Ein Kassenschlager

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Die Blues Brothers lassen auch in der Dinkelsbühler Inszenierung die Puppen tanzen - den Zuschauern gefällts. Foto: Ralf Snurawa

In eiskalter Coolness klappen Benjamin Beckmann und Thorsten Engels in ihren schwarzen Anzügen mit weißen Hemden, schwarzen Krawatten und schwarzen Hüten ihre schwarzen Klappstühle mit Sheriff-Stern auf. Denn sie sind die "Blues Brothers" von Dinkelsbühl.

Intendant und Regisseur Peter Cahn dürfte mit seiner Inszenierung ein richtiger Kassenschlager gelungen sein. Schon zur Premiere hieß es: ausverkauft. Und das wird sich wahrscheinlich bis zum Ende der Sommertheatersaison noch oft wiederholen.

Dabei ist es nicht gerade einfach, gegenüber dem Kinofilm zu bestehen. Viele der Theaterbesucher, die dieses Stück sehen wollen, vergleichen es natürlich mit dem legendären Streifen aus dem Jahr 1980. Nur wird man vergeblich nach all den RhythmnBlues-, Jazz-, Funk-, Rock- und Soul-Größen suchen: kein Cab Calloway, kein Ray Charles, kein James Brown, kein John Lee Hooker, keine Aretha Franklin, die als Einzige der genannten Musiker noch lebt.

Aber die Inszenierung in Dinkelsbühl kann musikalisch durchaus bestehen. Nicht nur die beiden Darsteller von Elwood und Jake Blues: Auch Franziska Seelig weiß in der Szene im "Soul Food Café" als Aretha Franklin ein souliges "Think (Freedom)" zu schmettern und die Beine des Publikums in leicht groovige Bewegungen zu bringen.

Andreas Peteratzinger sang unbeirrt und mit Leidenschaft trotz Mikrofonausfalls "Minnie the Moocher" als Cab Calloway im Hotel Palace Ballroom, John Lee Hooker in der Straßenszene, Ray Charles als Musikladenbesitzer mit einem "Twisted" voller Drive oder einen in Gospel-Trance schwelgenden James Brown als Reverend Cleophus James. Überhaupt schlüpfte er in so viele verschiedene Rollen bis zum Geräusche-Macher, wohl als Reverenz an den Film, dass er eigentlich die heimliche dritte Hauptrolle übernommen hatte.

Benjamin Beckmann und Thorsten Engels mussten zu Beginn des Stücks noch ein wenig in ihre Rollen finden - wobei hier das Stück selbst kleine Längen hat. Denn die Schnitte im Film lassen sich auf der Theaterbühne kaum kaschieren. Beide Blues-Brothers-Darsteller blieben anfangs etwas zurückhaltend.

Doch schon mit der ersten Verfolgungsjagd - die Polizei auf weißen Klappstühlen und mit ferngesteuertem Spielzeugfahrzeug - kam das erste Gefühl von Absurdität und Übertreibung auf, das auch dem Film zu eigen ist. Die große Verfolgungsszene am Ende des Film mit all den wundervoll zerstörten Polizeifahrzeugen wurde dann durch wilde Verfolgungsaktionen zu Fuß kompensiert.

Mehr und mehr nahm den beiden Hauptdarstellern ihre Mission "im Auftrag des Herrn unterwegs", um Schwester Mary Stigmata die 5000 Dollar für ihr Waisenhaus zu besorgen. Restlos überzeugend waren dabei - wenn auch durch zusätzliche Nummern angereichert - die Musikdarbietungen: "Everybody Needs Somebody" , "Sweet Home Chicago" oder "Rawhide". Das gut unterhaltene Publikum summte oder sang mit und ließ sich in das Stück als Ballroom-Publikum mit "Hidey Hidey Ho"-Wiederholungen einspannen oder gar zum Mittanzen bei den hervorragend arrangierten Tanznummern.

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