Film kaum etwas anfangen können. Freunde nachdenklicher Kinokost, die der Fantasie viel Raum und Zeit lässt, dürften hingegen ins Schwärmen geraten.

Auf einen Blick vom 29. Mai 2013
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