Botschafter geben Denkanstöße

Beim Studieninformationstag an der Eugen-Grimminger-Schule sind die Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums von Studenten über ihre Möglichkeiten nach dem Abitur aufgeklärt worden.

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    Andreas Dinger studiert Realschullehramt (Sport, Englisch und Deutsch) an der PH Ludwigsburg. Fotos: Marius Leuschner
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"Meine Eltern haben zu mir gesagt: ,Studiere etwas Kreatives. Das wäre doch ganz cool. Eigentlich keine schlechte Idee, dachte ich. Nur malen kann ich nicht. Und zeichnen erst recht nicht." Aus dem Publikum ist Gelächter zu vernehmen, als Annika Münch von ihrer Orientierungsphase nach dem bestandenen Abitur berichtet. Die Schüler der Oberstufe des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Crailsheim scheinen von ihren Anekdoten ziemlich angetan. Das liegt zum einen sicherlich an ihrem ansprechenden Erzählstil. Zum Teil aber vermutlich auch an einem gewissen Maß an Identifikation: Münch ist als eine von fünf "Studienbotschaftern" an die Schule gekommen und beschreibt ihre damalige Situation, die viele der Zuhörer an ihre eigene erinnern dürfte.

Sie erzählt von ihrem Studienfach - und ihrem Weg bis dorthin. Die so sehr herbeigesehnte Freiheit nach dem Abitur kann ziemlich anstrengend sein. Ein Gefühl, das alle Abiturienten im Sommer, nach Beendigung der mündlichen Abiturprüfung, kennenlernen werden. Spätestens dann beginnt die große Fragerei: Was soll ich mit der restlichen Lebenszeit anfangen? Studieren, oder lieber eine Ausbildung machen? Vielleicht doch zuerst die Welt entdecken? Und von welchen Kriterien sollte ich meine Entscheidung am besten abhängig machen?

An jenem Studieninformationstag lässt sich auf all die individuellen Fragen der nächsten Generation von Gymnasialabsolventen keine eindeutige Antwort finden. Aber es werden so manche Denkanstöße gegeben, die auf dankbar geöffnete Ohren stoßen. In der Aula der Eugen-Grimminger-Schule ist es weitgehend still, als der Vortrag mit wechselnder Rednerschaft einen Themenblock nach dem nächsten abarbeitet, ohne die Schüler dabei mit einem undurchdringlichen (oder gar langweiligen) Wust an Informationen zu benebeln. Neben den fünf ehrenamtlichen Studienbotschaftern anwesend sind Professor Ulrich Hummel von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Studienberater Richard Seubert (Bundesagentur für Arbeit).

Die Fachhochschule (FH) zum Beispiel markiert ihren erhöhten Praxisanspruch gegenüber der Universität nun mit dem schmuckvollen Namen Hochschule für angewandte Wissenschaften (HaW). Es ist nicht wenig, was ein Studienwilliger wissen muss, bevor er beginnt, seine Bewerbungen zu verschicken. Der Fokus der Veranstaltung in der Eugen-Grimminger-Schule lag dabei nicht auf einer Powerpoint-Präsentation und freundlich-kompetenten Expertenvorträgen, sondern auf anschließenden Kleingruppen, in denen die Studienbotschafter Interessierten für weitere, spezifische Fragen zur Verfügung standen.

"Ausschlaggebend für meine Zulassung zum Studium war weniger der Notenschnitt, als vielmehr mein soziales Engagement", erzählt Andreas Dinger, der an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg Realschullehramt studiert. "Nicht immer ist der Numerus clausus ausschlaggebend."

Mara Lösche wagt sich an der Universität Tübingen an ein ganz neues Lehramt: Chinesisch. Nach einer Woche habe sie schon erste Texte lesen können, beschwichtigt sie die erstaunten Mienen und "Das muss doch unfassbar schwer sein!"-Rufe.

Annika Münch (Studiengang Medien und Informationswesen) beschreibt ihre Erfahrungen als Praktikantin beim TV-Sender Pro Sieben. Sie berichtet von Dreharbeiten mit Franz Beckenbauer und vom Erwartungsdruck, der plötzlich auf ihren Schultern lastete, als sie als Projektleiterin eingesetzt wurde, um eine Programmvorschau zu gestalten.

Gerade durch das Konzept, dass tatsächlich Studenten über ihre Fachbereiche informierten, fiel der Grundtenor unter den Schülern sehr wohlwollend aus: Informativ sei die Veranstaltung auf jeden Fall gewesen. Unterhaltsam auch. Die vielleicht einprägsamste Botschaft vermittelte an diesem Tag der Studienberater Richard Seubert: "Die Bedürfnisse der Wirtschaft sind generell ein schlechter Indikator, um das richtige Studienfach für sich zu finden." Natürlich könne er nun jedem empfehlen, Maschinenbau zu studieren. "Aber wer keine Begabung für Mathematik und Physik mitbringt, wird dabei ganz sicher nicht glücklich."

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