Die Erinnerung an ihn ist lebendig

Am Tag der Weißen Rose wird eine weitere Facette der Persönlichkeit von Eugen Grimminger, dem Nazigegner und Unterstützer der Widerstandsgruppe, vorgestellt.

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    War ein engagierter Tierfreund und energischer Gegner von Tierversuchen: Eugen Grimminger. Foto: 
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    Freute sich über den Grimminger-Vortrag von Dr. Alexander Wild am Crailsheimer Tag der Weißen Rose: Ursula Mroßko, Vorsitzende des Abeitskreises Weiße Rose. Foto: 
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Der Eisenbahnersohn Eugen Grimminger aus Crailsheim, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 125. Mal gejährt hat, war vieles: Pazifist, Genossenschafter, Vegetarier, Kommunalpolitiker, Nazigegner und Unterstützer der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um Hans und Sophie Scholl. Und er war auch ein großer Tierfreund, wie jetzt beim Tag der Weißen Rose, der in Crailsheim zu Ehren von Hans Scholl gefeiert wird, berichtet wurde.

Zu Gast war in diesem Jahr Dr. Alexander Wild aus Stuttgart, Vorsitzender der Grimminger-­Stiftung für Zoonosenstiftung. Wilds Mutter Hedwig war langjährige Mitarbeiterin von Grimminger und nach dessen Tod Vorsitzende der Stiftung, die Eugen und Tilly Grimminger ins Leben gerufen hatten. Auch die Stiftung verweist auf den Tierfreund Grimminger. Sie unterstützt die Erforschung und Bekämpfung von Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können (Zoonosen).

Aber Eugen Grimminger, Spross einer Crailsheimer Eisenbahnerfamilie und nach dem Krieg oberster Genossenschafter in Württemberg, war vor allem ein praktischer Tierschützer. Im elterlichen Haus seiner Frau Tilly in Stuttgart wurde 1962 eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Tierklinik eingerichtet. Eugen Grimminger war von 1958 bis 1972 Vorsitzender des Tierschutzvereins in Stuttgart und bis zu seinem Lebensende 1986 ein engagierter Tierversuchsgegner.

1957 zog sich das Ehepaar Grimminger aus der Landeshauptstadt in ein kleines Dorf im Schurwald, nach Lobenrot, zurück. Eugen Grimminger, der Menschen so leicht unterhalten, beeindrucken, ja mitreißen konnte, war misstrauisch geworden, fast ein bisschen menschenschau. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm der Umgang mit Tieren  lieber war. Aus dem Anwesen wurde schnell eine Art privates Tierheim. In dieser Zeit lernte der Bub Alexander Wild den Pensionär Grimminger kennen. Wild beschrieb das in seinem Vortrag im Rathaussaal anlässlich des Tages der Weißen Rose so: „Unser Verhältnis war das von Großvater zu Enkel.“

Dr. Wild, der heute die von Grimmingers ins Leben gerufene Stiftung führt, berichtete von einem „Idyll“ auf dem Land. Das Ehepaar versorgte herrenlose Tiere jedweder Art, große und kleine. Teil des Anwesens war ein großer Garten, in dem Grimmingers, beide Vegetarier, Obst und Gemüse anbauten. Der kleine Ale­xander aus der großen Stadt besuchte die beiden gerne – „es war immer spannend“.

Der Schurwald war übrigens nicht Grimmingers erste Wahl, was den Alterssitz angeht. Das Ehepaar, das ohne Kinder blieb, wollte ursprünglich nach Crailsheim, in die Geburtsstadt Eugen Grimmingers, umsiedeln. Doch daraus wurde nichts, weil es nicht da bauen durfte, wo es wollte: am Karlsberg. Dort, wo inzwischen viele Häuser stehen. Obwohl es ihm seine Heimatstadt nie leicht gemacht hat – Eugen Grimminger musste, nachdem er seine Jugendliebe, die Jüdin Jenny Stern geheiratet hatte, Crailsheim wegen „schleichender Verfemung“ verlassen – blieb er ihr doch stets verbunden.

Bis heute steht nicht abschließend fest, wie viel Geld Grimminger der „Weißen Rose“ hat zukommen lassen. Alexander Wild geht von „mehreren Tausend Reichsmark“ aus. Dieses Geld stammte nicht nur von ihm, sondern auch von Crailsheimern wie Alfred König oder Berta Wagner. Grimmingers Widerstand bestand nicht nur aus der finanziellen Unterstützung der Studenten im Widerstand. Seine Kanzlei war nach eigenen Worten „ein regelrechtes Auskunfts- und Hilfsbüro für politisch Verfolgte“. Er selbst, der seine erste Frau nicht vor der Ermordung im KZ bewahren konnte, rettete etlichen jüdischen Freunden das Leben, indem er sie in die Schweiz schleuste.

Ehrenbürger sind sie bis heute nicht, Hans Scholl (1918–1943), der Kopf der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, und sein Unterstützer Eugen Grimminger (1892–1986). Trotzdem ist die Erinnerung an die beiden durchaus lebendig in ihrer Geburtsstadt Crailsheim. Anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Scholl im nächsten Jahr wird auf dem Platz vor dem Jagstbrückenhochhaus ein Denkmal aufgestellt, das an die beiden erinnert (das HT berichtete). Auf der Rückseite des Denkmals aus Glas und Stahl werden Porträts der beiden Nazigegner Scholl und Grimminger zu sehen sein. ah

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