Das Programm heißt: Selbstrettung

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Der Möbelhersteller Veith & Sigloch in Langenburg braucht nach zwei plötzlichen Maschinenschäden neue Geräte, um wieder am Standort produzieren zu können. Erst dann kann es mit der Sanierung des Unwetter geschädigten Gebäudes weitergehen.  Foto: 

Mit der Firma Veith & Sigloch GmbH in Langenburg geht es weiter: „Alle 15 Arbeitsplätze werden erhalten“, so die Geschäftsführerin Angelika Moser, die sich gemeinsam mit Patrick Widmaier für den Standort in dem kleinen Touristenstädtchen einsetzt.

Das Unternehmen wurde 1868 als älteste Spezialfabrik Deutschlands für Tische und Stühle in Langenburg gegründet und im Jahr 1969 mit gleichem Namen von Detlef Widmaier aus dem Großraum Stuttgart übernommen. Seither werden am Standort Langenburg Tische, Stühle und Schränke in hoher Qualität für Kindertagesstätten und Kindergärten im Auftrag der heutigen Firma B. Widmaier GmbH hergestellt. Bis nächstes Jahr soll die Produktivität sogar noch erhöht werden. „Wir wollen Produkte, die derzeit andernorts hergestellt werden, in die Anfertigung nach Langenburg holen“, erklärt Angelika Moser und setzt nach: „Außerdem werden wir dort künftig Neuentwicklungen für Schulen mit Ganztagsbetreuung herstellen können.“

Doch trotz Rettung des Betriebs, zeigt sich die Geschäftsführerin schwer enttäuscht: „Dass wir als jahrelang zuverlässiger und wichtiger Arbeitgeber für die Region Langenburg im Kampf um die weitere Existenz vom Land Baden-Württemberg dermaßen im Stich gelassen werden, darüber sind wir bestürzt.“

Unvorhersehbare Probleme

Hintergrund der ganzen Aufregung: Das Unternehmen war aufgrund von mehreren Schicksalsschlägen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. 2016 hatte ein Unwetter das Werksgebäude relativ stark in Mitleidenschaft gezogen -  die Schäden waren nur zum Teil von der Versicherung übernommen worden. Zusätzlich setzten der Totalausfall einer Stuhlfertigungsmaschine sowie der schwere Schadensfall bei einer Breitbandschleifmaschine, dem Betrieb ordentlich zu.

In beiden Fällen konnten die Schäden durch Reparatur nicht mehr behoben werden und die Anfertigung der Teile wurde kurzerhand ins Ausland verlegt. Das wiederum hätte in Langenburg auf Dauer Arbeitsplätze gekostet. Die Firma Veith & Sigloch hatte daraufhin eine Förderung in Höhe von zehn Prozent der geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 854.000 Euro für Sanierung und Neuanschaffung der Maschinen aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz beantragt. Doch die Hilfe wurde abgelehnt. Ganz zur Überraschung der Geschäftsführung und manchem Abgeordneten, wie Anton Baron (AfD) und Jutta Niemann (Bündnis 90/Die Grünen), die sich deshalb beim Wirtschaftsministerium für das Langenburger Möbel­unternehmen stark machten.

Mit eigener Kraft aus der Misere

Die Firma Veith & Sigloch GmbH bezieht aus zwei Sägewerken in der Region Hohenlohe das Material für die Anfertigung ihrer Echtholzmöbel, die zu einem großen Teil aus Buchenholz bestehen. Etwa 700 Festmeter pro Jahr kommen von dort. „Als Lieferanten hätten auch diese den Wegbruch unserer Produktion in Langenburg sicher gespürt“, meint Geschäftsführerin Moser.

„Wir konnten uns fürs Erste selbst retten – die Leasingverträge für zwei neue Maschinen liegen bei der Sparkasse bereits vor“, so Patrick Widmaier.  Die Standardarbeiten zur Fertigung der Stühle, Tische und Schränke könnten damit bis spätestens Ende dieses Jahres wieder in Langenburg aufgenommen werden. Zudem werde der Maschinenpark im nächsten Jahr um eine CNC-Maschine anwachsen, wodurch der Betrieb künftig in der Lage ist, auch komplexe Arbeitsvorgänge beim Schneiden und Leimen selbst zu leisten. Damit könnte sich zu den aktuellen Bestseller-Serien Vario-Wendemöbel, FN-Multistuhl, FN-Armlehnstühle sowie den Tischen ohne Zarge, ein neuer Verkaufsschlager gesellen.

Mit dem erweiterten Produktionsplan will sich die Firma  besser für die – zumindest vorhersehbare –  Zukunft wappnen. Die schwersten Dachschäden sind zum größten Teil schon behoben und um die kosmetischen Feinheiten am Gebäude werde sich dann zu einem späteren Zeitpunkt gekümmert. „Bis Ende dieses Monats stellen wir wieder einen ELR-Antrag für das kommende Jahr. Mit der Unterstützung der Abgeordneten rechnen wir uns für dieses Mal bessere Chancen aus“, hofft Moser.

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