Der scheue Silberrücken-Gorilla-Fan

Shy Ely über sein Lieblingstier, die Liebe zur Familie und einzigartige Merlins-Anhänger.

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Shyron Ely (rechts) bekleidet bei den Merlins die Position des Shooting Guards.  Foto: 
Das englische „shy“ bedeutet im deutschen „scheu“ – und selten hat ein Vorname wohl so gut gepasst wie zu Shy Ely. Eigentlich heißt der Shooting Guard der Crailsheim Merlins ja Shyron, doch so nennen ihn nur wenige. Der 28-Jährige aus Washington (Pennsylvania) zählt zu den ganz ruhigen Vertretern seiner Sportart, die andere Kollegen weit extrovertierter ausleben. Er lese lieber ein Buch, als dass er viel plappere, erklärt er. Als gelassen, lustig und bescheiden beschreibt sich der 1,94 Meter große und 94 Kilogramm schwere Modellathlet. Die Familie steht bei ihm über allem. So erklärt sich auch seine Vorliebe für sein Lieblingstier. „Ein Silberrücken-Gorilla ist normalerweise ja auch sehr ruhig, aber wenn es darauf ankommt und jemand seine Familie bedroht, dann ist mit ihm nicht zu spaßen“, sagt Shyron Ely.

Angesichts dieser Aussagen ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich Teleportation als Superkraft wünschen würde, wenn er denn die Wahl hätte. „Mit einem Fingerschnippen könnte ich beim Dinner bei meiner Mama in Indianapolis sein. Ich vermisse sie sehr, habe sie ein Jahr lang nicht mehr gesehen.“ Und auch Freundin Anna, die in Amsterdam Physiotherapie studiert, könnte er dann häufiger sehen. Sie hat er in Heidelberg kennengelernt, wo er mit Merlins-Kollege Michael Jost in der Pro A Basketball spielte. „AJ Calvin kenne ich noch vom College, Tim Schwartz als Gegner aus der Pro A – wir haben eine gute Truppe in Crailsheim. Insbesondere von Patrick Flomo und Adam Chubb kann ich eine Menge lernen. Sie sprechen viel mit uns.“ Er selbst müsse auf dem Feld lauter werden, sagt Shyron Ely – und seinen Wurf aus der Halbdistanz noch verbessern.

Zu seinen Stärken zählt der 28-Jährige seine Verteidigung, seine Pässe und seinen Zug zum Korb. Mit 10,9 Punkten im Schnitt ist er viertbester Crailsheimer Korbjäger und sammelt nach Jordan Callahan (29,04 Minuten) die zweitmeisten Minuten pro Partie (28,18). Sein bestes Saisonspiel lieferte er gegen Hagen ab, in dem er in rund 37 Minuten 31 Punkte auflegte: neuer Rekord der Merlins-BBL-Geschichte. Am Mittwoch gegen Göttingen lief es für ihn – wie für das gesamte Team – dagegen schlecht. Kein Feldkorb stand zu Buche, er traf lediglich vier Freiwürfe. „Wir waren in jeglicher Hinsicht schlecht – offensiv wie defensiv. Es ist schwer zu erklären, warum, weil wir hart trainiert haben und der Coach uns gut eingestellt hatte. Das Ergbnis war absolut frustrierend“, betont Shyron Ely. Die Mannschaft werde alles daran setzen, sich gegen Meister Bamberg („Ein diszpliniertes Top-Team in Europa, vermutlich der große Meisterschaftsfavorit“) wieder von einer besseren Seite zu zeigen – das hätten die Fans verdient. „Ich habe schon in Frankreich, der Schweiz und den USA gespielt – aber solche Fans wie hier habe ich noch nie erlebt. Das ist absolut einzigartig. Ob wir gewinnen oder verlieren, sie halten zu uns“, lobt Ely die Atmosphäre. Die Teamchemie und auch das ganze Umfeld in Crailsheim sei herausragend. „Ich habe hier eine großartige Zeit!“

Zu den Merlins zu wechseln, sei absolut die richtige Entscheidung gewesen, sagt Shyron Ely, der nach drei Spielen der BBL-Saison von den Crailsheimer Basketballern nachverpflichtet wurde. „Ich wollte zu einem BBL-Klub, dem ich sofort helfen kann und der noch in der Entwicklung ist. Ich mag Herausforderungen“, erklärt der 28-Jährige, der Soziologie und Strafrecht an der Universität Evansville studiert hat. „Ich mag es, Menschen zu beobachten. Ich kann mir gut vorstellen, später mit Jugendlichen zu arbeiten.“ Was genau das dann sein werde, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Ob‘s ein Job als Jugendtrainer sein kann? „Ich glaube, dafür habe ich die Geduld nicht“, sagt Shy Ely und lacht.
 

Enskats Einschätzung

Ingo Enskat war auch am Tag nach der Schlappe gegen Göttingen noch hörbar geknickt. „Es fällt schwer nachzuvollziehen, was da am Mittwoch passiert ist, auch wenn man sich das noch mal anschaut. Schließlich ging es nicht nur um einen einzelnen Faktor, der nicht gepasst hat. Individuelle Qualität hat gefehlt, taktisches Verständnis, Einsatz“, betont der Merlins-Coach. „Natürlich suchen wir immer nach Lösungen. Vielleicht müsste im psychologischen Bereich was passieren und sicherlich beobachten wir auch den Spielermarkt. Womöglich hilft uns auch ein neuer Impuls weiter. Wir arbeiten an allen Fronten, um Verbesserungen zu erzielen.“ Nun geht es am Samstag gegen Bamberg, den Meister. Nach Ingo Enskats Einschätzung ein Team, das höchsten europäischen Ansprüchen genügt. „Für unsere Mannschaft ergibt sich die Chance, unbefangen ins Spiel zu gehen, vielleicht etwas zu probieren, den Kopf frei zu kriegen. Bei uns fehlt momentan ein Leader, der auch aktiv den Ball haben will und die anderen mitreißen kann.“ hel
 

Gästecoach Andrea Trinchieri

Die Merlins und die Partie in der Arena Hohenlohe waren für Bambergs Coach Andrea Trinchieri gestern noch weit weg. Zunächst galt es für das Aushängeschild des deutschen Basketballs in der Euroleague die Aufgabe in Vitoria-Gasteiz in Angriff zu nehmen. Dort wartete mit Laboral Kutxa nach Barcelona ein weiteres spanisches Schwergewicht auf die Oberfranken. Meistercoach Andrea Trinchieri zur Partie bei den Merlins: „Dieses Spiel wird, wie jedes dieser Saison, kein leichtes – nach einer langen Reise und einem harten Spiel in der Euroleague. Sich komplett neu auf eine ganz andere Spielweise zu fokussieren, ist nie einfach. Auch wenn die Platzierungen in der Tabelle vielleicht für sich sprechen, darf man Crailsheim nicht unterschätzen. Sie haben eine ziemliche Pleite gegen Göttingen hinnehmen müssen und werden das vor heimischem Publikum geradebiegen wollen. Wir müssen unsere Kräfte mobilisieren und alles für den Auswärtssieg geben!“ hel
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