Das Handwerk ist immer vom Vater auf den Sohn übergegangen

Die Zimmerei Philipp zimmert nachweislich seit 350 Jahren, erst in Ilshofen dann in Jagstheim. Damit ist sie eine der ältesten Zimmererfamilien Deutschlands.

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Familie Philipp in Jagst?heim kommt derzeit aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Vor ein paar Tagen hat Tochter Kim die Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt, samt preisgekröntem Gesellenstück. Sie ist mit ihrem Bruder Timo die elfte Generation der Familie, die das Handwerk ununterbrochen ausübt.

“Ich habe einmal beim Verband angerufen“, sagt Vater Horst Philipp. “Dort ist keine ältere Zimmererfamilie bekannt“. Deshalb firmiert der Jagstheimer Handwerksbetrieb als “die wohl älteste Zimmerei Deutschlands – und es hat sich noch niemand gewehrt“, sagt Horst Philipp.

Mit Kim Philipp, 22 Jahre alt, die sich nun Berufserfahrung aneignen will, die Meisterschule anstrebt und vielleicht sogar den Betrieb übernehmen will, kommt übrigens ein ganz neuer Zug in die Familie: Sie ist die erste Frau, die das Handwerk erlernt.

Dass die Familie eine so lange Tradition hat, ist erst in den letzten 20 Jahren herausgekommen, berichtet Horst Philipp. Er habe die passionierte Jagstheimer Ahnenforscherin Waltraud Seibert gebeten, nach der Familie zu forschen, “und immer wieder ist sie mit etwas Neuem gekommen“, erinnert sich der Zimmerer-Meister, bis das schließlich auch den Untermünkheimer Heimatforscher Frieder Krumrein auf die Spur brachte.

Gemeinsam haben sie dann den bislang ältesten Philipp aufgestöbert, einen Michael Philipp, in Lobenhausen geboren und 1666 als “Zimmerer“ nach Ilshofen verheiratet – das war vor 350 Jahren. Urkundlich war dieser Michael zwar der Erste. “Doch vermutlich gab es schon vorher Zimmerer in der Familie. Das Handwerk ist ja immer vom Vater auf den Sohn gegangen“, meint Horst Philipp. Allerdings wurden so früh nur wenige Kirchenbücher geführt – das ältestes Deutschsprachige stammt aus dem Jahr 1490.

Seit 1749 ist die Familie in Jagst?heim belegt, seither arbeiten die Philipp-Zimmerer dort. Ein gutes Gefühl gebe es ihm, sagt Philipp, wenn er durch Jagstheim fährt und die alten Dachstöcke und Fachwerkwände anschaut, die seine Vorfahren gebaut haben könnten – wobei es natürlich auch noch andere Zimmerer in Jagstheim gab.

Dennoch scheint bei Philipp mit den Jahren ein Verantwortungsgefühl für die Ortschaft gewachsen zu sein, die seine Familie schon seit Jahrhunderten mitbedacht hat. Er ist Ortsvorsteher, aktiv im Gewerbeverein, in den Vereinen, der Feuerwehr. Kein Wunder, dass er nun ganz Jagstheim an dem seltenen Jubiläum teilnehmen lässt.

Der Tag der offenen Tür am Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst, den Pfarrerin Hirschbach gemeinsam mit der Diakonie feiert. Verschiedene Jagstheimer Unternehmen beteiligen sich an einer Hausmesse und die Vereine übernehmen die Bewirtung. “Es ist fast so etwas wie ein Dorffest geworden“, sagt Philipp und freut sich auf viele Besucher.
 

Gottesdienst und Handwerkskunst

Feierstunde Der Festtag in der Zimmerei Philipp beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Betriebsgelände in Jagstheim. Der Jubiläumstag ist gleichzeitig “Diakoniesonntag“, deshalb sind auch die Schwestern der Diakonie mit dabei. Den Gottesdienst gestaltet Pfarrerin Hirschbach mit dem Posaunenchor.

Programm Danach beginnt die Hausmesse, die von Familie Philipp um 11.15 Uhr offiziell eröffnet wird. Es gibt dort einen gemeinsamen Stand der Kindergärten, Sozialstation und Kirchengemeinde. Ein Kettensägenkünstler zeigt sein Können, außerdem ist eine alte Holzsäge zu bewundern. Die Vereine sorgen für die Bewirtung sowie die Kinderbetreuung.

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