Duo Bellini beeindruckt auch beim zweiten Konzert in Crailsheim

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Beim Konzert des Duos Bellini erklangen mit Oboe und Harfe gleich zwei der ältesten Musikinstrumente, die es gibt.  Foto: 

Dass Bernhard Forster seinem Oboenspiel einen wunderbar offenen Ton verleihen vermochte, dass konnte das Publikum schon beim ersten Stück, Marin Marais' "Les folies d'Espagne", hören. Zusammen mit Harfenist Andreas Wehrenfennig gelangen ihm dabei nicht nur sogartige Momente, sondern auch solche von tänzerischer Leichtigkeit.

Den zuvor erworbenen Eindruck untermauerte Forster danach zu Benjamin Brittens "Six Metamorphoses after Ovid" für Oboe solo. Nach suchend-fragenden "Pan"-Tönen folgten Gegenüberstellungen von leicht keckem, scherzohaftem Ausdruck wie zu "Phaeton" und "Bacchus" mit traurig klagendem wie zu "Niobe" oder melancholisch-versonnenem wie zu "Narcissus". Fliehende Figurationen bestimmten abschließend "Arethusa", ein Stück, das in einer schön ausgreifend gespielten Wendung endete.

Dem Oboensolo folgte eines der Harfe, ebenfalls mit einem Werk von Britten: seiner Suite in C op. 83. Nach einer leicht drängenden "Overture" brachte Andreas Wehrenfennig die ins Pulsieren des Toccata-Satzes eingeflochtenen zarten Glissandi schön zum Klingen. Nach dem Zaubern einer verträumten Klanglandschaft im Nocturne und quirlig-kapriziösen Momenten des Fugensatzes mündete das Werk in hymnische Variationen über die walisische Weise "St. Denio" mit einer stets deutlich herausgearbeiteten Melodie zu arpeggierten Akkorden oder umspielenden Glissando-Folgen. Ähnlich kantabel gespielt, mal mit glitzernden wie auch dunkel timbrierten Klängen versehen, erklang später ein weiteres Solowerk für Harfe, Gabriel Faurés Impromptu op. 86, zum Ende hin drängend gespielt. Mit Paul Pattersons "Spirals" ließ Wehrenfennig dann noch eine deutsche Erstaufführung folgen.

Ausrufenden Klängen folgte ein fast heimliches Spiel, Glissando-Schleier, leicht perkussiv-gewitzter Ausdruck, arpeggierte Klagetöne und ein tänzelndes letztes Stück. Die sechs Stücke bezogen sich jeweils auf ein Lebensjahrzehnt der Harfenistin Sioned Williams, für die Patterson das Werk geschrieben hatte.

Der deutschen Erstaufführung war noch eine Uraufführung vorausgegangen: Jason Turbins "Wilting Rose". Die dem Duo Bellini gewidmete Komposition entstand aus einer Facebook-Freundschaft heraus. Für sein Entstehungsjahr klang das Werk sehr traditionell. Es wäre auch als eine instrumental gesetzte Arie von Bellini durchgegangen: von Oboist Forster auf dem Englischhorn schön klagend im Ton vorgetragen, von Wehrenfennig einfühlsam auf der Harfe begleitet.

Einen Vergleich mit Bellinis Klangsprache bot sich mit der "Ommaggio a Bellini" von Antonio Pasculli, ebenfalls für Englischhorn und Harfe. Sehr ausdrucksvoll und mit Hingabe blies Forster die Kantilene. Der espritvoll gespielte schnelle Teil der sich auf Melodien Bellinis beziehenden Komposition geriet etwas hastig. Besser gelang beiden Künstlern das rhapsodisch angelegte "Conte pastoral" von Eugène Bozza.

Besonders Forster bestach dabei durch sein nuanciert empfundenes Oboespiel - wie schon am Ende des ersten Konzertteils zu William Alwyns Suite mit entschieden klingenden Menuetttönen und schönen Tempoverzögerungen im Walzersatz. Für den lang anhaltenden Applaus der Konzertbesucher im Rathaussaal bedankte sich das Duo mit einer nicht minder empfunden gespielten Zugabe, wieder für Englischhorn und Harfe: eine instrumentale Fassung von Wolframs Lied an den Abendstern aus Richard Wagners "Tannhäuser".

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