Der letzte Karlsruher Kopf macht in Crailsheim Station

Verkehr: Am Bahnhof ist am Donerstag ein Stück Eisenbahngeschichte zu Ende gegangen. Ein Steuerwagen aus der Reihe der Silberlinge hat seinen letzten Weg angetreten.

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Josef Geller aus Neu-Ulm ist gestern eine besondere Ehre zuteil geworden. Der 35-jährige Lokomotivführer steuerte einen besonderen Regionalexpress von Ulm nach Crailsheim. An der Spitze des Sonderzugs saß Geller im letzten Steuerwagen mit einem sogenannten Karlsruher Kopf (siehe Info), der bis dahin noch im Einsatz war. Am Crailsheimer Bahnhof wurde das Fahrzeug vom Baujahr 1971 bei einem Sektempfang an Gleis 2 dem DB-Museum Nürnberg übergeben, das es in seiner Außenstelle Koblenz ausstellen wird.

Zuletzt war der Steuerwagen mit der Nummer 8082-34212-4 bei der Bahntochter Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB) im Einsatz. Er gehört zur Baureihe „n“, deren Waggons wegen ihrer polierten Edelstahloberfläche auch als „Silberlinge“ bezeichnet werden und die in diesem Jahr zum größten Teil durch moderne Wagen ersetzt worden sind. 37 Steuerwagen dieser Reihe waren zuletzt in Baden-Württemberg noch auf den Schienen unterwegs, in Nordrhein-Westfalen weitere drei.

„Diese Steuerwagen sind überflüssig geworden“, sagte RAB-Geschäftsführer Frank Dietrich gestern in Crailsheim. Bis auf den eines, das im DB-Museum erhalten bleibt, werden die Fahrzeuge verschrottet. Russalka Nikolov, die Direktorin des DB-Museums bezeichnete den Steuerwagen mit dem Karlsruher Kopf als eine wichtige Station in der technischen Entwicklung. „Dieses Fahrzeug, ein Eigengewächs der Bahn, hat das Rangieren in vielen Fällen überflüssig gemacht“, sagte Nikolov, „wir wollen es für die nächsten Generationen erhalten.“

Am Standort Koblenz des DB-Museums, einem ehemaligen Güterwagenausbesserungswerk, wird der Steuerwagen noch ein wenig aufpoliert. Bis  2018 könnte man noch damit fahren, dann erlischt seine Zulassung.

„Wir freuen uns über dieses gute erhaltene Fahrzeug.“
- Russalka Nikolov, Direktorin des DB-Museums

An der Abschiedsfahrt von Ulm nach Crailsheim nahmen rund 50 Gäste teil, unter ihnen die Gewinner eines Fotowettbewerbs zum Thema „Karlsruher Kopf“, den die DB-Regio Baden-Württemberg und die Zeitschrift „Eisenbahn-Kurier“ ausgeschrieben hatten. Dass der Steuerwagen ausgerechnet am Crailsheimer Bahnhof von einer baden-württembergische Bahngesellschaft an das in Bayern beheimatete DB-Museum übergeben wurde, hat übrigens nichts mit der Vergangenheit der Eisenbahnerstadt Crailsheim zu tun, die immerhin von 1876 bis 1890 einen bayerisch-württembergischen Grenzbahnhof beherbergte. „Wir haben für die Abschiedsfahrt eine stil­echte Strecke gewählt, auf der es zum größten Teil keine Oberleitung gibt“, erklärte Oliver Kurzendörfer von der DB-Netz AG, der die Fahrt maßgeblich vorbereitet hatte.

Von einer Diesellok der Baureihe 218 gezogen, nahm der Zug mit den verbliebenen drei Waggons – rot lackierte Silberlinge – den Rückweg nach Ulm nicht über Aalen, also über die Brenzbahn, sondern über die Murrbahn, über Hessental, Murrhardt und Stuttgart. Der Steuerwagen 8082-34212-4 indes, um den sich an dem Tag alles drehte, war da schon auf dem Weg nach Koblenz.

Mit den Steuerwagen hat die Bahn in den Siebziger Jahren den Regionalverkehr erheblich vereinfacht. Sie verfügen über einen Führerstand, mit dem die Lokomotive am anderen Ende des Zuges gesteuert werden kann. So kann der Zug die Fahrtrichtung wechseln, ohne, dass die Lok jedes Mal an die Zugspitze rangiert werden muss. Der erste Steuerwagen wurde im Bahnbetriebswerk Karlsruhe entwickelt – daher die Bezeichnung „Karlsruher Kopf“. An ihren markanten, gerundeten Kanten sind die Fahrzeuge zu erkennen. erz

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