Ganz simpel per Daumen mitfahren

Rote Mitfahrerbänke an Ortsausgängen sollen Autofahrer animieren, Menschen ohne eigenes Fahrzeug mitzunehmen und eine Alternative zum Busverkehr zu bieten.

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  • Bleiben sie hocken oder nimmt sie womöglich doch jemand mit? Rudolf Michl (rechts) und Jörg Schmidt an der nagelneuen roten Mitfahrerbank beim Eberl in der Gaildorfer Straße.  1/2
    Bleiben sie hocken oder nimmt sie womöglich doch jemand mit? Rudolf Michl (rechts) und Jörg Schmidt an der nagelneuen roten Mitfahrerbank beim Eberl in der Gaildorfer Straße. Foto: 
  • Das Hinweisschild neben der roten Bank in der Ellwanger Straße. 2/2
    Das Hinweisschild neben der roten Bank in der Ellwanger Straße. Foto: 
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Sie sind ausgesprochen selten geworden, jene oft jungen Leute, die an irgendeiner Ausfallstraße stehen und den Daumen in die Höhe recken. Gern halten sie dazu auch noch ein selbst gemaltes Schild mit dem Wunschziel in die Höhe. Jetzt feiert das Trampen gewissermaßen Auferstehung, und das sogar mit quasi-amtlichem Anstrich. In Crailsheim in der Gaildorfer und der Ellwanger Straße sowie an den Ortsausgängen von Gründelhardt, Oberspeltach und Honhardt stehen seit Neuestem rote Sitzbänke und – gleich nebendran – jeweils ein Hinweisschild mit beweglichen Ortsangaben.

Gemeinsames Projekt

Am Dienstag haben Rudolf Michl und Jörg Schmidt an der Bushaltestelle beim Eberl-Markt den inoffiziellen Startschuss zur Aktion „Mitfahrerbänke“ gegeben – ein gemeinsames Projekt, das zuvor sogar die Gemeinderäte der beiden Kommunen gut geheißen hatten. Die erwünschten spontanen Fahrgemeinschaften sollen über das Angebot des öffentlichen Personen-Nahverkehrs hinaus dafür sorgen, dass sich Personen, die kein Auto oder keinen Führerschein haben, vor allem im ländlichen Raum gut fortbewegen können.

Start und Zielort ist jeweils an den roten Bänken, die Mitarbeiter des Baubetriebshofs gut sichtbar an Bushalten aufgestellt haben. Aufgegriffen wurde damit eine Idee, die in mehreren ländlichen Kommunen im Norden der Republik als gutes Beispiel dient. Der in Honhardt wohnende Manfred Hotter, bekannt von zahlreichen Kunst-Aktionen, hat die Idee nicht nur nach Hohenlohe transportiert, sondern zusammen mit Bauhof-Chef Johannes Köder aus Honhardt gleich auch für die Umsetzung gesorgt. Ehrenamtlich, versteht sich. Es handelt sich also im besten Sinne um eine Privatinitiative, die von den Kommunen gern unterstützt wurde.

Die Benutzung ist einfach: Wer mitgenommen werden will, gibt auf den eigens produzierten Klappschildern (die jederzeit um zusätzliche Orte erweitert werden können) sein Ziel an. Der Fahrer mit dem gleichen Ziel kann dann spontan entscheiden, ob er den Wartenden einsteigen lässt oder nicht.

„Wir sind ja nicht die Ersten, die diese Idee umsetzen“, ließ Crailsheims Oberbürgermeister Michl am Dienstag hören. „Das Ganze ist ein kleines Puzzleteil im Verkehr zwischen kleinen Gemeinden. Wir halten das Modell aber für eine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV“, sagt er

Während früher also der Daumen herhalten musste für eine Mitfahrt im Fahrzeug mit unbekanntem Fahrer, ist heute zumindest das Ansinnen eindeutig gekennzeichnet: rote Bank und Ziel­ort eben. Die Verantwortung indes liegt bei den Beteiligten, also Fahrer und Passagier. „Man könnte hier auch vom ,qualifizierten Daumen’ sprechen“, meint Rudolf Michl schmunzelnd.

Vorstellbar ist durchaus eine Erweiterung des Bank-Systems in andere Strecken. „Fichtenau, Kreßberg, Stimpfach, eventuell auch Rot am See und Blaufelden sind ebenfalls denkbar“, meint Jörg Schmidt, Bürgermeister von Frankenhardt. Er wie auch Kollege Michl hoffen auf Rückmeldungen via Internetseiten der Kommunen, wie das Angebot ankommt. Zumindest heftig publik gemacht wird die Verkehrsalter-
native, denn für die Premiere am Dienstag interessierten sich neben dem HT auch der SWR und der Regionalsender LTV. Na denn: Nichts wie Daumen hoch!

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