Heideflächen bei Westgartshausen: "Schafe büxen gerne aus"

Damit die Wacholderheide bei Westgartshausen so bleibt wie sie ist, müssen dort regelmäßig Schafe weiden. Das ist in der Praxis aber gar nicht so einfach, weil die Flächen nicht zusammenhängen.

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Beate Leidig vom Haller Landschaftspflegeverband erläutert den Teilnehmern der Exkursion die Besonderheiten der Wacholderheide und den Einsatz von Schafen, um die Vegetation niedrig zu halten.  Foto: 

Diese Kulturlandschaft ist durch jahrhundertelange Schafbeweidung entstanden. Ihren Namen hat sie von den landschaftsprägenden Wacholderbüschen. Diese wegen ihrer Flora und Fauna einzigartigen Flächen zu erhalten, ist die Aufgabe des Haller Landschaftspflegeverbands. Geschäftsführerin Beate Leidig hat deshalb mit Schäfern wie Walter Fenn, der mit seinen rund 1000 Tieren zwei bis dreimal im Jahr über die kargen Wiesen oberhalb von Westgartshausen zieht, Verträge zur Landschaftspflege geschlossen.

Anlässlich des Deutschen Landschaftspflegetags in Hall zeigte Leidig rund 50 Teilnehmern aus ganz Deutschland diese zum Natura-2000-Programm gehörenden FFH-Flächen. Die Vorgaben der EU verpflichten das Land, die Heidelandschaft des beliebten Naherholungsgebiets der Stadt Crailsheim zu bewahren. Für den Schäfer bedeutet das oft Schwerstarbeit von 6 bis 22 Uhr, so Leidig. Um zur nächsten Weide zu gelangen, muss er die Tiere über sogenannte Triebwege führen. "Da geht man als Fußgänger oder Radler lieber aus dem Weg", rät Martin Reustlen, der im Bereich von Westgartshausen für die Flurneuordnung zuständig ist. Wenn 1000 Schafe in Bewegung sind, sei das eine richtige Wucht. Auf bis zu 200 Meter ziehe sich die große Herde in die Länge.

Im Rahmen der Flurneuordnung legt Reustlen neue Triebwege so an, damit die Schafe möglichst sicher zu ihren Weiden kommen. Fünf Kilometer Triebwege braucht er, um die sechs Flächen, auf die die rund 30 Hektar große Wacholderheide verteilt ist, zu vernetzen. Der Weg sollte mindestens zehn Meter breit sein. Ideal sei eine seitliche Begrenzung durch eine Mauer, Hecke oder Graben. Das erleichtere den Hütehunden, die Herde zusammenzuhalten. "Die Schafe büxen nämlich gern aus, wenn es auf dem Feld oder der Obstwiese etwas Leckeres zum Fressen gibt", weiß Reustlen.

Außerdem seien die Spritzmittel auf den Äckern gefährlich für sie. Kritisch seien auch Straßenüberquerungen. Allein sechsmal müsse der Schäfer mit seiner Herde Autobahnzubringer kreuzen, um alle Weiden zu erreichen. "Ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist", meint er.

Neben den Triebwegen braucht die Herde mehrere Pferchäcker zum Übernachten. Sie sollten in der Nähe der Weide liegen, damit die Schafe nicht von Joggern gestört werden. Außerdem sollten sie eben sein, damit die neugeborenen Lämmer nicht wegrollen.

Insgesamt kommen so drei bis vier Hektar an Flächen für Infrastruktur zusammen, die aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden müssen. Bisher geben die Landwirte sie als ökologische Ausgleichsmaßnahmen unentgeltlich ab. Verstreut liegen kleine Flächen, die für die große Herde ungeeignet sind und verbuschen.

Bei schlechtem Wetter bleiben die Schafe in einer großen Scheuer, die die Stadt Crailsheim 1994 gebaut und 2010 erweitert hat. Im Winter ziehen sie in wärmere Gegenden, die Wacholderheide bietet dann nicht genug Nahrung.

Schutzgebiet erhalten

Wacholderheide Sie ist durch Schafbeweidung entstanden. Die Nutztiere fressen alle wohlschmeckenden Pflanzen ab, der Rest bleibt stehen: zum Beispiel Enzianarten und Distelarten, wie die Silberdistel und auch die Namen gebenden Wacholderbüsche. Dort leben viele seltene Schmetterlinge. Auch andere Insektenarten sind dort zu finden.

Natura 2000 Ein länderübergreifendes Netz von Schutzgebieten aus FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzgebieten innerhalb der EU. Die Länder verpflichten sich dabei, dass diese Gebiete in ihrem Zustand auch erhalten bleiben. Außerdem sind die Wacholderheiden FFH-Gebiete.

SIBA

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