Ein Engel für Eddie

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Schutzengel Buddy (Michael Bully Herbig, rechts) redet Eddie (Alexander Fehling) ins Gewissen. Foto: Warner/Marco Nagel

Eddie hat ein Problem: Im Kleiderschrank seines luxuriösen Penthouses steckt plötzlich ein Schutzengel, der zu allem Überfluss auch noch Anfänger ist. Bald hat Eddie ein noch größeres Problem: Nur er kann diesen Schutzengel namens Buddy sehen, und nur er kann mit ihm reden - was ihn erstens in den Augen der Umwelt psychisch auffällig werden und zweitens tatsächlich zum Wrack werden lässt, denn Buddy mischt sich gleich kräftig in sein Leben ein.

Dazu hat Buddy aber allen Grund, was zu Eddies allergrößtem Problem führt: Er ist nämlich ein, man kanns nicht anders sagen, Riesenarschloch. Von seinem Vater hat er in Hamburg ein Getränke-Imperium geerbt, ist aber nur an dicken Schlitten, extremblonden Tussis und Partys interessiert. Darunter leiden Image und Firma - auch wenn die gerade versucht, mit "Silvergy", einem Energy-Drink für Senioren in Geschmacksrichtungen wie Spargel-Passionsfrucht und Sägepalme-Quitte wieder groß rauszukommen.

Wenn ein Film schon "Buddy" heißt, kann man davon ausgehen, dass er tatsächlich eine Buddy-Komödie ist. Das heißt: Ein Film, in dem sich zwei unterschiedliche Typen irgendwie zusammenraufen müssen. In dem Fall sind es Eddie und sein Schutzengel.

Und wenn dieser "Buddy" der neue Film des erfolgreichsten deutschen Komödienmachers, Michael Bully Herbig, ist, kann man davon ausgehen, dass er besonders ambitioniert ist. Es soll nicht nur lustig zugehen, sondern auch das Herz erwärmen - was ja bestens zum Kinostart an Weihnachten passt.

Bully findet es schade, wenn man seinen Film als "romantische Komödie" bezeichnet, weil "das ausgelaugt und ein wenig nach den 80ern" klinge. Aber es hilft nicht: "Buddy" gehört nunmal in die Kategorie Romantic Comedy. Denn letztlich geht es darum, dass Eddie ein besserer Mensch wird und infolgedessen auch ein richtig gutes, ja tolles Mädchen bekommt.

Zu dem Zwecke tritt Lisa in Erscheinung: 32, hübsch, verwitwet, alleinerziehende Mutter und Altenpflegerin mit großer Seele. Kein Wunder, dass Lisa mit dem großkotzigen, egozentrischen, oberflächlichen Eddie nichts anfangen kann - und doch hat er irgendwas, was sie anspricht. Was? Tja. Bis die beiden tatsächlich zusammenkommen, muss nicht nur Buddy einige Mal eingreifen und mahnende Sätze wie "Du musst dich ändern" und "Hör auf dein Herz" sagen, sondern es gilt auch, Verfolgungsjagden zu absolvieren, Lieder zu singen. Wobei Buddy alias Bully weder vor Karel Gott noch vor Steve Wonder halt macht.

Bully ist als Filmemacher ein Perfektionist. "Machs amerikanisch", lautete seine Anweisung an Kameramann Torsten Breuer, und tatsächlich sieht Hamburg in "Buddy" atemberaubend aus - farbenfroh, lichtsatt, lebendig. Auch die Ausstattung, der Schnitt, die Musik sind hoch professionell: "Buddy" hat inszenatorisch und filmhandwerklich alle Qualitäten internationalen Hochglanzkinos. Auch die Schauspieler werfen sich mit Energie in die Rollen. Alexander Fehling ("Goethe") gibt als Eddie Gas, Mina Tander ("Maria, ihm schmeckts nicht!"), hat als Lisa nicht nur eine feurige Tanzeinlage, und Daniel Zillmann ist als Lisa nerdiger Kollege Hütte knuffig. Bully selbst spielt Buddy zurückhaltend, als linkischen Schutzengel von nebenan.

Das Problem des Films sind die Charaktere selbst: Sie bleiben zweidimensional, stereotyp; ihre Entwicklung eher behauptet als nachvollziehbar. Und die Konstruktion des Plots wirkt wie vom Reißbrett - als ob Kino-Konventionen abgehandelt würden. Wenn Bully dann mal die Grenzen des Genres einreißt, eine rasante Actionszene und revuehafte Musikeinlagen einfügt, unterhält das. Und kleine Gastauftritte von Olli Dittrich bis Sky Dumont sind spaßig. Doch die Geschichte der Menschwerdung Eddies und seine Liebesgeschichte mit Lisa wirken zu sehr kalkuliert, um zu Herzen gehen zu können. Schade.

Auf einen Blick vom 24. Dezember 2013
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