Der Student, der so gerne Präsident wär

Götz Greiner aus Langenburg hat eine Vision: Er will Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, kurz FAU, werden. Aber Götz Greiner hat auch ein Problem.

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Götz Greiner  Foto: 

Der Präsident wird von einem 20-köpfigen Universitätsrat gewählt und dem wiederum gehören lediglich zwei Studenten an – obwohl es von ihnen 40.000 gibt. Sonst sind da noch sechs Professoren der FAU (bei 576), vier externe Professoren, sechs Vertreter aus der Wirtschaft sowie zwei Verwaltungskräfte. Dass mehr als ein Viertel aus der Wirtschaft kommt, dass die Studenten in diesem Gremium stark unterrepräsentiert sind und kaum mitreden dürfen, wer ihre Uni leitet, empfindet Greiner als „absurd“ – und deswegen stellt er sich zur Wahl. „Als ob es eine Wahl gäbe“, so lautet sein Slogan. Er findet: „Warum soll ich nicht mehr als die zwei Studenten von mir überzeugen?“

Ja, warum denn eigentlich nicht? Greiner ist jedenfalls von sich überzeugt, das ist schon mal die Grundvoraussetzung. Auch die beiden formellen Kriterien erfüllt er: ein abgeschlossenes Studium (Bachelor in Theater- und Medienwissenschaft und Kulturgeschichte des Christentums) sowie mehrere Jahre in Führungspositionen (eigene Produktionsfirma, Leitung eines Theaterfestivals). Zudem war Greiner, der aus Langenburg stammt, mal Schülersprecher am Gymnasium Gerabronn, aber das tut hier weniger zur Sache.

Möglichst schnell Uni-Präsident werden

An der FAU macht der 27-Jährige gerade seinen Master in Medien-Ethik-Religion. Den dezenten Hinweis, dass er ja schon im 13. Hochschulsemester studiert, kontert er wie folgt: „Das tut mir wirklich sehr leid. Ich versuche das zu kompensieren, in dem ich möglichst schnell Uni-Präsident werde.“

Und dafür macht er als „Götz Hermann Teamarbeit Greiner“ richtig Wahlkampf. „Teamarbeit ist mein dritter Vorname“, sagt er und lacht durch seinen Vollbart. Sein Team besteht aus vier Leuten. Zusammen haben sie Plakate und Aufkleber entworfen, eine eigene Facebook-Seite erstellt, ein Werbevideo gedreht und einen nicht ganz ernstgemeinten Fünf-Punkte-Plan entwickelt. So setzt sich Greiner beispielsweise für Spielbanken auf dem Unigelände ein, um Viert- und Fünftmittel einzutreiben, wie er es formuliert. Dazu muss man wissen: An vielen Unis wird schon die Beschaffung von Drittmitteln als Ausdruck guter Forschung betrachtet.
 



Geht es nach Greiner, soll die FAU ein „Leuchtturm der Strahlkraft“ werden. Wer dabei an Oxford und Harvard, die Eliteunis in England und Amerika, denkt, ist bei Greiner richtig. „Auf lange Sicht müssen wir mit denen konkurrieren.“ Mit Sätzen wie „Es wird Zeit für frischen Wind“, versucht er im Wahlkampf zu punkten. Da, wo Greiner herkommt, weht oft ein frischer Wind. Und es gibt viel Raum für frische Ideen, manchmal auch etwas verrückte.

"Ich bin kein Clown"

Die Idee, als Präsident zu kandidieren, sei nicht etwa in einer Bierlaune auf einer Studentenparty oder bei einer Flasche Mirabellenlikör auf der Muswiese entstanden, sondern im Frühjahr bei den Hochschulwahlen. Dabei musste er mit ansehen, sagt Greiner, wie den Studenten immer mehr Macht genommen wurde. Daran, dass in manchen Fakultäten der Putz von der Decke rieselt, hat er sich irgendwie schon gewöhnt, was nicht heißt, dass er es nicht kritisiert. Viele Menschen an der FAU stehen hinter Greiner, man kann es sich gut vorstellen. Aber es gibt auch einige wenige, die fänden, dass er den Universitätsapparat verhöhne, heißt es. Diese fühlen sich an Martin Sonneborn, den Vorsitzenden der Satire-Partei, erinnert. „Mir geht es um was“, betont Greiner. „Ich bin kein Clown.“ Aber nebenbei wolle er natürlich „ausreizen, wie weit man vorankommt und wie man ernstgenommen wird“. Die Pressesprecherin der Uni sagt, man würde das, was Greiner macht, „zur Kenntnis nehmen und interessiert verfolgen“.

Der Student ist übrigens der einzige, der seine Kandidatur öffentlich gemacht hat. Das ist noch so ein Ding, über das sich Greiner bestimmt köstlich amüsieren würde: dass am Ende jemand zum Präsidenten gewählt wird, von dem man vorher nicht mal den Namen wusste. Ganz zu schweigen von der Sache mit dessen Stellenausschreibung. Die war nicht mal auf der Internetseite der FAU zu finden, sondern ausschließlich in der gedruckten Wochenzeitung "Die Zeit". Aber sie haben die Anzeige dann doch gefunden, Teamarbeit halt.

Über die Nachfolge von Präsident und Professor Karl-Dieter Grüske, dessen Amtszeit im März 2015 endet, wird bereits an diesem Freitag entschieden. Dann hat der Universitätsrat die Wahl – oder eben nicht.

Übrigens: Die Band "The Black Elephant Band" hat sogar extra einen Song geschrieben: "Greiner for President"

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