Der gemeine Smombie lebt gefährlich

Smartphones werden zu einer immer größeren Gefahr im Verkehr. Sie fördern bei allen Verkehrsteilnehmern die Unaufmerksamkeit.

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Wolfgang Halter, Mario Schmidt und Walter Doberer (von links) vom Auto-Club Europa beobachten am Crailsheimer Rathaus Fußgänger beim Queren der Straße. Wem kommt mehr Aufmerksamkeit zu? Dem Verkehr oder dem Smartphone?  Foto: 

Den Spruch, dass das Smartphone nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sei, hört man in der Politik, der Forschung und den Medien immer wieder. Und Hand aufs Herz: Gerade auf die jüngere Generation trifft das mit Sicherheit zu. So blicken junge Leute auf dem Gehweg wie gebannt nach unten auf ihr Handy und queren so eine Straße. Dass vorbeifahrende Autos oder Fahrräder dabei übersehen werden, ist ein seit Jahren wachsendes Problem – auf das der Auto-Club Europa (ACE) aktuell mit einer bundesweiten Aktion hinweist.

Am Montag waren daher Walter Doberer, Wolfgang Halter und Mario Schmidt vom ACE in Crailsheim unterwegs und haben an mehreren Kreuzungen und Ampeln die „Smombies“ gezählt, also Personen mit Smartphone. Dabei wurde grob zwischen Jung und Alt unterschieden sowie zwischen männlich und weiblich. In zwei Stunden wurden 386 Personen gezählt, von denen 29 mit dem Handy oder Smartphone beschäftigt waren. Das entspricht ungefähr 7,5 Prozent. Bei den Jugendlichen lag die Quote mit 32,1 Prozent deutlich höher.

Fußgänger kapseln sich ab

Hintergrund sind die zuletzt leider nicht mehr rückläufigen Unfallzahlen. 2015 verunglückten im Straßenverkehr 31.589 Fußgänger, davon 534 tödlich. Hauptgründe waren das Ignorieren von Rotlicht sowie die zunehmende Abkapselung des Fußgängers von der direkten Umgebung.

Der Regionalbeauftragte des ACE für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland, Mario Schmidt, erklärt das so: „Man schaut auf sein Handy, da sieht man kaum mehr als das Display und den Boden, und hat gleichzeitig noch die Ohrhörer drin. Dann sieht man kaum was und hört noch viel weniger.“ Schmidt, der diese Erhebung dieses Jahr auch schon in Rheinland-Pfalz gemacht hat, sagt auch, dass es in Crailsheim noch relativ ruhig zugeht. In größeren Städten wie Koblenz oder Mainz sind auch Straßenbahnen oder Ähnliches wichtige Faktoren.

„Vor zwei Jahren haben wir eine solche Zählung bei Autofahrern gemacht. Da lag die Quote höher“, sagt der Kreisvorsitzende Wolfgang Halter, fügt jedoch hinzu: „Wir sind in einer normalen Woche vormittags unterwegs. Wenn um die Mittagszeit Personal und Schüler in die Pause gehen, dann wären die Ergebnisse schlechter. Dann haben viele ein Smartphone in der Hand.“

Junge Leute besonders betroffen

Walter Doberer meint: „Kaum steht man irgendwo, schon haben sie das Handy in der Hand. Einfach eine halbe Minute auf Grün warten, ist scheinbar nicht mehr drin.“ Somit wird die Konzentration aufs Smartphone an der Ampel zu etwas, das auf die beiden primären Sinne des Menschen – Sehen und Hören – einwirkt und im Straßenverkehr zur Gefahr wird. Denn: Der Fußgänger ist im Straßenverkehr nach wie vor das schwächste Glied. Lediglich die eigene Aufmerksamkeit oder die Warnungen Fremder schützen ihn. Schläft einer, kann es böse enden.

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