Flüchtlinge: Psychologe bei der Synode

Einen Blick hinter die Kulissen der Landeserstaufnahmestelle Ellwangen (LEA) erhielten kürzlich die Mitglieder der Crailsheimer Bezirkssynode von Reinhard Sellmann, der dort als Psychologe arbeitet.

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Reinhard Sellmann arbeitet in seinem Ruhestand als Psychologe in der LEA in Ellwangen.  Foto: 

"Ich habe harte Wochen hinter mir", sagt der Psychologe Reinhard Sellmann: "So hart wie kaum in meinem Berufsleben. Doch ich will nicht jammern." Sellmann ist im Ruhestand, hatte zuvor die Landesstelle der kirchlichen psychologischen Beratungsstellen geleitet und kümmert sich seit fünf Wochen halbtags um Flüchtlinge in Ellwangen.

Die Menschen dort haben ihn verändert, sagt der Psychologe. "Wenn ich heute Bilder aus Aleppo oder von Füchtlingsbooten sehe, dann kann ich das kaum aushalten." Die Flüchtlinge der LEA werden als "Gäste" bezeichnet. "Es sind zu 60 Prozent Familien, der Rest sind allein reisende Männer", berichtet Sellmann. Derzeit leben dort 1300 Menschen: "Aber es waren auch schon fast 5000."

Die Landeserstaufnahmestellen sind jeweils für bestimmte Ländergruppen zuständig. In Ellwangen sind vorwiegend Flüchtlinge aus dem Balkan, aus Algerien und vor allem aus Syrien untergebracht. Sie sind maximal sechs Wochen dort und werden dann in verschiedene Landkreise weiterverteilt.

Die zuständigen Regierungspräsidien haben die Arbeit vor Ort an eine private Firma delegiert. Sie heißt "European Home Care GmbH". Die Polizei und die Bundeswehr seien ebenfalls vertreten, außerdem die Wohlfahrtsverbände und etwa 200 Ehrenamtliche, die das Babyzimmer betreuen, mit Kindern spielen oder auf anderen Feldern helfen, berichtet Sellmann.

Während dieser sechs Wochen in der LEA werden die ankommenden Flüchtlinge registriert, medizinisch untersucht und die ersten Schritte ihres Asylverfahrens eingeleitet. Wenn sie psychische Probleme haben, wird ihnen der Besuch beim Psychologen empfohlen. "Sie kommen zu mir mit Schlafstörungen, Albträumen, Erstickungsängsten, Traurigkeit, Persönlichkeitsabspaltungen, rückwirkendem Gedächtnisverlust und Traumata", sagt Reinhard Sellmann.

Da war zum Beispiel ein junger Mann aus Syrien, der zur Armee hätte gehen müssen. Er stand vor der Entscheidung: Assad oder die Rebellen - was aber in jedem Fall bedeutet hätte, dass er gegen Landsleute würde schießen müssen. Da sei er über die Türkei geflohen, berichtet Sellmann, habe einige Monate in Bulgarien gejobbt, um sich den letzten Rest der Reise zu finanzieren. "Er ist zu mir mit schweren Albträumen gekommen, nächtlichen Panikattacken und Dissoziationen." Und das in einem Zimmer mit zehn anderen Bewohnern. Tagsüber helfe er in der LEA als sogenannter "Gemeinnütziger", abends mache er lange Spaziergänge, "um wenigstens einschlafen zu können".

Dieser junge Mann spreche gut Englisch, möchte studieren und vor allem in Sicherheit leben, sagt Sellmann, der noch von einer jungen Frau berichtet, die sich schwanger aus dem bombenzerstörten Aleppo aufgemacht habe. Sie habe auf der Flucht das Kind auf einem Boot verloren, habe weitere Kinder aus erster Ehe in Syrien zurückgelassen, komme mit der Situation nicht klar, habe Suizidgedanken und schwere Schuldgefühle. "Auch sie will in Sicherheit leben - das ist der Wunsch von allen, mit denen ich spreche."

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