Größe ist nicht alles

Die deutschen Premium-Autohersteller verfolgen zumindest in der Haller Region unterschiedliche Handelskonzepte: BMW- und Mercedes-Autohäuser schließen sich zu Ketten zusammen. Audi bleibt solo.

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Neuwagen auf einem Parkplatz. Von dort werden die Autos zu den Händlern transportiert. Foto: dpa

BMW-Mulfinger betreibt in der Region zehn Autohäuser, darunter in Hall und Crailsheim. Hauptsitz ist in Backnang. Mercedes-Widmann umfasst 16 Niederlassungen. Von der Zentrale in Aalen werden die Häuser in Hall und Crailsheim ebenso geleitet wie Standorte in Bayern und Thüringen. Audi, als starker Herausforderer, ist in Hall durch ein selbstständiges Autohaus vertreten: Schümann.

Dieser Tage ist bekannt geworden, dass sich das Händlernetz weiter verdichtet: BMW-Mulfinger, gegründet 1954 in Sulzbach/Murr, übernimmt das Autohaus Plöchl in Bopfingen. Ein kleines Autohaus habe keine Überlebenschance mehr, so die Erklärung für diese Übernahme. Warum nicht? Ulrich Mulfinger, Chef der BMW-Autohaus-Kette, nennt ein Beispiel: "Es gibt sehr viele Modellvarianten. Ein potenzieller Kunde, der sich für ein bestimmtes Auto interessiert, möchte genau dieses Probe fahren. Kleine Händler können unmöglich alle Fahrzeuge vorhalten." Darüber hinaus setzt der Automobilhersteller Standards für die Niederlassungen: Das fängt bei der Beleuchtung der Ausstellungsflächen an und hört bei der Gestaltung der Räume noch lange nicht auf. Bernd Widmann, Geschäftsführer von Autohaus Widmann (Mercedes), bestätigt diese Entwicklung: "Insbesondere im technischen Bereich existiert ein Zwang zur Spezialisierung der Mitarbeiter, diese können nur ab einer entsprechenden Betriebsgröße ausgelastet werden. Um hohe Investitionen tätigen zu können, ist sicher eine gewisse Größe die Grundvoraussetzung."

Bringt das Wachstum auch Nachteile? Ulrich Mulfinger, seit Jahrzehnten im Geschäft, bedauert, dass er nicht mehr zu allen Mitarbeitern und Kunden den direkten Kontakt hat. "Früher wusste ich noch, wenn von einem Mitarbeiter die Oma krank war." Größte Mulfinger-Niederlassung ist die in Schwäbisch Gmünd. Das Autohaus in Hall steht dagegen auf einer Linie mit den Niederlassungen in Backnang und Schorndorf. In Hall werden jährlich jeweils rund 500 Neu- und Gebrauchtfahrzeuge verkauft. Als kritische Größe für ein alleinstehendes Autohaus vermutet Mulfinger die Zahl von 300 verkauften Fahrzeugen. Große Autohaus-Ketten können Vorteile haben, bei Audi sei aber nicht an Zusammenschlüsse gedacht, sagt Marc Schümann, Mit-Geschäftsführer von Audi-Schümann in Schwäbisch Hall. 2012 verkaufte Audi in Hall 372 Neuwagen. Weniger Einzelkunden, mehr Großkunden - so die Tendenz. Beim Autokonzern aus Ingolstadt spiele die Stückzahl jedoch eine untergeordnete Rolle. Eine höhere Bedeutung bei der Bewertung spiele die Kundenzufriedenheit.

Ähnlich argumentiert Bernd Widmann: "Für die Überlebensfähigkeit eines Autohauses ist nicht nur die Größe maßgeblich. Auch die Marke, die Struktur des Hauses und das Umfeld ist von Bedeutung. Ich bin der Meinung, dass zukünftig auch kleinere inhabergeführte Autohäuser überleben können."

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