Ein Mann der Ordnung denkt

Vom französischen Maler und Autor Francis Picabia stammt das Zitat "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann". Kategorien, die sicher auch Dr. Winfried Dalferth für sich geltend machen dürfte.

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Die drei Protagonisten der Lesung in der Liebfrauenkapelle (von links): Ulrich Wildermuth, Siegfried Baier und Dr. Winfried Dalferth.  Foto: 

Eine Auswahl von Predigten, Andachten und Besinnungen aus seinem Theologenleben hat der Crailsheimer Dekan am Donnerstag in der Liebfrauenkapelle einem kleinen, aufmerksamen Publikum vorgestellt. Basis seiner anregenden Lesung war sein jüngst im Baier-Verlag veröffentlichtes "Geistliches Lesebuch" mit dem vielsagenden Titel "Von Wegen". Umrahmt wurde der Abend von Bachscher Musik mit dem Cello-Orgel-Duo Hanns-Hermann Lohrer und Albert Raddatz.

In seiner Einführung betonte Dalferths Kollege Ulrich Wildermuth aus Altenmünster die "wertvolle Lebensnähe dieses Buchs der Weisheit", das Bezüge herstelle von Bertolt Brecht bis Lao-tse. Als einen "Freund der Ordnung" hatte Wildermuth den evangelischen Pfarrer aus der Nachbarschaft ausgemacht. Die Art der Beiträge: "Alle knackig, auf den Punkt, persönlich und mit Aha-Effekt ausgestattet", so Wildermuth.

Winfried Dalferths Gedankenwelt ist zielführend, wenn auch stets verschiedene Wege möglich sind. Der Theologe besitzt genaue Beobachtungsgabe und ist als Mann mit Kanzelerfahrung sprachmächtig genug, "seine Welt" letztlich doch immer dort zu verorten, wohin sie seiner Meinung gehört: bei Gott. Gleich, ob er nun Dürers "großes Rasenstück" auf seine eigenen Koordinaten überträgt oder sich über das Zu-Hören auslässt (das er übrigens als aktive Arbeit begreift), ob er sich im Stress "aufamselt" (im Sinne des unermüdlichen Dauereinsatzes dieser Vogelart für den Nachwuchs) oder den Sinnfragen des Lebens nachspürt: Stets ist Dalferth ein Mann moderner Gleichnisse wie auch geradliniger Perspektiven und, wenn man so will, ein Ratgeber in vielen Lagen.

Dank? Nein, Dank erwartet er nicht für seine Art der Besinnung, die dem einen oder anderen zur Lebenshilfe gereichen könnte. "Dank erwarten ist eine heftige Untugend, die unfrei macht", sinniert der Autor in seinem knapp 150-seitigen Büchlein - das er im Beisein seines Verlegers im Anschluss an die Lesung in der Kapelle dennoch gern signiert.

Geschrieben hat er die Texte während seiner langen Theologen-Laufbahn. Er brauchte sie lediglich einzusammeln. Das Gute: Die Grundtendenz bleibt stets beruhigend gleich.

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