Crailsheimer Barbier Deniz Siaban profitiert von neuem Mut zur Männlichkeit

Obwohl Friseurmeister Deniz Siaban mittlerweile ein Spezialist ist, wenn es um Bärte und die männliche Gesichtsbehaarung geht – als ein Friseur nur für Männer möchte der 27-jährige Crailsheimer nicht wahrgenommen werden.

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Deniz Siaban in seinem modernen Salon in der Gartenstraße. Die Einrichtung hat er aus Istanbul importiert.  Foto: 

„Es soll nicht immer nur um Bärte gehen. Ich schneide genauso gerne Frauen und Kindern die Haare“, sagt er. Aber es ist halt das Wort „Barber“, das auf dem Schild seines Ladens „Styled by Deniz“ in der Gartenstraße an zentraler Stelle steht. Das weckt Interesse und Neugierde.

Friseure kennt man, aber was macht eigentlich ein „Barber“, den man in weniger von Anglizismen geprägten Zeiten Barbier nannte? Kurz gesagt: Er macht Bärte, und zwar mit dem Messer. „Ich bin froh, dass es diesen Trend gibt. Dadurch können wir Friseure uns in dem, was wir tun, wieder etwas mehr verbreitern“, sagt Friseurmeister Siaban. Er trägt selbst Bart und freut sich, dass es in der Mode wieder mehr Mut zur Männlichkeit gibt. „Früher hat ja kein Mann mehr als zehn Euro für einen Haarschnitt ausgegeben. Vor einigen Jahren war der Mann rein modisch gesehen dann schon fast eine Frau.“ Jetzt sprießen die Haare – und wollen gepflegt werden.

Siaban hat griechische und türkische Wurzeln, ist gebürtiger Berliner und kam 2002 mit seinen Eltern  nach Crailsheim, wo er 2011 seinen ersten Salon eröffnete. Im gleichen Jahr erlangte er den Meisterbrief und hielt fortan die Augen nach neuen Trends offen.

Mit Fadentechnik die Augenbrauen formen

Er verweist auf die südeuropäischen Länder, wo Bartpflege und die Behandlung der Gesichts-, Nasen- und Ohrenhaare des Mannes mit Rasiermesser, Faden und Flamme zum guten Ton gehören – und wo ein Mann regelmäßig in den Salon geht, um sich vom Fachpersonal rasieren zu lassen. Vor allem die Fadentechnik, mit der die Augenbrauen in Form gebracht werden, ist bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt.

Wer mit welchem Werkzeug ans Werk geht? Hier macht Siaban schon einen kleinen Unterschied: Augenbrauen seien eher etwas, wo Frau Hand anlegt. Dagegen gehört das Rasiermesser für ihn in Männerhand. „Wenn man mit dem Messer umgehen kann, dann kann man auch mit dem Bart umgehen“, sagt der Barbier und bedauert gleichzeitig, dass man in der Friseurausbildung dafür lediglich die Grundlagen erlernt. Den Rest hat sich Deniz Siaban durch geduldiges Zusehen und Üben selbst beigebracht. „Man sieht eine Technik und probiert sie aus, so lernt man dazu“, erklärt er.

Waschbecken für den Bart

Obwohl er seinen neuen Salon in der Innenstadt erst im Mai 2015 eröffnet hat, hat der junge Friseur erst vor Kurzem noch einmal umgebaut. Frauen und Männer haben nun separate Bereiche. Allerdings nicht, weil er Wert auf Geschlechtertrennung legt, sondern aus ganz praktischen Gründen: An den Männerplätzen gibt’s jeweils ein Waschbecken unter den Spiegeln, wo der Bart bei Bedarf gewaschen werden kann.

Die Barbershop-Einrichtung hat Siaban aus Istanbul importiert, wohin er reiste, um sich in der dortigen Friseurszene umzuschauen. „Solch eine Einrichtung bekomme ich hier gar nicht“, sagt er. Dass die Sprühflasche am Männertisch eine Whiskeyflasche ist, ist eines der vielen kleinen Details, die Siaban so wichtig sind, um eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Er sagt: „Für mich ist mein Beruf Traum, Liebe und Leidenschaft. Es ist eine Befriedigung für mich, wenn ein Mensch besser aussieht, wenn er aus meinem Laden geht – egal ob Mann oder Frau.“

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