Der Zug, der jetzt Crailsheim heißt

150 Jahre nach der ersten Eisenbahn wird in Crailsheim ein hochmoderner Zug in Landesfarben auf den Namen Crailsheim getauft. Vergangenheit und Zukunft treffen aufeinander.

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Da steht er nun auf Gleis 2 des Crailsheimer Bahnhofes, der Zug vom Typ „Talent 2“, und kann nicht anders. Gleich davor parkt die Güterzug­lokomotive 44.1378, Kopf an Kopf – ein imposantes Bild selbst für diejenigen, die es nicht so mit Eisenbahnen haben.

Hinter der altehrwürdigen Lokomotive hängt ein Reisezugwagen auf den 50er Jahren. In dem servieren der Förderverein Bahnbetriebswerk Crailsheim und der Verein DBK Historische Bahn Kaffee und Kuchen. Im Talent 2 gibt es Sekt und Häppchen. Vergangenheit und Zukunft treffen aufeinander.

Die Stadt Crailsheim feiert in diesem Jahr 150 Jahre Eisenbahn. Und zur Feier des Tages wurde der Talent auf den Namen Crailsheim getauft – ganz großer Bahnhof. Mit dem Fahrplanwechsel vom 10. Dezember an fährt er zwischen Crailsheim, Stuttgart und Konstanz/Freudenstadt. Crailsheims scheidender Oberbürgermeister Rudolf Michl sieht „ein neues Kapitel des Schienennahverkehrs“ gekommen.

Michl erinnerte aber auch an das im Krieg zerstörte imposante Bahnhofsgebäude. Unter den Menschen, die am Samstag dicht gedrängt am Bahnsteig standen, waren welche, die es nicht nur von alten Fotos kennen. Das Provisorium von 1949 steht noch immer, darüber täuscht der Glanz der neuen Züge nur bedingt hinweg.

Der Talent 2 ist zwar barrierefrei, der Bahnhof aber ist es nicht. „Hier sind wir auf Unterstützung angewiesen“, betont Michl. Die Stadt jedenfalls werde einen Beitrag zur Entwicklung leisten. Der Bahnhof sei ein Eingangstor Crailsheims, findet Michl. „Für den Besucher darf nicht der Eindruck entstehen, er steige in einem Elendsviertel aus.“ Für diesen Satz gab es Sonderapplaus.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann drehte in seiner Rede die Zeit auch noch einmal zurück. Vor 150 Jahren sei das ganze Land ein Agrarland gewesen. Und man habe gedacht, dass Zugfahren krank mache, weil es so schnell ist, so Hermann. Und heute? „Heute hat man keine Angst mehr“, sagt er, „höchstens Angst, dass die Bahn zu spät kommt.“ Aber die Bahn sei definitiv pünktlicher als das Auto.

Eine neue Mobilität

„Die Schiene ist die bessere Straße“, so sagt es Sven Hantel, der Konzernbevollmächtigte der DB für Baden-Württemberg. Natürlich ginge es auch darum, „mehr Kunden für die Schiene zu begeistern“. Für den Grünen-Politiker Hermann wäre das „ein weiterer Schritt in Richtung einer neuen Mobilität in Baden-Württemberg“. Hantel weiß aber auch: „Wir müssen und wollen noch besser werden.“ Moderne Bahnhöfe seien wichtig, und dazu gehöre die Barrierefreiheit.

Für Michael Fohrer, den Deutschland-Chef vom Zughersteller Bombardier, schließt sich ein Kreis. „Für mich als Ur-Crailsheimer ist es eine besondere Ehre, dass ein Zug auf den Namen meiner Heimatstadt getauft wird“, sagt er. Mehr als 400 Talent-Züge „Made in Germany“ rollen durch Deutschland. Fohrer verspricht „ein modernes Reiseerlebnis“, im Vergleich zu den alten Zügen sei es „ein Quantensprung“. Er weiß, wovon er spricht. Viele seiner Reisen nahmen in Crailsheim ihren Anfang.

Die Züge sind 73 Meter lang und haben 215 Sitzplätze, bei Bedarf lässt sich das Angebot sogar noch erweitern. Die Sitzabstände sind großzügiger. Viel Platz gibt es für Gepäck, aber auch für Fahrräder, Kinderwagen, Rollstühle. Barrierefreiheit ist selbstverständlich. Der „Talent 2“ ist voll klimatisiert, verfügt über ein akustisches Leitsystem, Steckdosen, Klapptische, Mobilfunkverstärker und kostenloses WLAN. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern verkürzt sich die Fahrtzeit von Crailsheim nach Stuttgart um 15 Minuten. js

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