Der Fuchs erobert die Stadt

Vermehrt tauchen die Wildtiere in Wohngebieten auf. Karl Kolb vom Forstrevier Crailsheim nimmt den Menschen die Angst. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

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Füchse in Wohngebieten – diese Problematik ist und wird wahrscheinlich auch nicht mehr wegzudenken sein. Immer häufiger werden die roten Tiere von Bewohnern der Crailsheimer Stadtteile wahrgenommen. Vor allem in Randgebieten wie Altenmünster oder dem Neubaugebiet Kappeläcker. Die Angst vor Tollwut oder dem Fuchsbandwurm ist groß.

Aber was kann man tun? „Nichts“, lautet die einfache und knappe Antwort von Karl Kolb, Förster und Leiter des Forstreviers Crailsheim. „Aber man muss auch keine Angst haben.“ Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Dazu später mehr. Doch, warum tauchen überhaupt immer mehr Füchse in bewohnten Gegenden auf? „Das hat mehrere Gründe“, sagt Kolb. Seit April 2015 gibt es ein neues Jagdgesetz. In dem steht, dass man nur noch von August bis Ende Februar Füchse jagen darf. Jungfüchse und ihre Eltern sind von der Jagd ausgeschlossen. „Dadurch gibt es immer mehr Füchse.“ Zudem darf in befriedeten Bezirken, Wohngebiete, Friedhöfe oder Gärten, nicht gejagt werden. Ein weiterer Grund ist, dass es für die Füchse immer einfacher wird, in Wohngebieten ihr Fressen zu finden.

Doch Angst braucht man vor den Wildtieren nicht haben. „Eigentlich wollen sie nichts von den Menschen, die Füchse sind nur auf Nahrungssuche. Den Menschen fehlt immer mehr der Bezug zur Natur, und sie haben deshalb mehr Angst als früher“, sagt Kolb. „Man muss sich an die Füchse gewöhnen. Sie werden nicht verschwinden. Über den Marder, der die Kabel der Autos anfrisst, regt sich mittlerweile auch fast niemand mehr auf.“ Sobald sich die Menschen an die Füchse gewöhnt haben, kommt das nächste Wildtierproblem: Auch Waschbären werden vermehrt gesichtet. „Man muss die Wildtiere einfach Wildtiere sein lassen“, fordert Karl Kolb.

Die Angst vor Krankheiten wie Tollwut oder Fuchsbandwurm nimmt Karl Kolb. Deutschland gilt seit August 2008 als tollwutfrei. Lediglich vereinzelte Fälle von importierten Tieren aus dem Ausland sind aufgetreten – Füchse sind nicht betroffen. Der Fuchsbandwurm dagegen taucht schon auf. „Für den Menschen ist der Fuchsbandwurm als Finne, so wird dessen Larve bezeichnet, durchaus ein gesundheitliches Problem. Aber nur Tiere, die die Finne in ihrer Leber tragen, wie Mäuse oder Ratten, und selbst gefressen werden, verbreiten die Krankheit. Denn dort entwickelt sich daraus im Darm des Beute­greifers wieder der fertige Bandwurm“, erklärt Karl Kolb. Das Risiko einer Infektion ist für den Menschen statistisch gesehen sehr gering.

Lebensmittel nicht liegen lassen

Kann man sich, auch wenn die Füchse primär keine Gefahr darstellen, trotzdem schützen? „Das Wichtigste ist, dass man keine Lebensmittel rund um das Haus liegen lässt. Das heißt: Keinen Biomüll auf den Kompost werfen, und die Futterschalen der eigenen Haustiere sollte man nicht draußen stehen lassen.“ Auch Schuhe oder andere Kleinteile sollte man nicht vor dem Haus abstellen: „Die werden gerne als Souvenir von den Füchsen geklaut.“ Außerdem sollte man den Füchsen auch nicht freundlich begegnen, sondern eher abweisend. Denn wenn er sich verwöhnt fühlt, gewöhnt sich der Fuchs daran und er will mehr. Dadurch könnte das Problem noch umfangreicher werden. Einfach zusammengefasst gilt: „Nicht bewusst füttern und nicht freundlich reagieren.“

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