Crailsheimer Baubürgermeister Herbert Holl über die Attraktivität der Stadt

Die Crailsheimer Innenstadt hat im Zweiten Weltkrieg schwer gelitten. Weil sich beim Wiederaufbau die Stadt schnell ausgebreitet hat, steht Baubürgermeister Herbert Holl jetzt vor einer Reihe von Problemen.

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Im Baugebiet "Kappeläcker" entsteht neuer Wohnraum. Naherholung, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen sind gleich um die Ecke.  Foto: 

Die Altstädte von Dinkelsbühl und Rothenburg gehören laut Zeitschrift Focus zu den zehn schönsten Deutschlands. Crailsheim hat seine historische Altstadt im Zweiten Weltkrieg verloren. Weil die schönen Stellen in Crailsheim, die es nach wie vor gibt, meist versteckt sind, hört so mancher Einwohner oft die Frage: "Wie kann man nur in Crailsheim wohnen?" Die Stadt trumpfe mit etwas anderem auf, betont Baubürgermeister Herbert Holl im HT-Gespräch: "Crailsheim bietet Arbeitsplätze. Da braucht man keine mittelalterliche Altstadt." Das ist pragmatisch gedacht und klingt besonders für Paare interessant, bei denen beide Partner arbeiten.

Doch das kann ja nicht alles sein. Holl zählt deshalb weitere Sachverhalte auf, die Crailsheim attraktiv machen: "Bei den Schulen sind wir auch sehr gut aufgestellt." Außerdem nennt er die landschaftliche Umgebung und die Kultur - und fügt hinzu: "Aber das kann nicht nur Crailsheim. Das können andere Städte auch." Was also hat Crailsheim für Menschen, die in die Stadt ziehen wollen, noch zu bieten?

"Das ist ein vielschichtiges Thema", antwortet Holl. Er hat da nämlich ein größer werdendes Problem: Es gibt immer weniger Plätze in Crailsheim, an die diese Menschen ziehen können - die Frage von Interessenten ist nicht nach dem "Wie" sondern nach dem "Wo". Wo kann man wohnen? Holl ist derjenige, der dafür sorgen muss, dass diesen Menschen Bauplätze oder Wohnungen angeboten werden können.

Eigentlich gibt es in Crailsheim viele leer stehende Wohnungen und denkbare Bauplätze. Doch die sind oft in den Händen von Privatleuten, die nicht verkaufen möchten. Immobilien gelten zurzeit als die besten Geldanlagen. Den Grund dafür, dass die leer stehenden Wohnungen nicht vermietet werden, ahnt Holl: Einige Eigentümer befürchten wohl, dass die Miete nicht bezahlt wird. Er weiß aber auch: "Zum Teil sind die Wohnungen auch in einem Zustand, in dem sich die Vermietung nicht lohnt."

Über dieser Problematik schwebt die Vision des Stadtentwicklungsplans (STEP). Das 2012 vom Gemeinderat beschlossene Konzept weist 33 Gebiete aus, die als Wohnflächen denkbar sind. Mit ihrer Hilfe soll allen Zuzugswilligen ein Angebot gemacht werden können.

Es gibt viel zu tun in Crailsheim

Im Baugebiet "Hirtenwiesen" im Westen der Stadt ist laut Holl ein "Schritt in die Zukunft" gemacht worden - unter diesem Motto steht ja auch STEP. In den "Hirtenwiesen" und entlang der Haller Straße entwickle sich urbanes Leben, werde ein Bereich, der bislang eher als Peripherie wahrgenommen worden sei, inzwischen als städtisch erlebt. Die Stadt, so Holl, will aber nicht nur mit Bau- und Arbeitsplätzen punkten, sie wolle auch Lebensqualität bieten. "Da wirds einem nicht langweilig in Crailsheim. Es gibt viel zu tun", ist er sich sicher. Er weiß auch, dass es immer wieder mal Ärger geben kann. Insbesondere die Innenentwicklung sieht er als konfliktträchtig an. Einerseits gebe es bei vielen Ideen Einwände der Einwohner. Holl: "Die gewohnte Umgebung will niemand verändern." Andererseits sei die langfristige Entwicklung unsicher.

Die Lange Straße im Herzen Crailsheims, über Jahrhunderte hinweg die wichtigste Straße in der Stadt, ist eine solche Baustelle: Ob Handel in der City künftig noch gefragt ist, sei auch eine Generationenund damit eine Mentalitätsfrage. Vieles verlagere sich in Richtung Online-Handel. Immerhin habe die Stadt mit der Jagstaue ein "grünes Rückgrat", könne als Stadt am Fluß für sich werben, wagt der Baubürgermeister am Ende des HT-Gesprächs einen positiven Ausblick in die Zukunft der Stadt, die seit 1945 keine Besucher anlockende Fachwerk-Altstadt mehr hat.

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