Christoph Sonntag verteilt in Crailsheim gnadenlose Rundumschläge

Schwäbisches Kabarett vom Feinsten gab es von Christoph Sonntag, der mit seinem neuen, mittlerweile zehnten Soloprogramm in der ausverkauften Großsporthalle die Lacher auf seiner Seite hatte.

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Bereits seit 25 Jahren ist der begnadete Ausnahme-Entertainer auf den Bühnen der Republik und insbesondere des Schwabenlandes unterwegs. Die meisten kennen ihn jedoch aus Funk und Fernsehen. Seine Radio-Comedy-Serie "AZNZ" ("Alte Zeiten - neue Zeiten") bei SWR3 war dermaßen erfolgreich, dass der Kabarettist kurzerhand ein Bühnenprogramm daraus bastelte, das ihn endgültig zum Botschafter alles Schwäbischen außerhalb vom Ländle werden ließ. Mit seiner AZNZ-Tour begeisterte er mehr als 200 000 Zuschauer.

Nach einem halben Jahr Pause ist die schwäbische Spaßbombe jetzt mit neuem Programm zurück auf der Bühne und amüsiert das Publikum mit einem Feuerwerk aus bewährtem bunten Mix aus Scharf-, Schwach- und Blödsinn. Als "Schwabens intelligente Antwort auf Mario Barth" pries ihn eine Pressemeldung, die nun sein neues Doppelalbum ziert.

Als aufwendige Bühnenkulisse hat er das Neue Stuttgarter Schloss mit einer voll funktionsfähigen Kopie der dortigen Springbrunnen mitgebracht - quasi als Vorsichtsmaßnahme einer vorgezogenen Reminiszenz, weil der Stuttgarter bekanntlich ja dazu neige, "ihm lieb gewordene Gebäude unter der Erde zu verbuddeln". Von dieser Pointe aus schlägt er elegant den Bogen zu einem seiner Lieblingsgenres, der Politikerschelte mit gezielter Tendenz zur Beleidigung: Den designierten Chef der Deutschen Bahn, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, qualifiziere vor allem sein Aussehen dafür, denn "er sieht aus wie ein ICE nach dem Personenschaden", während die SPD-Frau Andrea Nahles eher den "Charme eine Prostatauntersuchung" verströme.

Ein Lieblingsopfer aus den Reihen der "Märchenerzähler mit Porzellansyndrom" (sprich: "Nicht alle Tassen im Schrank") ist für den Komiker die Verteidigungsministerin "Ursulator von der Leyen, die Wehrmachtsuschi", die er als "Mischung aus Julia Timoschenko, Inge Meysel und evangelischem Gesangbuch" charakterisiert.

In Sonntags gnadenlosen Rundumschlag mit ausgesprochen hoher Gag-Dichte wechseln sich satirische Spitzen zu hochbrisanten Themen wie Klimawandel, Waffenexporte, Steuerbetrug und Zockerbanker nahtlos ab mit Stammtischwitzen und derben Späßen zum Thema Partnerbeziehung und späte weibliche Scheidungseinsichten: "Für des bissle Wurst brauch' ich doch nicht das ganze Schwein."

Ein kabarettistischer Höhepunkt war die zum Schreien komische Kretschmann-Parodie, bei der der Ministerpräsident als "Kretschmal" auf dem Sockel der Concordia schwäbisch-bräsig über vergangene Zeiten räsoniert. Am innigsten ergötzte die Besucher jedoch Sonntags nassforscher Umgang mit dem Publikum, aus dessen Reihen er immer wieder einzelne Opfer mit sympathisch impertinenten Dialogen vorführte.

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