Bringt eine weitere Buslinie Entlastung in Crailsheim?

Der Stadtbus hat sich in Crailsheim etabliert. Trotzdem könnten noch viel mehr Bürger das Auto stehen lassen und den ÖPNV nutzen.

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Mehrere Buslinien fahren in kurzen Abständen kreuz und quer durch die Stadt: In Sachen öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist Crailsheim gut aufgestellt. Doch trotzdem setzen sich viele Bürger lieber ins eigene Auto als in den Bus. Kann eine zusätzliche Buslinie Abhilfe schaffen? Die Crailsheimer Gemeinderäte zerbrachen sich darüber in der jüngsten Sitzung wieder einmal den Kopf.

Fast eine Million Fahrgäste nutzten im vergangenen Jahr den Stadtbus. Das sind zwar etwas weniger als in den vergangenen drei Jahren, aber unterm Strich ist es ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. „In der Summe haben wir eine gute Auslastung des ÖPNV“, sagte Baubürgermeister Herbert Holl in der Ratssitzung. Die leicht gesunkenen Fahrgastzahlen lägen vor allem an den gesunkenen Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen.

Trotzdem fährt beim 2005 eingerichteten Stadtbus noch immer ein finanzielles Defizit mit – und das obwohl die Stadt jährlich einen Zuschuss zahlt. Das wird sie auch in den kommenden drei Jahren machen, so hat es der Gemeinderat jetzt beschlossen. Im Jahr 2018 sind das 73 000 Euro Sockelförderung sowie eine variable Förderung der vergünstigten Horaffen-Tickets in Höhe von etwa 125 000 Euro, die jedem Fahrgast direkt zugutekommt.

Die rund 200 000 Euro Zuschuss sind nach Meinung der Stadträte gut angelegt. Alle Fraktionen sprachen sich für eine Stärkung des ÖPNVs aus. Dennis Arendt (SPD) merkte aber kritisch an, dass es nach wie vor keine Firmenbusse gebe, dass immer wieder parkende Autos den Busverkehr behinderten und dass das Freibad nicht mehr mit dem Bus zu erreichen sei.

Die fehlende Freibad-Anbindung ist auch der Grünen-Fraktion ein Dorn im Auge. „Man könnte saisonal Strecken ausbauen“, schlug Charlotte Rehbach vor. „Zum Beispiel im Sommer das Freibad anfahren und eine Haltestelle im Stadtteil Türkei einrichten.“ Saisonale Linien führten zu Problemen bei der Taktung, gab Herbert Holl zu bedenken. Es sei aber durchaus möglich, Stadtteile, die sich gut entwickelt hätten, an den Stadtbusverkehr anzuschließen. „Machbar ist sicher vieles“, so Holl, „es ist alles eine Frage des Preises.“

Bessere Anbindung

„Wenn ein attraktives Angebot da ist, steigen auch die Fahrgastzahlen“, zeigte sich Gerhard Neidlein (CDU) zufrieden mit der Entwicklung des Stadtbusses. Die CDU-Fraktion stellte den Antrag, eine weitere Stadtbuslinie einzurichten, um die Stadtteile besser an die Innenstadt anzuschließen. Der Vorschlag fand spontan eine Mehrheit im Gremium.

Peter Gansky (BLC) hätte anstatt einer weiteren Buslinie lieber einen Bürgerbus ins Leben gerufen, fand dafür aber keine Mehrheit.

Die Kosten sind in der Verkehrs-Debatte der Dreh- und Angelpunkt. „Um eine spürbare Verkehrsentlastung zu bekommen, müsste mehr Geld investiert werden“, sagte Wolfgang Ansel und stellte die Frage in den Raum: „Gibt es einen Idealverkehr, der es schaffen würde, den motorisierten Individualverkehr deutlich zu entlasten? Wie sieht er aus? Und was kostet er?“ Diese Fragen will der SPD-Stadtrat der neuen Verwaltung stellen.

Die scheidende Verwaltungsspitze hat sich solche Fragen ebenfalls schon gestellt. Für Baubürgermeister Holl geht es hier eher um die Bequemlichkeit: „Das größte Problem in Crailsheim liegt darin, dass man viel zu bequem mit dem Auto überall hinfahren kann.“ Man müsse die Bürger dazu bringen, bewusst das Auto stehen zu lassen. Holl: „Bei diesem Thema müsste man vielleicht einen Psychologen mit einschalten.“

Die Busse in der Innenstadt verkehren montags bis freitags im Halbstundentakt, frühmorgens und spätnachmittags sogar viertelstündlich. Samstags gilt ebenfalls der Halbstundentakt. Sonntags fahren die Linien 52 und 53 im Stundentakt.

Einfache und verständlicher Fahrpläne und ein Kunden-Center in der Innenstadt gehören zum Konzept.

Ein „Kirchen-Bus“ fährt seit Mai 2008 die Kirchengemeinde Allerheiligste Dreifaltigkeit an. Ein „Nightliner“ bringt besonders die jüngere Generation freitags und samstags durch die Nacht.

Die Busse sind mit einer sogenannten „Kneeling-Funktion“ ausgestattet. Sie können sich seitlich absenken, damit der Einstieg für die Fahrgäste leichter wird.

Die Linie 54 vom Klinikum über Fliegerhorst und Roßfeld bis nach Onolzheim wurde Anfang 2011 eingeführt. Drei Jahre später wurde sie neu konzipiert. Sie fährt jetzt nicht mehr nach Onolzheim, sondern in Richtung Ingersheim/Industriegebiet Süd-Ost.

Zum Tarifsystem gehören Monats- und Jahres-Abos, die gefördert werden. Seit 2011 gibt es das Horaffen-­Ticket.

Ein Elektrobus ist seit September 2016 auf den Linien 52 und 53 im Einsatz.

Ein Echtzeitsystem ist seit Mitte dieses Jahres auf den Bordrechnern des Stadtbusses installiert. Damit können Fahrgäste künftig online und bald auch an elektronischen Anzeigetafeln an den Haltestellen in der Stadtmitte ablesen, wie viele Minuten bis zur Ankunft des nächsten Busses vergehen. hof

Cent beträgt die Förderung der Stadt Crailsheim pro Fahrgast. Das ist im Vergleich zu anderen Städten ein günstiger Zuschussbetrag.

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