Hauptsache, es wird geholfen

Gespräch beim DRK-Kreisverband über die „Helfer vor Ort“, die im Flächenlandkreis Schwäbisch Hall bislang die Ausnahme sind, deren schnelle Hilfe vor Ort aber nach Kräften unterstützt wird

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  • Fundierte Ausbildung ist die Voraussetzung für das Ehrenamt der „Helfer vor Ort“. Foto: dpa/Jan Woitas 1/2
    Fundierte Ausbildung ist die Voraussetzung für das Ehrenamt der „Helfer vor Ort“. Foto: dpa/Jan Woitas Foto: 
  • Rettungsdienstleiter Manuel Schmaderer und Kreisausbilder Kai Sprung mit Manuela Herrmann, der Pressesprecherin des DRK-Kreisverbands Schwäbisch Hall-Crailsheim. 2/2
    Rettungsdienstleiter Manuel Schmaderer und Kreisausbilder Kai Sprung mit Manuela Herrmann, der Pressesprecherin des DRK-Kreisverbands Schwäbisch Hall-Crailsheim. Foto: 
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Kein Ehrenamtlicher wird gezwungen, morgens um drei aus dem Bett zu hüpfen, weil irgendwo in der Nähe ein Mensch aufgehört hat zu atmen. Dennoch finden sich immer mehr Menschen, vor allem aus den Reihen des DRK, die das ganze Jahr über rund um die Uhr bereitstehen, um bei medizinischen Notfällen in der Nähe schneller vor Ort zu sein als der Rettungsdienst. Sie sagen, ihr schönster Dank ist, wenn ein Herz wieder anfängt zu schlagen. Sie werden Helfer vor Ort genannt, manchmal auch „First Responder“, und dass sie lebensrettende Maßnahmen einleiten, rettet so manches Menschenleben.

Im Landkreis Hall sind die Helfer vor Ort noch wenig bekannt, mittlerweile wächst aber auch hier das Interesse. Dieser Tage bat das DRK zu einem Gespräch über dieses ergänzende Angebot.

Mainhardt ist die Ausnahme. Mainhardt ist Spitze. Hier gab es „Helfer-vor-Ort“ lange, bevor der Begriff erfunden war. Bereits 1994 hatte das DRK dort eine Schnell­einsatzgruppe gegründet, die mit Piepsern oder Telefonkette zu Notfällen gerufen wurde. Als der Kreisverband vor über 17 Jahren mitteilte, dass die Bereitschaft Mainhardt fortan offiziell bei jedem Notfalleinsatz im Gemeindegebiet angefordert werde, waren bereits 73 Einsätze bewältigt. Seither werden die Helferinnen und Helfer jedes Jahr öfter gerufen, allein im vergangenen Jahr 170-mal.

Auch Sulzbach/Laufen, das an den Ostalbkreis grenzt, hat eine starke Helfer-vor-Ort-Gruppe. Die Gaildorfer und die Crailsheimer ehrenamtlichen Helfer gehen ein bisschen unter, weil dort auch der Rettungsdienst stationiert ist und die Menschen oft nicht zu unterscheiden wissen, wer ihnen jetzt zu Hilfe kommt. In Michelbach/Bilz gibt es eine Gruppe des Arbeitersamariterbunds, in Oberrot plant die Feuerwehr, auch in medizinischen Notfällen auszurücken, in Fichtenberg kooperiert das DRK mit der Feuerwehr, die Vellberger DRK-Bereitschaft stellt sich für ein langfristiges Konzept auf, und auch aus anderen Ecken des Landkreises stößt das Helfer-vor-Ort-Konzept, das andernorts längst viel stärker etabliert ist, zunehmend auf Interesse.

Der Kreisverband unterstützt

„Die Helfer vor Ort sind äußerst effektiv darin, dem Notfallpatienten eine schnellstmögliche kompetente Hilfe zu bringen“, sagt Dr. Karl Rosenhagen, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Hall- Crailsheim. Der Kreisverband werde den Aufbau und Ausbau der Gruppen im Landkreis weiter fördern und unterstützen. Das DRK biete darüber hinaus mit seinen Ausbildern allen Bürgern Erste-Hilfe-Schulung einschließlich der Akutmaßnahmen wie Sicherstellung der Eigenatmung des Notfallpatienten oder der Reanimation an. Carsten Dehner, der für das Innenministerium spricht, singt ebenfalls das Loblied der Ehrenamtlichen, die jeweils von der Leitstelle alarmiert werden: „Gerade bei lebensbedrohlichen Notfällen ist eine kompetente Soforthilfe für den Patienten entscheidend.“ Das Innenministerium sehe die Helfer vor Ort-Systeme als wichtige Ergänzungen des Rettungsdienstes, da sie das sogenannte „therapiefreie Intervall“ für den Patienten deutlich verkürzen können. „Dieses ehrenamtliche Engagement verdient allerhöchste Anerkennung.“

Zehn Minuten können zu lang sein: Vom Notruf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verstreicht selbst dann wertvolle Zeit, wenn die Rettungsfrist eingehalten werden kann. Bei einem Kreislaufstillstand wird das Gehirn nach drei, maximal fünf Minuten geschädigt, auch die Fähigkeit eines stillstehenden Herzens, nach dem Defibrillator-Einsatz wieder geregelt zu schlagen, sinkt um zehn Prozent pro Minute. Nach zehn Minuten kommt da Hilfe zu spät.

Die Zahl der Einsätze steigt

Immer noch mehr Einsätze im Rettungsdienst verzeichnet das DRK allüberall; das bedeutet zwingend immer wieder neu eine Aufstockung von Fahrzeugen und Personal. Dass damit längere Hilfsfrist-Vorgaben verbunden sein könnten, ist fürs Rote Kreuz nämlich nicht akzeptabel. Das DRK im Landkreis Schwäbisch Hall hat unter anderem mit den neuen Rettungswachen Hall-West und Crailsheim-West reagiert und ein Notarztfahrzeug gekauft. Die hohe Qualität des Rettungsdienstes müsse auch zukünftig garantiert werden, das war und ist erstes Ziel, sagt Manuel Schmaderer, Leiter des Rettungsdienstes. Um den Menschen in Notfällen wirkungsvoll helfen zu können, setze nicht nur „der DRK-Kreisverband im Einsatz bei den Rettungsdiensten“ auf Qualität, das gelte auch für Helfer, die wissen, was zu tun ist, bis der Rettungswagen eintrifft. Deshalb werden Ehrenamtliche in Helfer-vor-Ort-Systemen gefördert. „Ein sinnvolles unterstützendes System“, sagt auch Kai Sprung, Leiter der Breitenausbildung im Kreisverband.

Wer im Landkreis als „Helfer vor Ort“ im Einsatz ist, hat eine Sanitätsausbildung absolviert und bringt Erfahrung im Rettungsdienst mit. Natürlich werden auch Mitglieder der Feuerwehr qualifiziert, sagt Kai Sprung: „Hauptsache, es wird geholfen.“

Hans Heinz, Landesgeschäftsführer des DRK, lobte im Gespräch mit dem HT die derzeit 3000 „Helfer vor Ort“ im Landesverband; die Tendenz sei steigend, immer neue Gruppen entstünden. „Das sind engagierte Leute; das Ganze ist ein Markenzeichen des Roten Kreuzes, das wir ausbauen wollen. Das ist unser Spielfeld.“ Er habe sehr dafür gekämpft, so Heinz, dass die Helfer vor Ort ins Rettungsdienstgesetz aufgenommen werden. Das Ganze war zunächst ein Angebot des Roten Kreuzes, dem die Rechtsgrundlage fehlte – „da wurde in der Grauzone geholfen“. Derzeit wird an einer neuen Rechtsverordnung gearbeitet, die die Rechtssicherheit für die vielen aktiven Helfer-vor-Ort  verbessern soll. Für Heinz ist ein „Bestandsschutz“ wichtig; es gehe nicht an, die Ehrenamtlichen zu frustrieren, indem ihnen zusätzliche Schulungsstunden aufgebürdet würden, oder technische Ausstattung wie Defibrillatoren zu fordern, mit der einzelne Gruppen finanziell überfordert seien. bt

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