Finanzamt bleibt in Crailsheim

Die Entwarnung vorweg: Auch in Zukunft kann der Steuerzahler seine Steuererklärung in Crailsheim abgeben. Dennoch hat sich einiges am Finanzamtsstandort verändert. Auch nicht neu: Das Gebäude ist marode.

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Auch an der steinernen Lady vor dem Eingang zum früheren Landratsamt und jetzigen Finanzamt Crailsheim nagt der Zahn der Zeit. Foto: Mathias Bartels

Die lapidare Pressemitteilung "Umorganisation beim Finanzamt" hat im September etliche Unkenrufer auf den Plan gerufen. Sie sahen den Bestand des Crailsheimer Ablegers der Landesbehörde mit Kreiszentrale in Schwäbisch Hall gefährdet. Amtsleiterin Ruth Kierspel kann die Menschen, die das Gras wachsen hörten, beruhigen: "Das Finanzamt in Crailsheim wird als Standort erhalten bleiben." Punkt.

Ob allerdings in den jetzigen Räumen in der Schillerstraße 1, ist fraglich, denn: "Jeder, der uns besucht, erkennt leicht, dass hier ein erhöhter Sanierungsbedarf besteht." Ruth Kierspel ergänzt: "Wir sind bemüht, Lösungen herbeizuführen." Wobei die Chefin der Haller Finanzbehörde keinen Zweifel daran lässt, dass sie die Crailsheimer Amts-Liegenschaften gern zusammenführen würde, am liebsten im Schloss. Schließlich arbeiten etliche Finanzexperten noch am zweiten Standort im früheren Forstamt in der Spitalstraße 14.

Bei der Umorganisation, die zum 1. Oktober gegriffen hat, wurden Aufgaben verlagert und einerseits am Hauptamt in Hall, andererseits in der Crailsheimer Dependance zentralisiert. Schwäbisch Hall beherbergt seitdem die Veranlagungsbezirke für Körperschaften (samt Vereinen) und für Personengesellschaften sowie die Vollstreckungsstelle. Die Außenstelle Crailsheim bearbeitet künftig alle Steuerfälle mit land- und forstwirtschaftlichen Einkünften und erhält zusätzlich den Einkommensteuer-Bezirk mit den Buchstaben von SIMO bis ZZ. "In der Summe", so Finanzamtsleiterin Kierspel, "sind heute in Crailsheim drei bis vier Stellen mehr angesiedelt."

Geändert hat sich indes der Posteingang, denn die Crailsheimer Poststelle ist entfallen. Die zentrale Postadresse lautet künftig Finanzamt Schwäbisch Hall, Bahnhofstraße 25, 74523 Schwäbisch Hall - oder: Postfach 10 02 60. Ergo: Die organisatorischen Änderungen sind abgeschlossen, das Tagesgeschäft geht weiter. Allerdings unter einem Crailsheimer Behördenleiter, der jetzt nicht mehr dem höheren, sondern dem gehobenen Dienst zugeordnet ist.

Bleibt die Frage, was aus dem maroden Ex-Landratsamt Crailsheim wird, in dem neben dem Finanzamt bekanntlich auch das Amtsgericht untergebracht ist. Auch bei Justizia sieht es nicht besser aus. Es blättert nicht nur der Putz. Heizung, sanitäre Anlagen und Fenster harren einer Generalsanierung. Und brandschutztechnisch steht es um das Gericht ohnehin mau. "Das Haus ist stark sanierungsbedürftig", hält sich Amtsgerichtsdirektor Anton Schiele mit seiner Meinung noch vornehm zurück.

Einen weiteren Aspekt führt er an, wenn er sagt, dass einem Gerichtsgebäude als Ausdruck einer der drei Säulen der Demokratie schon eine gewisse Repräsentativität zukommen sollte. Schiele: "Die Würde des Hauses wird sonst schnell infrage gestellt." Kommt hinzu, dass die räumlichen Verhältnisse der Juristen schon jetzt extrem beengt sind.

Das dürfte sich noch verschärfen, wenn mit der Auflösung der Notariate spätestens 2018 die bislang von Notaren wahrgenommenen Aufgaben des Nachlass- und des Betreuungsgerichts den Amtsgerichten zugeschlagen werden. "Spätestens dann wissen wir nicht mehr, wohin mit unseren Akten", erklärt Schiele. Seine Vorstellung geht in die Richtung, alle in Crailsheim ansässigen öffentlichen Justizstellen an einem Ort zu konzentrieren - auch das Arbeitsgericht etwa, das bislang in der Friedrichstraße 16 beheimatet ist.

Auch Anton Schiele schwebt eine Lösung im Crailsheimer Schloss vor. Nach dem kompletten Auszug der dort provisorisch untergebrachten städtischen Behörden ist das Haus nur noch vom Flurneuordnungsamt belegt und steht in weiten Teilen leer, selbst wenn dies das Landes-Finanzministerium in einem Brief an die Stadt Crailsheim anders darstellt. "Eine konzentrierte Unterbringung des Finanzamts und des Amtsgerichts im ,Schloss ist nicht umsetzbar, da die Flächen hierfür nicht ausreichen", gab Oberbürgermeister Rudolf Michl im April 2012 bekannt und zitierte dabei eine Regierungsantwort auf eine entsprechende Anfrage der Stadt. Minister Nils Schmid habe indes eine erneute Prüfung zugesichert, sobald sich die jetzige Situation ändere. Das Interesse der Stadt am Schloss sei "vorgemerkt" worden, hieß es weiter. Ein Kauf sei allerdings derzeit nicht möglich. Auch das Schloss, so viel steht fest, müsste grundlegend saniert werden.

Den Stadtplanern um Baubürgermeister Herbert Holl dagegen passte eine Ämterverlagerung ins Schloss oder an einen anderen Standort ohne Zweifel ins Konzept. "Das Areal am früheren Landratsamt am Eingang zur Innenstadt ist doch ein städtisches Filetstück", sagte Holl. "Dazu gäbe es schon jede Menge Ideen. . ."

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