Fachkräfte werden dringend gesucht

Der Beruf des Erziehers hat im Laufe der Jahre unter Vorurteilen gelitten. Dem soll nun ein Ende gesetzt werden.

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Auf eine Stellenausschreibung in einer Kindertagesstätte trudelt nach Wochen genau eine Bewerbung ein, Kindergärten werben sich gegenseitig ihr Personal ab. In der vorschulischen Erziehung, der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Heimerziehung – der Mangel an Erziehern ist an allen Ecken und Enden spürbar. Zehntausende Erzieher fehlen derzeit in Deutschland. Einer der Hauptgründe ist der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren, den es seit 2013 gibt.

Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen deshalb Regierung und öffentliche Träger, junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen. In den vergangenen Jahren wurde das spärliche Gehalt der Erzieher Schritt für Schritt aufgestockt. Allerdings gibt es hier noch viel Raum nach oben. Der Quereinstieg in den Beruf wurde zudem erleichtert.

Mit verschiedenen Kampagnen wird versucht, das ramponierte Image des Berufs – Schlechtverdiener, Vielleister, keine Aufstiegschancen – etwas zu verbessern. Klar ist: Die Arbeit von Erziehern ist eine Grundsäule dieser Gesellschaft und sollte daher auch entsprechend honoriert und wertgeschätzt werden. Ein Beispiel dazu: Erzieher in Krippen und Kindergärten. Wer sich mit deren Aufgaben auseinandersetzt – und spätestens, wenn man ein Kind hat, tut man dies – merkt, wie unglaublich anspruchsvoll diese Arbeit ist. Von wegen Kinder „nur“ bespaßen. Neben der eigentlichen Betreuung, der Zubereitung von Speisen, Körperpflege, der Anleitung zu freiem oder gelenktem Spiel und Ähnlichem, ist ein wichtiger Baustein die genaue Beobachtung der Schützlinge. Wie ist es um das Sozialverhalten, die Motivation, den Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes bestellt? Erzieher erstellen auf Basis dieser Beobachtungen individuelle Entwicklungspläne und fördern gezielt Talente und Fähigkeiten. Dazu braucht es jede Menge Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein, natürlich fundierte pädagogische und psychologische Kenntnisse, eine gute Kommunikations- und Konfliktfähigkeit – auch und gerade im Umgang mit den Eltern.

Erzieher sind aber keineswegs nur in Krippen und Kindergärten tätig. Viele Erzieher arbeiten zum Beispiel in Jugendwohnheimen, in Familien- oder Suchtberatungsstellen, in Tagesstätten für Menschen mit Behinderung oder ähnlichen Einrichtungen. Das Berufsbild ist unglaublich vielfältig und alles andere als langweilig. Und allen Schattenseiten zum Trotz schwärmen Erzieher oft von ihrer Arbeit – die meisten erleben ihre Arbeit als erfüllend und sinnvoll.

Die Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung zum Erzieher an Fachschulen, Fachakademien, Berufsfachschu- len und Berufskollegs dauert zwischen drei und sechs Jahren. In der Regel wird ein mittlerer Schulabschluss vorausgesetzt. Baden-Württemberg hat die klassische Erzieherausbildung mit der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) ergänzt. Das Modell richtet sich vor allem an Menschen, die bereits eine andere Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben. Mehr Infos im Internet unter www.chance-quereinstieg.de.

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