Frieden inmitten der Gewalt: Jordanischer Pfarrer leitet Blindenschule

Boko Haram und Tarok-Stamm in Nigeria, der IS im Irak: Religiöse Fanatiker attackieren andere Menschen. In Jordanien leben Christen und Moslems miteinander: auch in einer anglikanischen Blindenschule.

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  • Der jordanische Pfarrer Samir Esaid (Mitte) war auf seiner Vortragsreise mit Diakon i. R. Gunter Hell (links) zu Besuch beim Crailsheimer Dekan Winfried Dalferth (rechts). 1/2
    Der jordanische Pfarrer Samir Esaid (Mitte) war auf seiner Vortragsreise mit Diakon i. R. Gunter Hell (links) zu Besuch beim Crailsheimer Dekan Winfried Dalferth (rechts). Foto: 
  • Der jordanische König Abdullah II: In seinem Land leben Muslime und Christen miteinander. Archivfoto: Jamal Nasrallah/EPA 2/2
    Der jordanische König Abdullah II: In seinem Land leben Muslime und Christen miteinander. Archivfoto: Jamal Nasrallah/EPA
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Nachrichten über Krieg und religiös motivierten Terror schaffen erschreckende Bilder von Religiosität und Religion. Zum Beispiel in einem islamfeindlichen Kommentar in der Bild am Sonntag. Da pauschalisiert Nicolaus Fest, stellvertretender Chefredakteur, den Islam und verurteilt ihn als "Integrationshindernis".

Dass Islam und Christentum durchaus gut zurechtkommen, zeigt sich nicht nur täglich vor unserer eigenen Haustür. Auch mitten im von Krieg und Terror zerrütteten Nahen Osten liegt das Königreich Jordanien. Dort leben Christen und Muslime miteinander. "Der König ist tolerant", sagt Samir Esaid. Der anglikanische Pfarrer hat eine Blindenschule in Irbid aufgebaut, der inzwischen vermutlich zweitgrößten Stadt Jordaniens. Zusammen mit Diakon Gunther Hell hat er in der letzten Zeit Vorträge über die Schule gehalten und Spenden gesammelt. "Wir haben in 14 verschiedenen Häusern in ganz Deutschland übernachtet", sagt Hell. Eines davon ist das Crailsheimer Dekanatsamt, wo die beiden gegen Ende ihrer Reise haltgemacht haben. Dekan Winfried Dalferth und Esaid kennen sich seit dem gemeinsamen Studium in Reutlingen.

Bevor der anglikanische Pfarrer die Blindenschule in Irbid gegründet hat, gab es eine einzige Bildungsmöglichkeit für Sehbehinderte in Jordaniens Hauptstadt Amman. Das wollte Esaid ändern. Denn sehbehinderte Kinder seien von den Familien aus Scham versteckt worden, bis sie ins Schulalter kamen. Und sie hätten erst im Grundschulalter Kontakt mit der Öffentlichkeit gehabt. Wenn sie mit sechs Jahren in die Schule kommen, hätten sie zu früh zu wenig Kontakt mit ihrer Familie - schließlich ist Amman 100 Kilometer entfernt.

2003 wurde dann ein Kindergarten gegründet. Im ersten Jahrgang waren es 23 Kinder, sieben davon blind oder sehbehindert. Die Leiter des Kindergartens mussten erst das Sozialamt befragen, wo Kinder mit Sehbehinderung wohnen - auf den Straßen Irbids waren sie nicht zu treffen. Als der erste Jahrgang alt genug war, wurde eine Schule eingerichtet. Nächstes Jahr wird diese erste Schulklasse abschließen.

Zwei Drittel der Schüler sind Christen, ein Drittel Muslime. "Wenn Muslime und Christen zusammenleben und aufwachsen, dann haben sie keine Vorurteile", sagt Esaid. Das sei in ganz Jordanien so. Weil das Zusammenleben fehle, bekämpfen sich die fanatischen Kräfte in anderen Ländern, davon ist Esaid überzeugt - wie im benachbarten Syrien. Irbid ist eine der ersten Anlaufstellen für Flüchtlinge. Esaid nennt sie "Gäste", denn lange Zeit habe die Grenze zwischen den beiden Ländern eigentlich nicht bestanden.

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind nach UN-Angaben 600.000 Menschen allein nach Jordanien geflohen. "Sie werden von der Grenze direkt in Flüchtlingscamps gebracht und müssen dort bleiben", sagt Esaid. "Manchmal fliehen sie auch weiter." Ein blinder Syrer hat es nach Irbid geschafft. Er ist auch in der Blindenschule aufgenommen worden, obwohl er zwei Jahre älter ist als der älteste Jahrgang. Jeden Samstag wird er unterrichtet.Wie alle sehbehinderten Schüler und Lehrer an der christlichen Schule ist er ein Moslem.

Die Familien der sehbehinderten Kinder müssen kein Ausbildungsgeld zahlen. Ihre Ausbildung wird durch das Schulgeld der anderen Kinder, durch Patenschaften und durch Spenden finanziert. Eine Jazzband aus dem thüringischen Eisenach hat in Jordanien schon zweimal für die Schule Benefizkonzert-Tournees veranstaltet. Und Samir Esaid und Gunther Hell halten mehrmals jährlich Vorträge in Deutschland. Das nächste große Projekt ist eine Ausbildungsstätte, damit die sehbehinderten Schüler einen Beruf erlernen können.

Info Spendenmöglichkeiten auf der Webseite www.aeschool.org.

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